2a
Ich möchte hier näher auf die Chandogya Upanischad eingehen. Sie enthält die wohl bekannteste Aussage aller Upanischaden und damit die Essenz der dort immer wieder behandelten Fragen: „Tat Tvam Asi – Das bist Du!“
Die Geschichte erzählt von dem zwölfjährigen Svetaketu, der von seinem Vater in den Ashram ( Einsiedelei oder Kloster) eines Guru zur Unterweisung geschickt wurde. Nach zwölf Jahren der Unterweisung kehrt Svetaketu voll Stolz auf sein Wissen nachhause zurück. Wir erleben hier einen Vorgang, der für Menschen wohl zu allen Zeiten symptomatisch war, nämlich die Überschätzung von intellektuellem Wissen. Dies bringt uns zu der Frage, was zu lernen sich eigentlich lohnt? Wir haben im Leben eine bestimmte Zeit zur Verfügung. Womit füllen wir sie? Hat die Zeit eventuell eine Bedeutung für uns? Warum leben Menschen eigentlich unterschiedlich lange? Der eine hat die Gene, der andere eben jene, mag jetzt die allgemeine Antwort lauten. Aber warum? Ist das nicht ungerecht, wenn es denn so wäre? Ja aber gemach – hat denn irgendeiner behauptet, dass es auf der Welt gerecht zugehe? Hat die uns zugemessene Zeit vielleicht mit den Inhalten zu tun, die wir in dieser Zeitspanne zu erledigen haben? Wenn dem so wäre, und ich fände diesen Gedanken sehr sympathisch, dann hätte keiner Grund sich über die ihm zur Verfügung stehende Zeit zu beklagen, denn es wäre leicht einsehbar, dass für unterschiedliche Aufgaben, unterschiedliche Zeitspannen zu Verfügung stehen. Allerdings ist dann die gewichtige Problemstellung gegeben, dass jeder Mensch diese Zusammenhänge erkennen und für sich eine adäquate Lösung finden muss. „Tat Twam Asi (Teil 3)“ weiterlesen



Wir kennen viele Arten des Genießens. Unsere Sinne sind wach und geschärft. Entsprechend unseres Einkommens ist es uns möglich, uns mit exquisiten Dingen zu umgeben. Nun ist unser Denken ein eigentümliches Wesen. Es ist unersättlich in seinem Hunger nach Eindrücken. In der Regel geben wir dem auch ohne Hemmung nach. Die Folge ist, dass unser Suchen nach Genuss in unzählige Richtungen geht. Das Ganze spielt sich gewöhnlich zum überwiegenden Teil auf der materiellen Ebene ab und gibt uns einfach ein gutes Gefühl. Wenn wir das erste mal das neue Geschirr auf dem ästhetisch gedeckten Esstisch sehen, die dazu eingeladenen Gäste warten auf das mit Sorgfalt zubereitete Menü, dann ist das etwas erhebendes, etwas, dass uns über das tägliche Erleben hinaushebt. Wir berühren in gewissem Sinne eine höhere Dimension. Ob es sich nun um Reiseandenken handelt, um schöne Bücher oder um neue Blumen für den Garten, alles ist Teil unserer Identität. Manchmal mögen wir inmitten unserer Welt stehen und dann fühlen wir ganz intensiv, das ist unser Leben, das sind wir.
Karma-Yoga ist das Yoga des Handelns. Das erste Prinzip besagt, dass man handelt, ohne nach den Früchten zu fragen. Normalerweise tun wir ja etwas, um etwas zu erreichen oder etwas zu bekommen. Wenn nichts dergleichen in Sicht ist, lassen wir es meistens sein. Diese Art des Handelns bezeichnen wir als Artha. „Wenn der mir nichts gibt, dann kriegt er von mir auch nichts!“
1962 kam der erste einer Filmreihe namens Mondo Cane heraus. Das bedeutet soviel wie verrückte Welt. Der Film enthielt alle möglichen bizarren Dinge aus aller Welt. Mir ist eine Szene in Erinnerung, die in einem kleinen Dorf in Sizilien oder Süditalien aufgenommen wurde. Dort findet jedes Jahr folgender Wettbewerb statt: Die jungen Männer des Dorfes nehmen ca. zehn Meter vor einem Garagentor Aufstellung und rennen dann einzeln mit Karacho und gesenktem Kopf auf das Tor zu, um es auf diese Art zu öffnen. Da der menschliche Kopf in der Regel eher zum Denken und weniger als Rammbock geschaffen wurde, sind gewöhnlich mehrere Anläufe nötig, um zum Ziel zu kommen. Der Film zeigte denn auch eine Menge blutüberströmter Gesichter einschließlich das des Gewinners, der mit blödem Grinsen stolz seinen Preis, eine Salami, vor die Kamera hielt.