Yogis und Revolutionäre

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Im Yogasutra 5/II wird Avidya, eines der fünf Klesas, definiert. Dort heißt es:

Avidya ist, wenn man ein vergängliches Objekt als dauerhaft, ein unreines Objekt als rein, Leid als Freude und das Nicht-Selbst als das Selbst betrachtet.

In seinem Kommentar gibt Vyasa, der Autor des Mahabharata, folgendes Beispiel: „Seht dieses Mädchen, liebreizend und zart wie der Neumond, ihr Körper scheint aus Honig und Nektar, gleichsam eine Tochter des Mondes, Augen wie Lotosblüten…“

An der Nürnberger Sebalduskirche gibt es das Hochzeitstor, durch das die Brautpaare im Mittelalter zur Trauung schritten. Wenn man ins Innere tritt, trifft man auf eine Frauenstatue von perfekter Schönheit. Geht man auf die Rückseite, sieht man ein Gewimmel von Würmern. So soll erinnert werden, dass das Äußere, das wir alle so bewundern, vergänglich ist. „Yogis und Revolutionäre“ weiterlesen

Weisheit oder Resignation?

IMG_20160126_190252In einem der Werke des bekannten deutschen Indologen, Helmut von Glasenapp, findet sich folgende Überlegung:

Der klassische brahmanische Lebenslauf des alten Indiens teilt sich in die Phasen Kindheit-Erziehung, Beruf-Familie, Rückzug aus der Welt und Wanderschaft als Sadhu. Das Ziel ist die zunehmende und schließlich vollkommene Abkehr vom Weltlichen und dem ausschließlichen Streben nach Gottesverwirklichung.

In dieser letzten Phase des Lebens wird aller Besitz aufgegeben, die sinnlichen Bedürfnisse auf ein absolutes Minimum reduziert und der Tag besteht aus Gebet und Meditation. „Weisheit oder Resignation?“ weiterlesen

Langeweile

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Weihnachten steht vor der Tür, das Fest der Liebe – und des Konsums. Gegenwärtig ist letzterer durch Corona ziemlich eingeschränkt, aber wir versuchen trotzdem nach Kräften zu shoppen und wenn es Online ist.

Langeweile wird gerne mit shoppen vertrieben.

In irgendeinem meiner Aufsätze auf dieser Seite habe ich folgendes Zitat erwähnt: „Was ist der Unterschied zwischen einem Weisen und einem Normalsterblichen?“ Antwort: „Wenn der Weise isst, dann isst er. Wenn er geht, dann geht er…“ „Langeweile“ weiterlesen

Reise in den Mikrokosmos

Indien4-26Man schreibt das Jahr 1980. Nach drei Monaten im Yoga-Institute bin ich fünfhundert Kilometer nach Süden ins Hippie-Paradies Goa geflogen. Drei Monate Askese, klösterliche Einschränkung und anstrengende Studien liegen hinter mir und bevor ich zurück nach Deutschland fliege, will ich eine Woche Sonne, Meer und Palmen genießen. Vom Flugplatz fahre ich nach Panjim und von dort mit dem Taxi nach Calangute. „Reise in den Mikrokosmos“ weiterlesen

Wer Ohren hat…

1453832356267 (1)…der höre.

Ich möchte gerne eine kleine Episode, die ich gestern erlebt habe, mit Ihnen teilen.

Ich habe seit Jahrzehnten einen spirituellen Ort, den ich gerne aufsuche. Es ist ein Bergplateau im fränkischen Jura, von dem man einen weiten Blick hinaus ins Land hat. Oben wächst Magerrasen und die Vegetation ist reich an Moosen, Flechten und kleinen Blümchen. Am meisten mag ich den Wind. Gestern war er lau und schmeichelnd. Manchmal bläst er scharf und kalt und man muss sich gegen ihn stemmen.

Im Idealfall bin ich alleine dort oben. Manchmal sind noch ein paar Leute da, aber das verläuft sich.

Gestern nun war ich wieder einmal oben. Die Luft war warm und hatte diesen besonderen Schimmer, den nur der Frühherbst bietet. „Wer Ohren hat…“ weiterlesen