Die Lampe des Schusters

Edf
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Im Görlitz des 16. Jahrhunderts lebte ein Schuster namens Jakob Böhme. Einst saß er in seiner Schusterstube und arbeitete.

Alte Leute kennen diese Schusterwerkstätten noch. Sie waren klein. Der Schuster saß auf einem Schemel an einem niedrigen Tisch Es war außerhalb des Tisches immer etwas halbdunkel, weil nur eine Schirmlampe herabhing, die lediglich das unmittelbare Arbeitsumfeld beleuchtete.

Früher, zu Böhmes Zeiten, gab es natürlich noch kein elektrisches Licht. Man beleuchtete mit Öl, Talg, Waltran oder Wachs. Um die Leuchtkraft zu verstärken, hatte man seitlich der Flamme einen Spiegel oder eine reflektierende Blechscheibe angebracht.

Eines Tages nun saß Meister Böhme bei der Arbeit und sah dabei, wie so oft vorher, von seiner Tätigkeit auf und sah den Lichtschein, den die Lampe an die dunkle Wand der Werkstatt warf.

Diesmal allerdings war es anders. Blitzartig überkam ihn die Erkenntnis, dass das Licht ohne die es umgebende Dunkelheit nicht sichtbar wäre. „Die Lampe des Schusters“ weiterlesen

Nada te turbe

 

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Nada te turbe,
nada te espante,
todo se pasa,
Dios no se muda.
La paciencia todo lo alcanza.
Quien a Dios tiene,
nada le falta.
Sólo Dios basta.

Nichts beunruhige dich,
nichts erschrecke dich,
alles vergeht,
Gott ändert sich nicht.
Geduld erreicht alles.
Wer Gott hat,
dem fehlt nichts.
Gott allein genügt.

 

„Wer Gott sucht, braucht keine Flügel. Er soll nur still in sein Inneres schauen. Dort wird er ihn finden. Das Innere des Menschen ist wie ein Kristall, in dessen Mitte Gott wie eine alles durchdringende Sonne wohnt. Das Tun des Menschen wird nicht wirksam, wenn seine Taten nicht aus dieser Mitte stammen.“

Was Sie hier lesen, sind Worte der spanischen Mystikerin Theresa von Avila. Ich füge im Folgenden ein paar Zeilen ein, die ich in dem Artikel „The long and winding road“ am 18.11.2019 geschrieben habe:

Ein Zenschüler fragte seinen Meister: „Meister, ich esse und arbeite und schlafe und du isst und arbeitest und schläfst. Du bist erleuchtet und ich nicht. Aber du tust nichts anderes als ich. Was wird sich ändern, wenn ich auch einmal erleuchtet bin?“

Die Antwort: „Du isst und arbeitest und schläfst.“ „Nada te turbe“ weiterlesen

Hiob

IMG 20251130Hiob lebt ein gottesfürchtiges Leben. Er ist der reichste Mann im Ort mit großen Viehherden, und er ist glücklich inmitten seiner Familie und seiner Freunde.

Mit einem Schlag wird ihm alles genommen und er findet sich, „mit Schwären bedeckt“ im Staub liegend.

Seine Freunde reden auf ihn ein und versuchen, ihn zu überzeugen, dass er eine Schuld auf sich geladen hätte und Gott ihn dafür bestrafe. Die aber weist er von sich und erträgt sein Leiden, wiewohl er immer die Frage nach dem „warum“ stellt und Antworten von Gott fordert.

In der Geschichte über Hiob drängt sich die Sinnhaftigkeit auf, warum Leid in der Welt ist und zwar Leid, das Unschuldige überfällt, die es offensichtlich nicht verdient haben. „Hiob“ weiterlesen

Phasen

Img 20201122 102910Sie, die Sie diese Zeilen lesen, sind in der einen oder anderen Art auf der Suche, sonst würden Sie nicht hier  sein.

Ich habe im Lauf meines langen Lebens schon etliche Zielvorstellungen gehabt, soweit es meine spirituelle Sadhana anbelangt.

Als junger Erwachsener, nach einer mehr oder wenigen schwierigen Kindheit und den folgenden Irrungen und Wirrungen der Pubertät, versprachen die ersten Bücher über Meditation die „große Ruhe“.

Ich stellte mir vor, dass die Zukunft so aussehen würde wie ein Schweben über den Wolken: Das Gebraus der Welt mit ihrem täglichen Kleinkram spielt sich weit unten ab. „Phasen“ weiterlesen

Also sprach Zarathustra Teil III

Digital stillcamera
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Religionen können immer missbraucht werden. Da sie neben der spirituellen auch eine gesellschaftliche Funktion haben, kommen Herrschaftsinteressen ins Spiel. Es gibt ja nicht nur die Reichen und die Schönen, sondern auch Arme und Entrechtete.

Um sie „ruhigzustellen“, müssen sie getröstet werden, indem man sie glauben macht, dass die Unterdrücker nach dem Tod in die Hölle kommen und dort ihre gerechte Strafe bekommen.

Psychologisch gesehen ist dieses Konzept hierarchisch und damit nicht emanzipatorisch. Einer straft, der andere wird bestraft.

Nun kann man Religionen nicht einfach wechseln wie seine Kleider. Es gibt ganz tiefe archetypische Bindungen und Erfahrungen, die uns zum überwiegenden Teil gar nicht recht bewusst sind. Ich habe in meinem Buch „Jenseits von Benares“ meinen eigenen Weg durch die religiöse Welt des Westens und des Ostens beschrieben.

Die Hindus sehen das vollkommen klar, indem sie sagen, dass man nicht Hindu werden kann. Man muss kraft Karma hineingeboren werden.

Viktoria Satyr hat mit ihrer systemischen Familientherapie gezeigt, dass sich unser Verhalten und unsere inneren Strukturen bis zurück zu den Urgroßeltern verfolgen lassen. Das zeigt die tiefe Bindung an die Vergangenheit, sei es die individuelle oder auch die gesellschaftlich-religiöse.

Nur die Hybris und Ignoranz der deutschen Linken glaubt, aus einem zwanzig Jahre alten afghanischen Moslem einen abendländischen Deutschen machen zu können.

In „aufgeklärten“ Kreisen wird heutzutage gerne mit dem Begriff Karma um sich geworfen. Das kann ganz lustig sein, wie in dem Buch „Mieses Karma“, in dem geschildert wird, wie eine Ameise wieder auf höhere Ebenen kommen will.

Karma bedeutet nicht, dass man als Ameise geboren wird, wenn man Schweinebraten isst. Neulich las ich irgendwo, dass am Himmelstor die Tiere Spalier stehen, die einer im Laufe seines Lebens gegessen hat und entscheiden, ob derjenige Zutritt erhält.

Da schimmert ganz deutlich das alte Schuldsystem durch.

Karma, richtig verstanden, ist das Gesetz des Daseins und ist in allen Religionen zu finden, wiewohl nicht unter demselben Namen.

Der Fehler, dem die Religionsdogmatiker aufsitzen, liegt darin, die Existenz eines personalen Gottes anzunehmen. Daraus kommt unweigerlich die Vorstellung von Schuld und Strafe, wenn man nicht gehorcht.

Baruch de Spinoza spricht von Gott als „unendliche Substanz“, die sich aus sich selbst heraus erschafft. Das gleicht dem „Logos“ der Griechen. Alles was „ist“, sind Emanationen dieser Substanz, auch wir Menschen, also auch die „großen“ Menschen, wie Jesus, Krishna oder Buddha.

Die zentrale Botschaft Jesu ist Liebe. Karma-Yoga spricht von Handeln, ohne nach den „Früchten“ zu fragen. Buddha redet von selbstlosem Handeln.

Wer diese Seinsebene verlässt, schafft sich seine eigene Hölle des Getrenntseins. Diese ist in ihrer radikalsten Ausformung der Hass.

Anders formuliert ist das schlechtes Karma. Wenn der Leidensdruck dann zu stark wird, kehrt der Mensch wieder zurück zur Inklusion, oder wie das Neue Testament sagt, zur Liebe.

Wahre Freiheit besteht darin, die Gesetzmäßigkeiten der Natur und der menschlichen Existenz zu verstehen und zu akzeptieren. Spinoza lehrte, dass alles in der Natur mit Notwendigkeit geschieht, und dass Freiheit in der Erkenntnis dieser Notwendigkeit liegt, was zur Beherrschung von Leidenschaften und zur Erlangung von innerem Frieden führt.

Im japanischen Shintoismus geht es um ein Dasein im Einklang mit der Natur, das heißt, allem was existiert. Wer nicht im Einklang lebt, ist unglücklich und wird, um wieder mit indischer Terminologie zu sprechen, mittels schlechtem Karma, zurückgeführt.

Manche Menschen lernen schnell, manche brauchen länger. Da muss der Druck „schlechten Karmas“ erst ein gewisses Maß erreichen.

Das Tempo bestimmt man selbst. Der Aufenthalt in der „Hölle“ oder im „Himmel“ ist der eigenen Entscheidung überlassen.

Die vorliegende „Zarathustra-Trilogie“ ist keine religionsphilosophische Abhandlung. Mir ging es darum, wie wir aus dem abendländischen Schuld-Strafe-Denken aussteigen können.