Tot oder lebendig?

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Unter Menschen meiner Altersklasse gibt es das geflügelte Wort: „Wenn du morgens aufwachst und es tut dir nichts weh, dann weißt du, dass du tot bist.“

Alt sein hat eine ganze Menge Nachteile. Ich brauche mich darüber nicht groß auszulassen. Jeder kann sich das selbst ausmalen.

Neben diesen Nachteilen, gibt es aber einige nicht zu verachtende Vorteile. Wir kennen alle die berühmten guten Vorsätze am Silvesterabend. Die meisten sind schon eine Woche später wieder vergessen. Trotzdem versuchen wir es guten Mutes im nächsten Jahr wieder. Es geht dabei mehr oder weniger darum, sogenannte Schwächen, die wir haben, los zu werden. Das berühmteste Beispiel ist das Rauchen. Wenn man das fünf Jahre hintereinander mit magerem Ergebnis versucht hat, können sich schon mal Gefühle von Resignation einstellen.

Wenn man es aber fünfzig Jahre versucht hat und immer noch nicht ganz clean ist, dann stellt sich diese Problematik, wenn wir sie denn so nennen wollen, anders dar.

Aus der Resignation der jungen Jahre ist dann vielleicht so was wie Demut geworden. Demut ist etwas, was man in jungen Jahren schlecht nachvollziehen kann. Wenn man älter ist, ist das leichter, denn das Leben und der eigene Organismus zwingen zu der Einsicht, dass nicht alles machbar ist und dass wir das Wenigste, was uns passiert unter Kontrolle haben.

Manches von dem, was wir gerne verstecken, das was C.G. Jung als Schatten bezeichnet, wird dann vielleicht anders gewertet. Es geht nicht mehr nur um diese ungeliebte Eigenschaft allein, sondern um die Bedeutung und um die Hintergründe. Jeder „Schatten“ hat auch eine „sonnige“ Seite.

Das Eine gibt es nicht ohne das Andere. Im Lauf der Jahrzehnte kommt man dann vielleicht zu der Einsicht, dass diese oder auch mehrere Dinge zu einem gehören, ja, dass man das ist, dass es das ist, was einen ausmacht.

In jungen Jahren ist man viel mehr im Kampfmodus. Das ist, zumindest was die eigene Person anbelangt, zum Scheitern verurteilt, denn man kann sich nicht selbst bekämpfen, es sei denn um den Preis der Selbstzerstörung.

Ich will hier beileibe nicht sagen, dass man als Alter schlauer ist als ein Junger. Nur, wenn man etwas ein halbes Jahrhundert praktiziert, dann hat es eine andere Qualität als wenn man damit erst angefangen hat.

Jedoch – Alter allein bringt es auch nicht. Es gibt genug Alte, die genau so dumm und eingeschränkt in ihren Strukturen sind wie in jungen Jahren.

Ohne einen philosophisch-psychologischen Bezugsrahmen geht es nicht. Man muss schon „dran bleiben“.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Bergpredigt. Sie wissen schon, die mit den berühmten Aussagen wie: „Wenn du eine auf die linke Backe bekommst, dann halte auch die rechte hin.“

Das ist schwierig für uns Menschen. Wohl kaum einer schafft es gänzlich, wie Jesus zu werden. Nein, es geht darum, einen Kompass in sich zu tragen, dem man folgen kann, auch wenn er manchmal aussetzt. Hingefallen, aufgestanden, weiter gemacht! Darum geht es.

Als ich 1978 das erste Mal aus dem Yogainstitut zurück kam, dachte ich allen Ernstes, jetzt seien alle Probleme gelöst. Jetzt bin ich ja Yogi. Haha, sag ich da nur!

Es ist diese Gelassenheit, die vielleicht ein Privileg des Alters ist. Die darin besteht, dass man eher sehen kann, dass „Leben passiert“, aber auch, dass „Shit happens“.

Indem man, wenigstens soweit es mich betrifft, eher zulassen und vertrauen kann als zu versuchen, alles zu kontrollieren, nähert man sich ein bisschen dem Ideal des Tao, das vom fließenden Wasser spricht, welches einfach fließt, weil es fließt, weil…

Als ich jung war, wusste ich das alles auch schon, aber zwischen wissen und Wissen ist ein Unterschied.

Absolute Kontrolle und Sicherheit ist nur im Tod zu finden, nicht im Leben.

Wer also leben will, der verliert immer wieder einmal den Kompass aus den Augen, aber er findet ihn dann auch wieder und segelt weiter.

Yoga zum Beispiel ist so ein Kompass.

Übrigens: Es muss nicht so ausgehen wie das, was wir gemeinhin als „gut“ ansehen. Wenn einer sechzig Jahre vergebens das Rauchen aufgeben wollte, dann kann er auch daran sterben. Aber – an irgendwas muss man sterben und vielleicht weiß derjenige dann auch, was es mit dem Rauchen bei ihm auf sich hat und das ist, karmisch gesehen, von hohem Wert.

Die Angstmacher

IMG_20220505_145425Es ist eine Zeit, in der die Angst umgeht. Präziser gesagt, in der die Angst als Mittel der Macht instrumentalisiert wird.

Sehen wir uns das System, nach dem die Regierenden vorgehen, einmal an. Wer Angst hat, ist auf einem niedrigen Energielevel. Er vertraut weder sich selbst noch seinen Fähigkeiten und ist empfänglich für Schreckensszenarien aller Art.

Vor allem ist er leicht steuerbar und leistet wenig Widerstand. Er lässt sich leicht führen.

Die Kirche und die Adeligen früherer Zeiten wussten das ganz genau. Sie arbeiteten mit Gott. Gegen den kam man natürlich nicht an. Aus einem Gott der Liebe, wie er im Neuen Testament in Erscheinung tritt, wurde ein Gott der Angst. Wer nicht an seinem durch Geburt und Herkunft festgelegten Platz blieb und sich dagegen auflehnte, dem drohte Fegefeuer und Verdammnis. Durch den Ablasshandel konnte man sich davon loskaufen, somit wurde auch noch kräftig verdient.

Nach dem II. Weltkrieg kam in den westlichen Gesellschaften ein Angstthema nach dem anderen aufs Tablett. Zunächst die Befürchtung, dass die Russen die westlichen Staaten überrollen und die Weltrevolution voran bringen würden. Damit einher ging die Angst vor der atomaren Vernichtung. Diese Angst war vor allem in den USA sehr ausgeprägt und führte zu skurrilen Einstellungen. Man baute Bunker im Vorgarten und nahm den Ratschlag, sich mit seiner Aktentasche über dem Kopf unter dem Tisch zu verkriechen, ernst.

In den 50er Jahren, zur Zeit der sogenannten Fresswelle, als die Deutschen sich endlich wieder satt essen konnten und fröhlich ihr Eisbein mit Bier genossen, drohte man ihnen mit frühem Tod durch Herz-und Kreislaufversagen wegen zu hohem Cholesterinspiegel. Butter galt als hochgefährlich. Inzwischen ist sie wieder gesund.

Sogenannte kleine Angstthemen kommen und gehen. Vor Jahren gab es den Rinderwahnsinn. Man warnte vor dem Verzehr von Rindfleisch, da man davon Löcher im Gehirn bekam. Im Moment glaube ich einmal wieder, dass vor allem unsere Regierenden heimlich mengenweise Steaks gegessen haben müssen, von wegen der Löcher. Dies würde manches Handeln erklären.

Vor einigen Jahrzehnten kam das Waldsterben. In der eifrigen Presse konnte man schreckliche Bilder von Baumgerippen im Böhmerwald sehen. Man vergaß zu sagen, dass es sich dabei um ein kleines Gebiet handelte, dass in der Nähe einer sehr umweltschädlichen Industrieanlage lag. Während der kommunistischen Herrschaft kümmerte man sich nicht sehr um so etwas.

Als ich Kind war, lebten die Menschen noch freier. Kein Mensch wäre auf die Idee gekommen, anderen in die Lebensweise rein zu reden. Als ich mit 14 konfirmiert wurde, bot mir einer der anwesenden Onkel mit den Worten: „Du bist jetzt alt genug!“ die erste Zigarette an. Damals rauchten viele und saßen fröhlich zusammen. Mittlerweile sind fast alle von damals tot, aber nicht wegen der Eisbeine und der Zigaretten, sondern weil sie jenseits der 80 waren.

Ich will hier nicht einer ungesunden Lebensweise das Wort reden. Aber man sollte die Kirche im Dorf lassen. Hier ein Beispiel, was ich meine: Ich fahre gerne und oft Fahrrad. Dabei begegne ich den bunt gewandeten, sogenannten sportlichen Fahrern, grundsätzlich mit Sonnenbrille angetan. 99% von denen schauen missmutig vor sich hin und reagieren auf keinen Gruß. Da ist so was Verbiestertes dabei und ich bezweifle, dass das gesund ist.

Die Angst grinst von jeder Tabakverpackung. Erstens ist das eine Frechheit gegenüber dem Selbstbestimmungsrecht der Menschen und zweitens hat deswegen noch kein Raucher aufgehört zu rauchen.

Für die nächsten Jahre werden wir mit dem großen Angstthema Klimakatastrophe traktiert werden. Dieses Thema ist genial, weil man mit ihm in fast alle Lebensbereiche reinreden kann: Anders essen, weniger in Urlaub fahren, weniger fahren überhaupt, anders heizen oder besser gar nicht heizen, anders bauen, sprich viel teurer bauen usw.

Der Klimawandel ist ein permanentes Phänomen. Das kann man nicht verhindern, am wenigsten so ein Fliegenschiss auf der Landkarte wie Deutschland. Anstatt den Leuten Angst zu machen, sollte man lieber darüber reden, wie man damit umgeht. Es ist zu allen Zeitaltern mal kälter oder wärmer oder trockener oder feuchter gewesen.

Im Moment führen die Russen und die Ukrainer Krieg gegeneinander, ein Krieg, der uns im Grunde nichts angeht, außer dass wir Hilfe anbieten, sowohl materiell als auch Vermittlung, die zum Frieden führen könnte.

Was aber macht man? Man geriert sich als Kriegspartei, liefert Waffen und droht der eigenen Bevölkerung mit Lebensmittel-und Energieknappheit.

Gleichzeitig versucht man bei der Gelegenheit auch mal wieder das Tempolimit durchzusetzen, denn, wer schneller fährt, der braucht mehr Sprit und unterstützt somit Putin.

Ich weiß nicht, ob es anderen auch so geht wie mir. Ich habe aus persönlicher Einsicht heraus mein ganzes Leben lang ökologisch gehandelt und gelebt und tue es heute noch. Bei uns werden nur die Zimmer geheizt, die zu einer gegebenen Zeit bewohnt werden. Kleidung wird dann gekauft, wenn sie notwendig ist. Weggeworfen wird gar nichts usw.

Heutzutage aber wird versucht, den Einzelnen zu dominieren, ihm sein Selbstbestimmungsrecht wegzunehmen und ihm zu drohen; „Wenn du nicht, dann…!“

Ich werde da bockig und weigere mich, mitzumachen.

Es geht nicht mehr um Argumente, es geht um Macht. Wer dem links-grünen Verbund zwischen Parteien und williger Presse nicht zustimmt, wird zumindest diskriminiert.

Die Macht der willigen Medien, die ihren Auftrag, objektiv zu informieren, längst vergessen haben, ist so groß geworden, dass sich die Masse des Volkes willig der Angsthysterie unterordnet.

Mit Demokratie hat das alles herzlich wenig zu tun!

 

 

 

 

 

 

Die Unehrlichen

IMG_20220129_110317Gegenwärtig ist ein Dauerthema, das die Katholische Kirche betrifft, wieder einmal mit aller Macht an die Oberfläche gedrungen. Es ist der sexuelle Missbrauch von Minderjährigen.

Der emeritierte Papst Benedikt bereut, was vorgefallen ist und betet für die Opfer. Dies empfinde ich als pure Blasphemie. In den jetzt vorgelegten Untersuchungsberichten wird dargelegt, dass er schon in seiner Zeit als Bischof Kenntnis von Vorfällen hatte. Er war später Leiter der Glaubenskongregation, der Nachfolgeinstitution der Inquisition und ist mit Sicherheit mit allen organisatorischen Vorgängen in der allein seligmachenden Kirche vertraut. Später war er Papst, also an ihrer Spitze. „Die Unehrlichen“ weiterlesen

Der lange Weg

IMG_20190913_144114Kennen Sie den? Zwei Freunde treffen sich nach einigen Jahrzehnten wieder. Sagt der eine zum anderen: „Du hast dich überhaupt nicht verändert in all den Jahren.“ Sagt der andere: „Willst du mich beleidigen?“

Eine andere Geschichte geht so: Ein Fremder kam zu einem Zenkloster in den Bergen Japans und begehrte, den Meister zu sprechen. Man sagte ihm, dass dieser im zentralen Innenhof des Klosters zu finden sei. Der Fremde ging wie ihm geheißen und traf dort aber nur einen alten Mann, der das Laub zusammenfegte. Auf weiteres Nachfragen wurde ihm gesagt, dass das der Meister sei. „Wie kann es sein, dass man einen heiligen Mann mit einer derart niederen Arbeit beschäftigt?“

Die Antwort, die ihm zuteil wurde: „Für einen Wissenden sind alle Dinge gleich.“ „Der lange Weg“ weiterlesen

Schaun wir mal…

oznor
oznor

Es gibt interessante Zusammenhänge zwischen Pädagogik, Religion und Politik, die ich hier etwas näher betrachten möchte:

In der Pädagogik gibt es grundsätzlich zwei Richtungen, nämlich die auf Selbstbestimmung und Eigenverantwortung basierende und die „schwarze Pädagogik“, deren Grundannahme ist, dass das Individuum geführt und geleitet werden muss. Am radikalsten wurde der erste Ansatz durch die Summerhill-Schule von A.S. Neil repräsentiert. Hier wurde davon ausgegangen, dass der junge Mensch von innen heraus zur Weiterentwicklung und zum Lernen gewissermaßen getrieben wird, wenn es individuell an der Zeit ist. Beispielsweise will kein Kind zurückstehen, wenn es sieht, dass Kameraden lesen können und es selbst das nicht beherrscht. Da man diesem Entwicklungsimpuls in Summerhill traute, konnte jedes Kind entscheiden, inwieweit es am Unterricht teilnahm. „Schaun wir mal…“ weiterlesen