Last Orders

IMG 20190406Manche Erlebnisse, liegen sie auch schon Jahrzehnte zurück, vergisst man nie.

Es war an einem Novemberabend 1977 und ich saß mit Astrid und Jürgen, zwei Freunden, die in England lebten, im „George“, dem Dorfpub von Charmouth an der Südküste von Dorset.

Jeder hatte ein Pint of Bitter vor sich. In der Kneipe ging es hoch her und der Wirt kam mit dem Zapfen kaum hinterher.

Damals herrschte noch der begrenzte Bierausschank in England, und um 22.50 Uhr wurde die Messingglocke hinter der Theke geläutet, verbunden mit dem Ausruf: „Last orders, please!“

Immer wenn sich der Mensch gedrängt oder eingeschränkt fühlt, wird er panisch oder widerborstig. So auch hier. Kaum war die Ansage heraus, stürmten alle an die Bar, um sich noch ein Pint zu sichern, selbst wenn man ein fast volles Glas vor sich stehen hatte. Denn, welch schreckliche Vorstellung, wenn das ausgetrunken war, saß man auf dem Trockenen. „Last Orders“ weiterlesen

Träume sind Schäume?

Cof
cof

Die Denker im alten Indien beschäftigten sich mit mannigfaltigen Aspekten des Bewusstseins. Die Mandukya Upanishad beschreibt die verschiedenen Zustände, in denen das Bewusstseins während des Schlafs ist.

Dabei kommt es zu interessanten Überlegungen.

Wenn wir morgens aufwachen, sind wir manchmal vollkommen perplex über das, was wir träumten. Es erscheint uns selbst im Nachhinein real. Der Traum kennt keine Grenzen, weder zeitliche noch räumliche. Wir durchschreiten Räume, in denen wir im Wachbewusstsein nie gewesen sind. Situationen, die wir irgendwann einmal erlebt haben, werden verfremdet und mit Eindrücken kombiniert, die Jahrzehnte zurückliegen.

Träume sind Zustände, die unser Innerstes ausdrücken. Wir sind dort vollkommen bei uns selbst.

In den Upanishaden wird die Frage gestellt, was denn nun real sei: das Wachbewusstsein oder der Traumzustand? „Träume sind Schäume?“ weiterlesen

Die Lampe des Schusters

Edf
edf

Im Görlitz des 16. Jahrhunderts lebte ein Schuster namens Jakob Böhme. Einst saß er in seiner Schusterstube und arbeitete.

Alte Leute kennen diese Schusterwerkstätten noch. Sie waren klein. Der Schuster saß auf einem Schemel an einem niedrigen Tisch Es war außerhalb des Tisches immer etwas halbdunkel, weil nur eine Schirmlampe herabhing, die lediglich das unmittelbare Arbeitsumfeld beleuchtete.

Früher, zu Böhmes Zeiten, gab es natürlich noch kein elektrisches Licht. Man beleuchtete mit Öl, Talg, Waltran oder Wachs. Um die Leuchtkraft zu verstärken, hatte man seitlich der Flamme einen Spiegel oder eine reflektierende Blechscheibe angebracht.

Eines Tages nun saß Meister Böhme bei der Arbeit und sah dabei, wie so oft vorher, von seiner Tätigkeit auf und sah den Lichtschein, den die Lampe an die dunkle Wand der Werkstatt warf.

Diesmal allerdings war es anders. Blitzartig überkam ihn die Erkenntnis, dass das Licht ohne die es umgebende Dunkelheit nicht sichtbar wäre. „Die Lampe des Schusters“ weiterlesen