Reite den Ochsen

PICT1388Der Ochse ist im Zen eines der wichtigsten Symbole. Er repräsentiert die Weisheit oder Satori, das heißt, die Buddha-Natur, das, was der Mensch schon immer ist, was ihm aber nicht bewusst ist.

Sehr schön kommt das in folgendem Bild zum Ausdruck: Ein Mensch ist auf der Suche nach seinem entlaufenen Ochsen. Irgendwann wird im klar, dass er schon sein Leben lang auf ihm reitet.

Wir alle kennen das Wort: „Der Weg ist das Ziel.“ Viele interpretieren es falsch. Dieses Missverständnis korrespondiert mit dem Satz: „Die Veränderung beginnt mit dem ersten Schritt.“

Unser Denken spielt sich innerhalb von Raum und Zeit ab. Fast zwangsläufig denken wir an Distanzen, wenn wir von Weg und Ziel sprechen. Und schon sitzen wir in der Falle. Wir denken, wenn ich mich anstrenge und die Regeln befolge, werde ich zum Ziel kommen.

Wir stehen vor der Arbeit brav eine halbe Stunde eher auf, um ein bisschen zu meditieren und ein paar Übungen zu machen. Natürlich ernähren wir uns vegetarisch.

Das ist natürlich nicht falsch und ist mit einer Reihe von wünschenswerten Vorteilen verbunden. Unser Blutdruck sinkt, die Pulsrate geht herunter und wir erleben ein Gefühl der Ruhe. Das meiste davon geht während des Tages verloren.

Wenn wir das merken, sind wir traurig und sehnen uns nach den Momenten der Ruhe zurück.

Als wichtigsten Inhalt auf dem Weg müssen wir uns klar machen, dass nichts, aber auch gar nichts ausgeschlossen werden darf.

Ich muss weniger essen, ich darf keine negativen Gedanken haben, ich muss ruhig bleiben, wenn mich andere dumm anreden. Meine Gedanken beim meditieren rennen von von A nach B usw. Hören Sie auf, Dinge und Ereignisse zu bewerten. Hören Sie auf, sich selbst zu bewerten.

Buddha sagte: „Wir sind das Resultat unserer Vergangenheit. Unsere Gegenwart aber ist so, wie wir mit der Vergangenheit umgehen.“ Angenommen, ein innerer Teufel hat uns an einem Tag am Wickel. Der lässt sich nicht so einfach beiseite schieben (schließlich ist er der Teufel). Wir können aber sagen: ,,O.K. Dann scheint es so, als wenn wir heute ein Stück gemeinsam gehen müssten, aber morgen geht wieder jeder von uns seiner Wege.“

Alle, was ist, ist!

Jedes Ereignis ist „schön“. Wir entwerten einen großen Teil unseres Lebens mit der inneren Programmierung: „Dies und das muss ich jetzt schnell erledigen, dann hab‘ ich Zeit für…“ Ja was?

Das Ziel ist etwas vollkommen anderes, als das, was sich normalerweise in unserem Denken abspielt.

Als ich so um die 30 war, ging ich ab und zu spazieren und suchte einen Ort inmitten einer großen Wiese auf. Dort setzte ich mich hin, mit dem Ziel, nichts zu tun. Eine halbe Stunde wollte ich durchhalten. Das fiel mir unglaublich schwer. Heute gehört es zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, still dazusitzen und wahrzunehmen, was gerade ist.

Es ist auch eine Frage des Alters, wie der „Weg“ ausschaut.

Wir sind programmiert auf „Wenn-Dann“. Das führt uns weg aus der Gegenwart und wir halten eifrig Ausschau nach dem Ochsen – auf dem wir sitzen.

Mystiker und Philosophen haben zu allen Zeiten gesagt, dass es keine Hölle und keinen Himmel gibt. Beides sei eine Erfindung der Priester, um Macht über die Menschen zu erlangen. Der Tod sei lediglich ein Übergang zu etwas anderem, von dem kein Mensch weiß, was es ist.

Vielmehr ist es so, dass wir uns in jedem Moment unseren Himmel oder unsere Hölle selbst erschaffen. Je intensiver wir ausschließlich in der Gegenwart sind, desto mehr erschließt sich uns die Liebe und die Schönheit des Moments und transzendiert das „Schlechte“.

Warum?

Weil wir es annehmen.

 

 

 

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