Träumereien

IMG 20250831Vor ca. zwanzig Jahren fuhr ich einmal nach Limburg an der Lahn, um Darshan bei Mother Meera, einer in Deutschland lebenden Inderin, zu empfangen.

Als es dunkel wurde, fand ich mich, zusammen mit vielen anderen in ihrem Haus auf dem Lande ein.Wir wurden auf die verschiedenen Räume des Hauses verteilt. Sie saß lächelnd da, einige, die vorne saßen, konnten sie sehen. Ich und viele andere nicht, denn wir saßen in einem anderen Raum.

Es hieß, dass allein ihre Anwesenheit etwas bewirke. Später legte sie uns die Hände auf den Kopf und wir waren entlassen.

Bei dieser Gelegenheit traf ich auch einen Bekannten, einen schon älteren Herrn, der von Retreat und Seminar zum nächsten fuhr, auf der Suche – nach was eigentlich?

Des Menschen Imaginationsfähigkeit oder sagen wir Einbildungskraft ist ungeheuerlich. Wenn er etwas spüren will, dann kann er das.

Noch in derselben Nacht fuhr ich wieder nach Hause, um die Hotelkosten zu sparen. Auf der Fahrt fragten wir uns: „Hast du was gespürt?“ „Ja, irgendwas war schon da.“ „Ja, irgendwas!“

Hat es Einfluss auf mein Leben gehabt? Nein!

Geben tut es das schon, das Spüren, dass da „was ist“. Ich stand einmal in der Krypta einer uralten romanischen Kirche aus dem, sagen wir, 6. Jahrhundert. In diesem mystischen Halbdunkel glaubte ich, die Anwesenheit Gottes zu spüren.

Ich hatte im Lauf meines Lebens etliche von diesen Gotteserfahrungen. Ich möchte sagen, dass sie Erinnerungen „aus dem outer space“ sind, um uns zu zeigen, dass es „da was gibt“.

So präsent sie in dem Augenblick des Erlebens auch waren, sanken sie doch, wie vieles andere auch, in den Orkus des Vergangenen.

Während meiner Zeit im Yogainstitut in Mumbai kam zur morgendlichen „Lecture“ meines Lehrers auch ein Professor der Universität von Bombay. Trotz seines Bildungsgrads und seiner Zugehörigkeit zur Brahmanenkaste hatte er, wie so manche Inder, denen ich begegnete, eine gewisse gläubige Kindlichkeit.

So sagte er eines Tages ganz im Ernst, dass er schon darauf warte, dass Dr. Jayadeva eines Tages seine Hand auf unsere Köpfe legen würde und wir wären erleuchtet. Diese geäußerte Bitte wurde nur mit einem leisen Lächeln beantwortet.

Zu allen Zeiten versuchte der Mensch, die tägliche „Kleinarbeit“ zu vermeiden und sich mit allerlei Mitteln zur Erkenntnis hin zu mogeln, zum Beispiel mit Drogen.

Während einer morgendlichen Wanderung in den Western Ghats in der Nähe von Mumbai stieß ich immer wieder auf Grüppchen von Sadhus, dies sich in der Nähe von kleinen Heiligtümern zusammengefunden hatten. Schon morgens stiegen mächtige Ganjarauchwolken aus ihren Chillums. Ich dachte mir: „Bis Mittag seid ihr high wie die Weltmeister“ – auch eine Art von Erleuchtung.

Drogen verändern nichts, sagte Dr. Jayadeva.

Als ich als Jungerwachsener Anfang der 60er Jahre ein „Piece“ Haschisch in die Hand bekam, musste das natürlich ausprobiert werden. Erwartungsgemäß schwebte ich auch einen Meter über dem Boden. Es fühlte sich nicht schlecht an, im Gegenteil. Danach fuhr ich mit dem elterlichen Kadett die Gugelstraße entlang. Wenn man stoned ist, verändert sich das Erleben beträchtlich, auch das Zeitgefühl. Die Straße schien endlos zu sein, aber am nächsten Tag war sie genauso lang wie immer.

Persönlicher und auch spiritueller Progress ist das geduldige Praktizieren von vielleicht nur einem Inhalt. Zum Beispiel aufzuhören mit Vergleichen. „Das ist schöner als jenes. Der Urlaub war schlechter als der letzte. Der ist besser als ich. Der kann das besser als ich, aber auf dem Gebiet schlage ich ihn.“ Und so weiter.

Wenn wir auf dem Trip sind, ist das der sicherste Weg, an der Fülle des Augenblicks vorbei zu gehen und eigentlich auch am Leben.

Das bedeutet nicht, dass alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Aber, sagen wir, Sie sind an einem Tag schlecht drauf oder Sie sind in ein altbekanntes Loch gefallen. Solche Sachen verschwinden nicht einfach. Wenn Sie aber aufhören zu beklagen, dass es heute nicht so „schön“ wie gestern ist, verändert sich Ihre innere Wahrnehmung und auch das äußere Erleben.

Erleuchtung ist nicht das Schweben auf Wolke Sieben. Es bedeutet, in allem die Gegenwart des Absoluten zu sehen. Dazu bedarf es der „Anwesenheit“ im Jetzt und nicht in der Welt der Vergleiche und Wertungen.

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