Yoga wurde in früheren Zeiten vom Guru auf den Schüler übergeben, es war eine Guru-Cela-Beziehung.
Dem Schüler wurde nichts geschenkt. Man kann sich das so ähnlich wie in den Kill Bill Filmen vorstellen, wo die Protagonistin erst einmal dienen musste, bevor sie der Schwertmeister unterrichtete.
Heute gibt es eine ganze Armada von Meistern und auch-innen, die per Internet und in gut bezahlten Vorträgen ihre Dienste anbieten und dabei zwischen London, L.A. und New-York hin und her fliegen (ich frage mich, in welcher Klasse?).
Das Publikum, meist junge gut aussehende Menschen mit, nach meiner Beobachtung, ausgeprägten Fähigkeiten zur Selbstdarstellung sitzt mit verzückten Gesichtern zu deren Füßen.
Das hat natürlich seine Reize. Das Setting ist exotisch. Der Duft von Räucherstäbchen schwebt über dem Ganzen und man genießt die Nähe von Gleichgesinnten zu den Klängen von Weltmusik.
Ich weiß das deshalb so genau, weil ich es auf meinem Weg auch erlebt habe.
Dabei bräuchte man gar nicht so viel ausgeben oder auch weit fahren. Es würde genügen, sich die fünf Yamas, wie sie in den Yogasutren gelehrt werden, an den Toilettenspiegel zu pinnen.
Ahimsa: Gewaltlosigkeit und Mitgefühl – nicht nur körperlich, sondern auch in Worten und Gedanken.
Satya: Wahrhaftigkeit und Authentizität.
Asteya: Nicht-Stehlen – dies schließt den Respekt vor den Ressourcen, der Zeit und den Ideen anderer mit ein.
Brahmacharya: Mäßigung und ein bewusster Umgang mit der (Lebens-)Energie.
Aparigraha: Nicht-Anhaften, Bescheidenheit und das Loslassen von materiellem und geistigem Ballast.
Mehr spirituelle Sadhana braucht kein Mensch!
Man bräuchte auch gar nicht bei Yoga oder ähnlichen fernöstlichen Techniken zu suchen. Unser Deutscher Volksmund kennt zum Beispiel den schönen Satz: „Tue recht und scheue niemand!
Ein rechtes Leben führen würde zum Beispiel bedeuten:
Keine McDonald Becher aus dem Autofenster zu werfen.
Seine leeren Wasserflaschen aus dem Wald wieder mit nach Hause zu nehmen.
Als Linker nicht mit einer Horde Palästinenser, die in diesem Land mehr als wohlwollende Aufnahme gefunden haben, in Berlin durch die Straßen zu rennen und „Deutschland ist Scheiße“ zu schreien.
Einfach mal dem Anderen zuzuhören, anstatt schon bei dessen Rede die eigene Antwort zu formulieren.
Seinen Tofu nicht mit einem wissenden Lächeln auf den Tischnachbarn mit seinem Schnitzel zu essen.
Und so weiter und so weiter, immer heiter, immer heiter, wie es der unvergessene Hanns Dieter Hüsch angesichts kleiner und größerer täglicher Katastrophen formulierte.
Unser Leben wird immer mehr von Euphemismen durchdrungen. Altersheime werden Seniorenresidenzen. Müllhalden werden Entsorgungsparks und wenn die lieben Kleinen auch nur einen Strich auf ein Papier kritzeln, so ist das schon „Super!“.
Es hat einen Grund, weshalb die Yamas und Niyamas am Anfang des Achtfachen Pfades stehen.
Ohne innere Ethik geht gar nichts. Sie ist die Basis, um die täglich gerungen werden muss. Das mag nicht ganz so glamourös sein, aber man bekommt dafür eine lächelnde innere Festigkeit, die, ich sag’s mal salopp, schon Spaß bringt.

