Wenn dich dein rechtes Auge ärgert…

IMG 20260301In meinem heutigen Artikel möchte ich ein paar ziemlich unterschiedliche Aussagen aus verschiedenen Kulturkreisen und Zeitaltern zusammenfügen und den gemeinsamen Kern herausarbeiten.

Beginnen wir in der Jetztzeit.

Der Psychologe Carl Rogers definierte das Ziel einer Psychotherapie so: „Der Mensch soll in der Lage sein, in jedem Moment seine innere und äußere Realität wahrzunehmen und sich so verhalten können, dass er glücklich ist.“

Unter innerer Realität versteht er die eigenen Fähigkeiten und „Mängel“, Ängste, Stärken und Schwächen, körperliche Befindlichkeiten usw.

Die äußere Realität ist die Lebenssituation, der Freundeskreis, der Lebensgefährte, die Nachbarn, die finanzielle Lage usw.

Dieter Nur brachte einmal ein deutliches Beispiel dafür, wenn man diese beiden Realitäten nicht zusammenbringt: Ein eher schwächlicher Mensch steht im Aufzug neben einem tätowierten Riesen und sagt:„Du siehst scheiße aus“.

Nächstes Zeitalter:

Im alten Indien bestand das Leben eines Brahmanen (sic!) aus drei Abschnitten:

Zuerst die Zeit des Lernens und der Vorbereitung auf das Leben als „Familien-und Gesellschaftsmensch“.

Danach folgte die Zeit der Heirat, des Kinderkriegens, der Erziehung derselben. Im äußeren Bereich strebte man nach Erfolg, Status, Wohlstand und einer guten Stellung in der Gesellschaft.

In der letzten Phase zog man sich idealerweise von all dem zurück und ging als Pilger auf Wanderschaft. Das Ziel war, zur Welt des ewigen Wandels Distanz zu gewinnen und sich auf das Ewige zu konzentrieren.

Auch hier kommt Rogers‘ Definition zum Tragen. Wenn ein Schüler in der Zeit des Lernens nicht der Erfahrung der Lehrer folgte, erlitt er Schiffbruch. Heute ist es ja von Beginn an anders, da folgen die Eltern den Kindern.

In der „Familienphase“ war es nicht angebracht, sich von der Welt zurückzuziehen. Im Gegenteil, hier musste Geld verdient werden, um z.B. den Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen.

Wenn der Wunsch oder das Bedürfnis bestand, in langer Meditation an einem Rückzugsort zu verharren, so könnte man sagen, dass die äußere Realität falsch eingeschätzt wurde.

Ungeachtet der Lebensphasen, und das gilt heute wie damals, ist es immer möglich, ein ethisches Leben im Sinn der Yamas und Nyamas zu leben.

Zum Schluss ein Zitat aus der Bibel:

Wenn dich aber dein rechtes Auge verführt, so reiß es aus und wirf’s von dir. Es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde (Matthäus 5.29).

Idealerweise sollten wir nach Weisheit und Erkenntnis streben, gleichgültig welchen Alters. Das Bemühen darum unterscheidet sich nur, entsprechend der Lebensphase.

Gleichwohl können wir immer daran arbeiten, innere Gewohnheiten, Begierden, die uns nicht gut tun, „von uns zu werfen“. Und wenn uns Menschen nicht förderlich sind, sollten wir uns überlegen, ob wir Kontakt halten wollen.

 

 

 

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