Pferde und Reiter

IMG 20260625 152948 editIch möchte mich heute mit zwei zentralen Begriffen des Yoga beschäftigen:

Sadhana heißt: Auf dem Weg sein!“ Da wir Menschen flatterhafte Wesen sind, gelingt es uns selten konsequent und zielstrebig bei einer Sache zu bleiben. Niemand hindert uns aber, immer wieder zurückzukommen und den „Faden“ wieder aufzunehmen.

In der Katha Upanisad finden wir folgendes schöne Beispiel, welches das Problem, das einer dauerhaften Erkenntnis im Weg steht, sehr schön zum Ausdruck bringt: Der Verfasser vergleicht den Menschen mit seinem Körper, seinen Sinnen und seinem Verstand mit einem von Pferden gezogenen Wagen. Die Sinne sind die Pferde, die den Wagen ziehen. Der Verstand ist der Lenker.

Abhyasa ist ständiges, ununterbrochenes Üben. Wenn wir die Pferde der Sinne laufen lassen, führen sie uns auf Irrwege, von wo wir schwer wieder zurückfinden. Jeder Sinneseindruck hinterlässt eine Einprägung. Wir nannten das Samskaras.

Zudem, wenn du vielleicht Reiter bist, weißt du das, haben Pferde die Gewohnheit immer auf bekannten Wegen zu gehen. Das ist der Grund, warum wir uns immer wieder bei Gewohnheiten und Verhaltensweisen finden, die wir eigentlich überwunden glaubten. Wir sind achtlos und überheblich. Sobald es uns gut geht, glauben wir auf Übung und Achtsamkeit verzichten zu können – bis es wieder knallt. Dann fangen wir wieder von vorne an. Wir sind da nicht sehr intelligent, nicht wahr? Üben heißt, das Denken permanent mit Eindrücken zu füttern, die in Richtung Erkenntnis führen.

Auch wenn du noch so beschäftigt bist, für ein paar Asanas oder das Lesen eines kurzen Textes ist Zeit! Lass‘ dich nicht aufs Glatteis führen, wenn der innere Schweinehund sagt: „Das brauche ich nicht mehr. Ich bin schon weiter.“ Du bist es nicht! Keiner von uns ist es!

Vairagya heißt Losgelöstsein. Patanjali schreibt dazu in Sutra I 15: Wenn das Denken jegliches Begehren nach materiellen Objekten, welches es entweder selbst wahrgenommen hat oder von dem es erfahren hat verliert, dann ist ein Stadium äußerster Wunschlosigkeit, welches als Losgelöstheit bezeichnet wird, erreicht. Wenn hier von materiellen Objekten die Rede ist, dann sind nicht nur Dinge zum Anfassen gemeint. Da das Denken als feinste Ausformung von Materie gilt, sind damit auch Gedanken und Gefühle gemeint. Du ärgerst dich über jemanden oder einer vertritt eine andere Meinung als du. Das kann einen ganz schön aufregen. Natürlich geht es auch um ganz handfeste Dinge. Nehmen wir an, du bist Aktienbesitzer und der Aktienindex geht auf Talfahrt. Leicht gesagt, da ruhig zu bleiben. Heutzutage gilt es als modern, zu sagen: „Lass’ einfach los.“ Das ist oberflächlich dahingesagt. Man kann dann loslassen, wenn eine erweiterte Schau der Dinge vorhanden ist (Jnana) und diese durch permanente Übung (Abhyasa) der Techniken des Raja Yoga vertieft und stabilisiert wird.

Da wir in der Welt leben, müssen wir den materiellen Dingen einen gewissen Wert beimessen. Wir müssen das Geld zusammenhalten, um zu leben und etwas für die Altersversorgung tun. Das Auto muss gepflegt werden, damit es lange hält usw. Jesus sagte einmal: „Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist.“ Das heißt, tue was notwendig ist und sei dir bewusst, dass alles nur Spiel der Gunas ist.

 

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