Sie lesen gerade diese Zeilen und folglich sind Sie auf meiner Webseite. Im weitesten Sinne beschäftigen wir uns hier damit, wie man als moralisch-spiritueller Mensch sein Leben in einer sich ständig ändernden Umgebung leben kann und – auch noch glücklich dabei ist.
Das ist nicht leicht!
Viele von uns beschreiten verschiedene Wege, um das zu erreichen.
Es gibt in den Volkshochschulen und auf dem freien Markt eine Menge Angebote. Man findet diese bunten Prospekte in den alternativen Kneipen und in den Bioläden.
So gehen wir also in den einen oder anderen Kurs, besuchen dieses oder jenes Retreat oder lassen uns auf eine einjährige Selbsterfahrungsgruppe ein.
Ich habe in vielen Artikeln auf dieser Webseite beschrieben, was Yoga wirklich ist und warum es sich im alten Indien entwickelt hat, deswegen gehe ich hier nicht mehr näher darauf ein.
99,9% von uns werden die Ziele, die dort postuliert sind, nicht für sich in Anspruch nehmen können, weil ihre Lebenssituation das nicht zulässt und weil sie einfach nur ein bisschen glücklich sein wollen, was nicht wenig ist.
Ich habe im Lauf der Jahrzehnte etliche getroffen, die nach einem Yogakurs oder nach einer Therapie sagten: „Seit ich das gemacht habe, geht es mir viel besser. Ich kann jetzt… und mir passiert auch nicht mehr, dass…“
Als ich nach meiner Yogalehrerausbildung 1978 das Institut in Mumbai verließ, meinte der alte Yogi Shri Yogendra: „Something is gained.“
Das hörte sich für meine Ohren nicht gerade vielversprechend an, dachte ich doch, ab jetzt jenseits von Gut und Böse zu sein.
Der Psychotherapeut Carl Rogers postulierte als Therapieziel, dass man die innere und äußere Realität in jedem Moment möglichst unmittelbar wahrnehmen und sich entsprechend verhalten können sollte.
Ich hatte einmal beruflichen Kontakt mit einem Schulleiter, dessen Schule 28 Nationen beherbergte, also nicht gerade ein leichter Job. Er rauchte und ich fragte ihn einmal, warum er nicht damit aufhöre?
Er meinte, dass das in seinem Fall sinnlos sei, da er nach vielen Versuchen zu der Ansicht gekommen sei, dass das zu ihm gehöre und er es leid sei, ständig gegen sich zu kämpfen.
Carl Gustav Jung würde hier vielleicht von den Schatten der Persönlichkeit, die wir gerne beiseite schieben, sprechen. Mein Schulleiter aber nahm gerade das wahr und verhielt sich entsprechend.
Ich hatte immer wieder Menschen, vor allem Frauen, in meinen Kursen, die sich über ihre Männer beklagten, die so gar nicht für leise, spirituelle Töne zu gewinnen seien. Sie nähmen ihre meditativen Bemühungen nicht ernst und sie würden doch so gerne eine andere Ebene, zusammen mit ihnen, erreichen.
In solchen Fälle passiert es allzu oft, dass man den steinigen Weg einschlägt, den Lebensgefährten verändern zu wollen.
Das meint Rogers, wenn er sagt, dass hier die äußere Realität falsch wahrgenommen wird. Meditation heißt ja nicht nur, im Lotossitz still zu sitzen. Meditation könnte für diese Frau sein, sich elegant auf der gemeinsamen Paarebene zu bewegen, anstatt ständig zu kämpfen und naturgemäß zu scheitern.
Es bringt zwar eine gewisse innere Ruhe, morgens eine Stunde still zu sitzen. Dann aber tritt man an den gemeinsamen Frühstückstisch und der andere verwirklicht sich gerade im Hören von Rockoldies, die nicht unbedingt mit innerer Stille zu tun haben.
Im Yogainstitut sprach man nie von Meditation, sondern von „sich konditionieren“. Das heißt im Sinne des von Rogers genannten Wahrnehmens der inneren und äußeren Realität: „Das bin ich. Das sind meine Stärken und Schwächen. Das ist veränderbar, dieses aber nicht. Das ist mein Partner, der ist so und nicht anders. So oder so ist meine Lebenssituation.“
Das Ziel ist, dies alles kontinuierlich wahrzunehmen und sich entsprechend zu verhalten. Wenn wir jetzt noch liebevolles Verhalten als Ziel mit dazunehmen, dann haben wir im Sinne von Yoga und spirituellem Wachstum unsere tägliche Meditation.

