Und bist du nicht willig, so brauch‘ ich Gewalt.

oznor

Von der Schweizer Psychotherapeutin Ruth Cohn wurde die Themenzentrierte Interaktion (TZI) entwickelt. Ziel ist, dass das Individuum entsprechend seiner inneren und äußeren Wahrnehmung optimal mit seiner Umwelt kommunizieren lernt.

Die wichtigste TZI-Regel lautet: „Sei dein eigener Leiter.“ In der Pädagogik heißt das, dass der Mensch nicht durch Regeln von außen zu sozialkonformem Verhalten hingetrimmt wird, sondern dass man ihn anleitet, dass er seine Bedürfnisse und die der Anderen wahrnimmt, beides in Einklang zueinander setzt und so ein weitgehend konfliktfreies, selbstbestimmtes Leben führen kann.

Einen ähnlichen Ansatz hat Carl Rogers, der die Klientenzentrierte Psychotherapie entwickelte. Er lehnte es ab, Diagnosen zu stellen, weil das ein Urteil von einem Menschen über einen anderen ist. Vielmehr war er der Meinung, dass jeder im Grunde weiß, was für ihn richtig ist. Durch Ängste und Neurosen ist aber die Wahrnehmung dafür verschüttet. Aufgabe des Therapeuten ist es, durch Zuhören und Akzeptanz, eine angstfreie Umgebung zu schaffen, in der der Klient es wagen kann, seine Ängste und Sperren wahrzunehmen und zu neuen Sichtweisen für sich zu kommen.

Diese beiden Lehrgebäude waren mein ganzes Berufsleben als Lehrer und Psychotherapeut mein Credo. Auch die (richtig verstandene) nicht-autoritäre Erziehung basiert auf dieser Selbstverantwortung. Angefangen hat das alles mit der 68er-Bewegung und den im Zuge dessen entstehenden Kinderläden. Autoritäten wurden angegriffen. Das Motto lautete: „Unter den Talaren, der Muff von 1000 Jahren.“ Allenthalben entwickelten sich politische Bewegungen, zum Beispiel die sogenannten Republikanischen Clubs und letztlich die Grünen. Alles war ziemlich unstrukturiert und chaotisch.

Damals marschierten zum Beispiel die Nürnberger Stadtindianer, eine Kifferkommune, die die freie Liebe mit Kindern propagierte, in die Grünenparteitage ein, um ihren Zielen Gehör zu verschaffen. Und sie wurden gehört!

Das Ziel dieser politischen Strömungen war die von Rudi Dutschke ausgegebene Parole vom „Marsch durch die Institutionen“ anzutreten, um an die Schalthebel der Macht zu kommen.

Dies scheint, nach nunmehr einem halben Jahrhundert, gelungen zu sein. Aber, was ist daraus geworden?

„Bürger, es steht zu befürchten, dass die Revolution wie Saturn nach und nach all ihre Kinder verschlingt und am Ende den Despotismus mit allem seinem Unheil gebiert.“, heißt es in Georg Büchners Drama „Dantons Tod“.

Die, die durch den Marsch durch die Institutionen eine freiere Gesellschaft schaffen wollten, haben die Ideale, für die sie einst standen vergessen. Es ist ihnen gelungen, die Meinungshoheit in Deutschland zu übernehmen. Jeder wird wohl in Gesprächen mit Anderen schon: „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen,“ gehört haben.
„Nein, das wird man eben nicht sagen dürfen“ – wenn man nicht persönliche und berufliche Nachteile in Kauf nehmen möchte. Es fängt schon an mit der Sprache. In den Zeiten der DDR-Diktatur gab der Staat Sprachregelungen vor und man hatte sich tunlichst daran zu halten. Die Sprache beeinflusst das Denken. Wenn bestimmte Begriffe diskriminiert und andere dafür propagiert werden, so wird Sprache zum Herrschaftsinstrument. Gleichzeitig werden gängige Begriffe umgeformt. Das Wort „rechts“ stand bisher für „konservativ“. Heute wird es nur noch in Verbindung mit Populismus, radikal, bis hin zu Nazi gebraucht. Gleichzeitig erleben wir auch, wie durch Sprache Sachverhalte verschleiert werden. Durch dieses unsägliche Bürgerinnen und Bürger, Leser und Leserinnen, er/sie und ** ist es nicht gelungen, gleichen Lohn für Frauen und die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf zu erreichen.
Es ist legitim, für seine (politischen) Ziele zu kämpfen. Was wir aber im Moment erleben, ist die Verteufelung und Diskriminierung Andersdenkender.
Verantwortlich sind die, die durch den Marsch durch die Institutionen eine freiere Gesellschaft erreichen wollten. Es geht zunehmend darum, die Eigenverantwortung der Bürger zu beschneiden und sie an der Hand zu nehmen und zu führen. Dabei kommen immer mehr Verbote ins Spiel. Das heißt aber nicht mehr so, sondern man nennt es „ordnungspolitische Maßnahmen“ (Originalton Grüne).
Wir hatten in den letzten Monaten in Frankreich die Bewegung der Gelbwesten. Es war die Protestbewegung der Provinz (in Frankreich ist das ein Schimpfwort) gegen die herrschenden Eliten. Ausgangspunkt war die Erhöhung der Spritpreise durch Macron. Die Provinzler sind aber auf ihr Auto angewiesen, wenn sie von A nach B kommen wollen. Also zwang man die Regierung, die Erhöhung zurück zu nehmen. Das ist Demokratie!

In Deutschland war von der links-grünen Presse nur Negatives zu lesen, weil man panische Angst hat, dass sich in Deutschland Ähnliches entwickelt.

Man muss sich mal auf der Zunge zergehen lassen, dass Millionen Menschen, die sich den als sparsam und umweltfreundlich propagierten Diesel gekauft hatten, einen erheblichen Wertverlust gefallen lassen müssen und zunehmend unter Fahrverboten zu leiden haben. Die Firmen werden nicht zu Schadensersatz verpflichtet. Und – keiner geht auf die Straße!?

Wir, mit unserem 2% Anteil an der Welt-CO2-Produktion retten dieselbe und die Luft und wehe, einer hat Bedenken. Das kann nur ein Nazi sein.

Es war zu allen Zeiten eine Gefahr, in die Fänge derer zu gelangen, die sich im Besitz der Wahrheit wähnten. Der erste Schritt zum Despotismus ist, wenn man behauptet, dass es keine Alternativen gäbe. Die gibt es immer!

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