
Es gab im Mittelalter einen Mystiker namens Jakob Böhme, seines Zeichens Schuhmachermeister.
Früher waren die Werkstätten der Schuhmacher noch nicht so hygienisch neonerleuchtet wie heute. Dunkel und mit dem typischen Geruch nach Leder, Pech und Leim vollgesogen, hatten sie etwas geheimnisvolles an sich. Die Älteren unter uns werden diese Atmosphäre noch kennen gelernt haben. Vor dem niederen Tisch der durch eine Arbeitslampe erhellt wurde, saß der Meister. Der übrige Raum lag in zwielichtigem Dunkel. Zu Böhmes Zeiten, als es noch keine Elektrizität gab, bestand die Lampe aus einer Kerze oder einem Kienspan. Um die Lichtausbeute zu erhöhen, war an der Lichtquelle ein Spiegel angebracht, der die Flamme reflektierte und streute. Als Böhme eines Tages wieder einmal sinnend, über seine Arbeit gebeugt, auf seinem Schemel saß, fiel sein Blick auf die dunkle Wand vor ihm, auf die ein heller Lichtkreis der Arbeitslampe fiel. Dies war der Moment einer blitzartigen Erkenntnis. Damit der Lichtkreis sichtbar werden konnte, war die dunkle Wand notwendig. Übertragen ins Allgemeine bedeutet das, dass es nichts ohne das jeweils Andere gibt. „Das Licht braucht das Dunkel“ weiterlesen


Etliche von uns, ich auch, starten den Tag gerne mit einem Aphorismus oder einem positiven Gedanken als Affirmation, um so in den Tag zu starten.
Offiziell ist heute der Tag der deutschen Einheit, also so etwas wie ein Nationalfeiertag. Ein Tag, den andere Länder mit Paraden und Umzügen festlich begehen. Ein Tag also, wo man stolz ist, zu dieser Nation zu gehören.
Jede Situation unseres Lebens kann uns etwas sagen. Sie mag uns neue Möglichkeiten des Daseins eröffnen, von denen wir vorher nichts wussten. Leid ist dabei eine wesentliche Motivation. Wenn es uns nicht ab und zu schlecht gehen würde, dann würden wir keine Veranlassung haben, neue Lösungsmöglichkeiten für schwierige Lebenssituationen zu finden. Vom Fachgebiet der Kybernetik aus betrachtet, handelt es sich bei diesem Vorgang um ein sich selbst regelndes System. Das System sind in diesem Falle deine Lebensumstände und die Lösungsmechanismen, die du zur Verfügung hast. Manchmal entsteht eine Blockierung, ein Stillstand. Der Druck in Form von Leid, Depression und Wut produziert Bewegung, die sich in der Suche nach einer Lösung äußert. Das System integriert das Neue und stabilisiert sich auf einer anderen Ebene. Dieser Vorgang vollzieht sich immer wieder. Wenn wir wach und aufmerksam sind, kann dieser Prozess leichter und schmerzloser ablaufen, weil wir sein Wesen und seinen Sinn verstehen und ihm weniger Widerstand entgegensetzen.
Wenn wir als Kinder irgendetwas nicht essen wollten, hieß es: „Sei dankbar, dass du so was bekommst, die armen Kinder in Afrika wären dankbar dafür.“ „ Ja, ja“, murmelten wir dann leise vor uns hin, „die können das gerne haben, ich will’s nicht.“