Tat Twam Asi Teil 4

h-009Sehen wir, wie die Geschichte von Svetaketu weitergeht.

Es ist das Anliegen des Vaters, dem Sohn zu zeigen, dass hinter der Vielfalt der Erscheinungen ein Urgrund existiert, der völlig verschieden von dem ist, was er hervorbringt und der doch in allem ist.  Dies macht er anhand von verschiedenen Beispielen deutlich.

„ Mein Lieber, wenn jemand diesen großen Baum an der Wurzel verwundet, dann wird er lebend (sein Harz) vergießen; wenn man ihn in der Mitte oder im Wipfel verwundet, dann wird er lebend (sein Harz) vergießen; doch mit seinem Leben selbst (atman) weiter fort wachsend hat er fröhlich strotzend Bestand. Wenn aber das Leben einen Zweig verlässt, dann verdorrt der; wenn es den ganzen Baum verlässt, dann verdorrt der ganze Baum. Das wisse mein Lieber. So sprach er. Was vom Leben verlassen wird, so heißt es, das stirbt – nicht aber stirbt das Leben. Das feinste aber, das Ureigenste (atmya), das ist das All, das ist die Wahrheit, das ist der Atman, das bist du (tat tvam asi), Svetaketu. – Belehrt mich weiter, Herr! – So sei es, mein Lieber. So sprach er.“ „Tat Twam Asi Teil 4“ weiterlesen

Tat Twam Asi (Teil 3)

2aIndien-36Ich möchte hier näher auf die Chandogya Upanischad eingehen. Sie enthält die wohl bekannteste Aussage aller Upanischaden und damit die Essenz der dort immer wieder behandelten Fragen: „Tat Tvam Asi – Das bist Du!“

 

Die Geschichte erzählt  von dem zwölfjährigen Svetaketu, der von seinem Vater in den Ashram ( Einsiedelei oder Kloster) eines Guru zur Unterweisung geschickt wurde. Nach zwölf Jahren der Unterweisung kehrt Svetaketu voll Stolz auf sein Wissen nachhause zurück. Wir erleben hier einen Vorgang, der für Menschen wohl zu allen Zeiten symptomatisch war, nämlich die Überschätzung von intellektuellem Wissen. Dies bringt uns zu der Frage, was zu lernen sich eigentlich lohnt? Wir haben im Leben eine bestimmte Zeit zur Verfügung. Womit füllen wir sie? Hat die Zeit eventuell eine Bedeutung für uns? Warum leben Menschen eigentlich unterschiedlich lange? Der eine hat die Gene, der andere eben jene, mag jetzt die allgemeine Antwort lauten. Aber warum? Ist das nicht ungerecht, wenn es denn so wäre? Ja aber gemach – hat denn irgendeiner behauptet, dass es auf der Welt gerecht zugehe? Hat die uns zugemessene Zeit vielleicht mit den Inhalten zu tun, die wir in dieser Zeitspanne zu erledigen haben? Wenn dem so wäre, und ich fände diesen Gedanken sehr sympathisch, dann hätte keiner Grund sich über die ihm zur Verfügung stehende Zeit zu beklagen, denn es wäre leicht einsehbar, dass für unterschiedliche Aufgaben, unterschiedliche Zeitspannen zu Verfügung stehen. Allerdings ist dann die gewichtige Problemstellung gegeben, dass jeder Mensch diese Zusammenhänge erkennen und für sich eine adäquate Lösung finden muss. „Tat Twam Asi (Teil 3)“ weiterlesen

Tat Twam Asi – Das bist du Teil 2

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Aber es gibt einen Bereich der Schönheit, den wir bisher nicht angesprochen haben und der nie zu Ermüdung, Übersättigung und Langeweile führt, es ist die Schönheit des Denkens. Wenn wir darin Gefallen finden, gibt es keinerlei Nachteile, sondern nur Gewinn. Rekapitulieren wir kurz. Wir hatten gesagt, dass unser Bedürfnis nach Besitz auch zu unserer Identität beiträgt. Nun ist nicht zu verschweigen, dass das agieren auf dieser materiellen Ebene immer auch Folgen hat, die nicht so positiv zu betrachten sind. Erwerb, und sei es aus noch so verständlichen Gründen heraus, ist immer auch Konsum und damit Verbrauch von Ressourcen. Niemandem fällt offensichtlich auf, wenn wir in den Zeitungen von einem Wirtschaftswachstum von soundsoviel Prozent lesen, dass damit auch eine gewisse Ausbeutung unseres Planeten einhergeht. Es geht um Regenwälder, die in Jahrhunderten entstanden sind. „Tat Twam Asi – Das bist du Teil 2“ weiterlesen

Tat Twam Asi – Das bist Du

IMG_20191002_174117Wir kennen viele Arten des Genießens. Unsere Sinne sind wach und geschärft. Entsprechend unseres Einkommens ist es uns möglich, uns mit exquisiten Dingen zu umgeben. Nun ist unser Denken ein eigentümliches Wesen. Es ist unersättlich in seinem Hunger nach Eindrücken. In der Regel geben wir dem auch ohne Hemmung nach. Die Folge ist, dass unser Suchen nach Genuss in unzählige Richtungen geht. Das Ganze spielt sich gewöhnlich zum überwiegenden Teil auf der materiellen Ebene ab und gibt uns einfach ein gutes Gefühl. Wenn wir das erste mal das neue Geschirr auf dem ästhetisch gedeckten Esstisch sehen, die dazu eingeladenen Gäste warten auf das mit Sorgfalt zubereitete Menü, dann ist das etwas erhebendes, etwas, dass uns über das tägliche Erleben hinaushebt. Wir berühren in gewissem Sinne eine höhere Dimension. Ob es sich nun um Reiseandenken handelt, um schöne Bücher oder um neue Blumen für den Garten, alles ist Teil unserer Identität. Manchmal mögen wir inmitten unserer Welt stehen und dann fühlen wir ganz intensiv, das ist unser Leben, das sind wir. „Tat Twam Asi – Das bist Du“ weiterlesen

Ein X für ein U

IMG_20201010_155542Karma-Yoga ist das Yoga des Handelns. Das erste Prinzip besagt, dass man handelt, ohne nach den Früchten zu fragen. Normalerweise tun wir ja etwas, um etwas zu erreichen oder etwas zu bekommen. Wenn nichts dergleichen in Sicht ist, lassen wir es meistens sein. Diese Art des Handelns bezeichnen wir als Artha. „Wenn der mir nichts gibt, dann kriegt er von mir auch nichts!“

Die Art unseres Handelns sagt aus, auf welcher Bewusstseinsstufe wir sind. Dem Karma-Handeln liegt eine andere Prämisse zugrunde: Es wird davon ausgegangen, dass alles Teil eines großen Ganzen ist. Dieses „Ganze“ gibt uns alles, was wir zum leben brauchen, ohne zu fragen. Es gibt uns Luft zum atmen, soziale Kontakte, Nahrung, Beziehungen, Schönheit, Ärger usw. Wir denken zwar oft, dass wir unabhängig sind, aber wehe, all das, was wir jeden Tag für selbstverständlich nehmen, würde wegfallen. Dann würden wir ganz schön alt aussehen, wie man so treffend sagt. Vor diesem Hintergrund erscheint es vernünftig, auch etwas in dieses „Ganze“ hinein  zu geben, ohne dass man unmittelbar etwas dafür bekommt. „Ein X für ein U“ weiterlesen