
Aber es gibt einen Bereich der Schönheit, den wir bisher nicht angesprochen haben und der nie zu Ermüdung, Übersättigung und Langeweile führt, es ist die Schönheit des Denkens. Wenn wir darin Gefallen finden, gibt es keinerlei Nachteile, sondern nur Gewinn. Rekapitulieren wir kurz. Wir hatten gesagt, dass unser Bedürfnis nach Besitz auch zu unserer Identität beiträgt. Nun ist nicht zu verschweigen, dass das agieren auf dieser materiellen Ebene immer auch Folgen hat, die nicht so positiv zu betrachten sind. Erwerb, und sei es aus noch so verständlichen Gründen heraus, ist immer auch Konsum und damit Verbrauch von Ressourcen. Niemandem fällt offensichtlich auf, wenn wir in den Zeitungen von einem Wirtschaftswachstum von soundsoviel Prozent lesen, dass damit auch eine gewisse Ausbeutung unseres Planeten einhergeht. Es geht um Regenwälder, die in Jahrhunderten entstanden sind. „Tat Twam Asi – Das bist du Teil 2“ weiterlesen


Wir kennen viele Arten des Genießens. Unsere Sinne sind wach und geschärft. Entsprechend unseres Einkommens ist es uns möglich, uns mit exquisiten Dingen zu umgeben. Nun ist unser Denken ein eigentümliches Wesen. Es ist unersättlich in seinem Hunger nach Eindrücken. In der Regel geben wir dem auch ohne Hemmung nach. Die Folge ist, dass unser Suchen nach Genuss in unzählige Richtungen geht. Das Ganze spielt sich gewöhnlich zum überwiegenden Teil auf der materiellen Ebene ab und gibt uns einfach ein gutes Gefühl. Wenn wir das erste mal das neue Geschirr auf dem ästhetisch gedeckten Esstisch sehen, die dazu eingeladenen Gäste warten auf das mit Sorgfalt zubereitete Menü, dann ist das etwas erhebendes, etwas, dass uns über das tägliche Erleben hinaushebt. Wir berühren in gewissem Sinne eine höhere Dimension. Ob es sich nun um Reiseandenken handelt, um schöne Bücher oder um neue Blumen für den Garten, alles ist Teil unserer Identität. Manchmal mögen wir inmitten unserer Welt stehen und dann fühlen wir ganz intensiv, das ist unser Leben, das sind wir.
Karma-Yoga ist das Yoga des Handelns. Das erste Prinzip besagt, dass man handelt, ohne nach den Früchten zu fragen. Normalerweise tun wir ja etwas, um etwas zu erreichen oder etwas zu bekommen. Wenn nichts dergleichen in Sicht ist, lassen wir es meistens sein. Diese Art des Handelns bezeichnen wir als Artha. „Wenn der mir nichts gibt, dann kriegt er von mir auch nichts!“
1962 kam der erste einer Filmreihe namens Mondo Cane heraus. Das bedeutet soviel wie verrückte Welt. Der Film enthielt alle möglichen bizarren Dinge aus aller Welt. Mir ist eine Szene in Erinnerung, die in einem kleinen Dorf in Sizilien oder Süditalien aufgenommen wurde. Dort findet jedes Jahr folgender Wettbewerb statt: Die jungen Männer des Dorfes nehmen ca. zehn Meter vor einem Garagentor Aufstellung und rennen dann einzeln mit Karacho und gesenktem Kopf auf das Tor zu, um es auf diese Art zu öffnen. Da der menschliche Kopf in der Regel eher zum Denken und weniger als Rammbock geschaffen wurde, sind gewöhnlich mehrere Anläufe nötig, um zum Ziel zu kommen. Der Film zeigte denn auch eine Menge blutüberströmter Gesichter einschließlich das des Gewinners, der mit blödem Grinsen stolz seinen Preis, eine Salami, vor die Kamera hielt.
In der Bhagavad Gita heißt es:„Wie ein Lotosblatt auf der Wasseroberfläche treibt, ohne nass zu werden, bleibt der Yogi unberührt von Hitze und Kälte, Freude oder Leid. Für ihn ist alles gleich. Für ihn ist alles ein Spiel der Gunas.“