Träume sind Schäume?

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Die Denker im alten Indien beschäftigten sich mit mannigfaltigen Aspekten des Bewusstseins. Die Mandukya Upanishad beschreibt die verschiedenen Zustände, in denen das Bewusstseins während des Schlafs ist.

Dabei kommt es zu interessanten Überlegungen.

Wenn wir morgens aufwachen, sind wir manchmal vollkommen perplex über das, was wir träumten. Es erscheint uns selbst im Nachhinein real. Der Traum kennt keine Grenzen, weder zeitliche noch räumliche. Wir durchschreiten Räume, in denen wir im Wachbewusstsein nie gewesen sind. Situationen, die wir irgendwann einmal erlebt haben, werden verfremdet und mit Eindrücken kombiniert, die Jahrzehnte zurückliegen.

Träume sind Zustände, die unser Innerstes ausdrücken. Wir sind dort vollkommen bei uns selbst.

In den Upanishaden wird die Frage gestellt, was denn nun real sei: das Wachbewusstsein oder der Traumzustand?

Spontan werden wir wohl antworten: „Natürlich das Tagesbewusstsein. Da fühle ich Schmerz, da habe ich Hunger etc.“

Aber ist es nicht so, dass wir während des Träumens alles Erleben ebenfalls als freudig oder schmerzhaft empfinden?

Oft ist es so, dass wir auch nach dem Aufwachen noch von dem Erleben der Nacht beeinflusst und sogar benommen sind.

Auf der anderen Seite zögern wir nicht, zu sagen, dass wir während des Tages in der wahren Realität sind. Da klassifizieren wir überzeugt Träume als Schäume.

In der Psychologie C.G. Jungs wird viel mit Traumbildern und deren Deutung gearbeitet. Das soll uns jetzt aber nicht interessieren.

Ich möchte hier die Frage stellen, ob wir jemals in der Realität leben, sei es wach oder im Schlaf?

Stellen wir uns vor: Wir sitzen auf einer Anhöhe und blicken hinab auf ein wunderschönes Tal. Auf der jenseitigen Seite erheben sich schneebedeckte Berge. Wenn wir genau wahrnehmen, währt dieser ungetrübte Eindruck vielleicht zwei, drei Sekunden lang, und dann kommen die diversen Gedanken, Gefühle und Vergleiche. Vielleicht fällt uns gerade ein, dass uns heute morgen jemand schief angeschaut hat (zumindest denken wir das).

Das Tal ist nach wie vor dasselbe. Unser Blick darauf hat sich aber geändert. Er ist getrübt von Gedanken und Gefühlen, die in uns ablaufen.

Wir müssen uns darüber klar sein, dass in jedem Augenblick unsere Wahrnehmungen gleichsam an der Oberfläche eines tiefen, tiefen Sees ablaufen. Da drin sind alle Eindrücke gespeichert, die wir im Laufe unseres Lebens erfahren haben. Wenn Sie an die Reinkarnationslehre glauben, dann sind es auch alle aus vergangenen Daseinsformen. All das prägt uns. Das sind wir!

Wenn wir jetzt zu unserem idyllischen Blick in dieses schöne Tal zurückkehren, spielt sich Folgendes ab: Irgendein kleiner Eindruck, der Ihnen in diesem Moment gar nicht bewusst sein muss, verbindet sich mit etwas, was in diesem „See“ gespeichert ist. Und schon setzt sich eine Kette aus Gedanken und Gefühlen in Bewegung, die uns aus der aktuellen Wahrnehmung entfernen.

Das spielt sich pausenlos ab. Wir sind nie ganz „da“. Deswegen können wir auch nie sagen: „Das ist real oder das ist so.“

Deshalb wurde Yoga „erfunden“. Weil die Yogis zum reinen, unmittelbaren Bewusstsein vorstoßen wollten.

Nun gehen aber die Wenigsten diesen Weg in seiner Totalität.

Was also tun, da wir nun wissen, dass unser ganzes Denken und Handeln nicht auf Realität, sondern auf einer wilden Mischung aus teilweise uralten Schichten unseres Unbewussten basiert. Die Yogis nennen das Samskaras.

Im Grunde, wir sagten das schon oben, unterscheidet sich das Ganze nicht vom Geschehen in den Träumen.

Die einzige Möglichkeit ist, alles Geschehen als Maya zu sehen. Die absolute Realität oder Gott, wie man es auch nennen kann, liegt hinter den Erscheinungen.

Maya ist das Spiel oder der Tanz Gottes. Gott oder Brahman, der in jedem kleinsten Materiepartikel steckt, verhüllt sich in seiner Maya, seinem Schleier, wie die wörtliche Übersetzung lautet. Was wir von ihm sehen, ist dieser Schleiertanz. Darin offenbart er sich. Wenn wir ausschließlich auf diese vielfältigen Erscheinungen fixiert bleiben, werden wir ihn nie erkennen. Maya können wir mit einer Fata Morgana vergleichen. Sie ist eine Luftspiegelung, die durch die Hitze der Sonne verursacht wurde. Ohne die Sonne, das Brahman, gäbe es keine Fata Morgana. Brahman ist das unfassbare, ewige, göttliche Prinzip.

Gewöhnen wir uns an, die Dinge aus der Distanz zu betrachten. Sagen wir nicht: „Das ist so“, sondern: „Das erscheint mir so“. Nicht: „Der ist so!“, sondern: „Der wirkt auf mich so.“

Nicht: „Das ist ein Problem“, sondern: „Das ist eine Situation, die ich zum Problem machen kann oder auch nicht.“

 

 

 

 

 

 

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