Über das Meer….

Wenn ein Mensch zu einem Psychotherapeuten geht, ergibt sich häufig die Situation, dass er mehr oder weniger fordernd den Therapeuten ansieht und recht deutlich zum Ausdruck bringt: „Jetzt sag‘ mal, was ich tun soll und hilf mir (schließlich bezahle ich dich dafür).“

Wenn der Therapeut in diese Falle geht, hat er nicht nur verloren, sondern er arbeitet auch schlecht. Der Klient sitzt dann nämlich gelassen auf seinem Stuhl und kritisiert einen Vorschlag nach dem anderen. Nicht der Therapeut, sondern der Klient steuert dann das Geschehen.

Wie also wäre es richtig?

Klient: „Mir geht es schlecht, was muss ich tun, damit es mir besser geht?“

Therapeut: „Das kann ich dir nicht sagen, das weißt du am besten. Ich kann dir nur helfen, das herauszufinden.“

Was für das Individuum richtig ist, gilt auch für Gruppen und Völker.

Heute morgen las ich: „Pro Tag kommen laut Bundespolizei im Schnitt 450 Flüchtlinge nach Deutschland, vor allem aus Syrien, Irak, Afghanistan und den Ländern Zentral-und Westafrikas.“

Der Chef der Bundespolizei Dieter Romann sagt, dass wir keine sicheren Außengrenzen trotz Schengen haben. Die Situation sei ernst.

Der Afrikabeauftragte der Kanzlerin, Günter Nooke sagt, dass es in den nächsten Jahrzehnten um 100 und mehr Millionen junger Schwarzafrikaner geht, die eine Perspektive brauchen. Der Migrationsdruck sei hoch. Zum Beispiel würden von zehn jungen Männern, im vergleichsweise gut aufgestellten Senegal, acht nach Europa gehen, wenn sie könnten. Insgesamt stehen ca.50 Millionen in den Startlöchern.

Volker Seitz war 17 Jahre als deutscher Botschafter in verschiedenen Ländern Afrikas tätig. Er schrieb 2009 sein Buch: „Wie Afrika armregiert wird…“ Er vertritt darin die gleiche Ansicht, wie ich sie oben in der Therapeuten-Klienten-Beziehung geschildert habe: „Nur aus der Distanz sind Antworten einfach. Schön wäre es, wenn mit mehr Kapital die Probleme der ökonomischen Unterentwicklung Nigers gelöst werden könnten. Oberstes Ziel darf nicht länger ein Mehr an Entwicklungshilfe sein, das die Kräfte der Selbsthilfe lähmt, sondern so wenig Geld wie irgend möglich, nur so viel wie dringend nötig. Entwicklung, daran habe ich keinen Zweifel, kann nur über die tatkräftige und überzeugte Mitwirkung und Eigeninitiative eines jeden Einzelnen stattfinden… „Die Hilfe untergräbt die Entwicklung eines kompetenten, unbestechlichen und den Interessen der Bevölkerung dienenden Staatsapparates.“ Dies sagt der ugandische Journalist Andrew Mwenda. Er saß wegen seiner Kritik an afrikanischen Regierungen und ihrer Abhängigkeit von Hilfsgeldern schon oft im Gefängnis… James Shikwati, Gründer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft »Inter Region Economic Network« in Kenia, übt ebenfalls massive Kritik an der klassischen Entwicklungshilfepolitik: „In den Industriestaaten wird immer der Eindruck erweckt, ohne Entwicklungshilfe würde Afrika untergehen… Dem verheerenden europäischen Drang, Gutes zu tun, lässt sich bisweilen leider nicht mit Vernunft begegnen… Wenn die Entwicklungshilfe eingestellt würde, wären die politischen Eliten das erste Opfer, weil ihre Machtstrukturen dadurch gesprengt werden. Die Frage nach einer eigenständigen afrikanischen Lösung wäre dann auf dem Tisch… Eine Einstellung der Hilfe wird an den Tag bringen, dass die meisten internationalen Agenturen die afrikanische Misere dazu genutzt haben, um Spenden zu sammeln, um sich einen humanitären Anstrich zu geben.“

Wir Deutschen mit unserem von linker Seite kultivierten Schuldkomplex sind im Moment wieder angetreten, Afrika zu retten, indem wir zum Beispiel für einen organisierten Fährverkehr für Wirtschaftsflüchtlinge unter dem Banner von Seenotrettung eintreten. Die Frau Bundeskanzlerin reist am 5. Februar nach Südafrika und Angola, um „die Fluchtursachen zu bekämpfen“. Sicher wird sie wieder um einige Millionen leichter zurückkehren.

Durch diesen Aktionismus werden, wie gesagt, alte Strukturen zementiert. Die jungen Afrikaner, die etwas verändern wollen, bleiben von den Entscheidungsstrukturen ausgeschlossen und werden sich dann irgendwann vielleicht auf den Weg machen.

Ausgerechnet Südafrika, welches seit Nelson Mandela nur noch korrupte Staatschefs hatte und das sich auf dem besten Weg in Richtung des gescheiterten Simbabwes macht, indem es drauf und dran ist, die weißen Farmer zu enteignen.

Zum Schluss noch ein Ausschnitt aus Volker Seitz‘ Buch:

„Wenn andere Krankenhäuser, Schulen und Straßen bauen, Kinder impfen lassen, muss es ja die Regierung nicht tun. Sie kann das Geld stattdessen für Luxusgüter ausgeben: Die afrikanischen Eliten sind Weltmeister im Champagnertrinken, ihre Autokorsos zeichnen sich durch eine erstaunliche Mercedesdichte aus (die Scheiben sind verdunkelt, damit die Insassen möglichst wenig von dem Elend mitbekommen). Die Leute nennen diesen Typus von Führern gerne »vom Stamme Wa Benzi«. Die meisten Verantwortlichen haben Luxusvillen in zahlreichen Ländern. Es gibt Staatschefs, die in einer Woche New York für sich und ihre Entourage schon mal das Jahresgehalt eines europäischen Regierungschefs ausgeben. Erheben Medien tatsächlich einmal entsprechende Vorwürfe, meinen sie, sie mit dem Totschlagargument »Das ist Rassismus« entkräften zu können.Es kümmert die afrikanischen Eliten nicht, wenn ihre Staatsbürger zu Zehntausenden unkontrolliert und chaotisch auswandern und sich anderen Ländern zuwenden, in denen sie ein besseres Leben als in der Heimat zu finden hoffen. Verantwortungsbewusste Regierungen sollten ihre Landsleute auffordern, im Lande zu bleiben, und ihnen die Verbesserung der Verhältnisse in Aussicht stellen. Nichts dergleichen geschieht.“

Aber – wenn wir uns jetzt entschließen würden, keine Entwicklungshilfe mehr zu geben, was würde dann passieren? Andere, allen voran China, würden in die Bresche springen und die begehrten Rohstoffe günstig bekommen. Und was würde dann aus der Batterieproduktion werden, die wir ja wegen der Elektromobilität wollen? Coltan gibt es nun mal im Kongo.

Es drängt sich der Gedanke auf, dass Entwicklungshilfe Kolonialismus auf anderer Ebene ist.

Menschliches Handeln ist sehr relativ, was also zählt wirklich im Leben?