Farbenlehre Teil III

IMG 20250112Am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg. Der Franzl aus Wien hatte sich schon 1916 in die Kapuzinergruft verzogen und sein kaiserlicher Kollege, der Wilhelm, ging ins Exil nach Holland, wo er sich die Zeit mit Holzhacken vertrieb. Bis zu seinem Tod war er der Überzeugung, alles richtig gemacht zu haben.

In seinem ehemaligen Reich sah es allerdings nicht gut aus. Die Zahl der Arbeitslosen pendelte zwischen 1,3 und 4 Millionen.

Unzählige traumatisierte Soldaten kehrten von der Front zurück. Sie waren zwar besiegt, aber auch kampferprobt.

Weite Teile des Reiches mussten abgetreten werden. Wer kennt heute noch Provinzen wie Posen und Westpreußen, heute tiefstes Polen.

Elsass und Lothringen wurden wieder französisch. Die Franzosen hielten das Ruhrgebiet, das industrielle Herz Deutschlands, besetzt – für 15 Jahre, das war der Plan.

Es gab eine Vielzahl politischer Strömungen. In München entstand für kurze Zeit eine Räterepublik nach anarchistischem Vorbild.

Es gab bewaffnete Soldatenverbände, die im Osten Krieg führten, um ehemalige Gebiete zurückzugewinnen.

Der Versailler Vertrag verfolgte, vor allem auf Betreiben des damaligen Ministerpräsidenten Clemenceau, den Zweck, Deutschland als Bedrohung für Frankreich für alle Zeiten auszuschalten.

Die Reparationszahlungen, die Deutschland auferlegt wurden, waren gigantisch. Und zwar so gigantisch, dass die letzten Beträge erste 2010 zurückgezahlt wurden, 102 Jahre nach Ende des Krieges.

Der amerikanische Präsident Wilson und Englands Lloyd George versuchten das Schlimmste zu verhindern. Wohl wissend, dass man einen Organismus nicht über eine gewisse Grenze kujonieren kann, sonst beißt er zurück. Ein Staat ist auch ein Organismus.

1929, nach wechselnden Regierungen, kam der Schwarze Freitag, an dem die Spekulationsblase an der Wallstreet zusammenbrach. Die amerikanischen Banken forderten kurzfristig vergebene Kredite aus dem Ausland – insbesondere aus Deutschland – zurück.

Für ein Brot wurden Millionen Reichsmark bezahlt.

Durch diplomatische Bemühungen der damaligen Stresemann-Regierung wurde die Besetzung des Ruhrgebietes 1925 beendet.

Die Nationalsozialisten versuchten, ihre Rolle bei der Befreiung herauszustellen. In dieser Zeit entstand der „Heldenmythos“ um Albert Leo Schlageter, Freiheitskämpfer in einem Freikorps.

Im Land tummelten sich eine Vielzahl von politischen Gruppierungen. Deutschland war bis 1918 ein Obrigkeitsstaat und hatte keine Demokratieerfahrung. Viele wollten die Monarchie zurück. Auf den Straßen lieferten sich Kommunisten, Anhänger der Weltrevolution und die erstarkenden Nazis Schlachten. Wer der SA beitrat wurde unterstützt. Die Menschen wollten endlich wieder in Frieden und bescheidenem Wohlstand ihr Feierabendbier trinken. Vier Jahre Krieg, Inflation, Arbeitslosigkeit und Hunger waren genug.

Dies war die Gemengelage, in der die Partei Hitlers, der anscheinend wirklich ein Charisma hatte, erstarkte.

Endlich eine Person, die Deutschland Selbstvertrauen und Wohlstand zurück zu bringen versprach.

Dass im Kopf des „Führers“ eine monströse Rassenideologie war, die zwangsläufig zum Krieg  und zum Holocaust führte, ahnten die Menschen nicht.

Es ist nicht möglich, auf 1-2 Seiten alle Facetten darzustellen. Soviel jedoch sollte klar geworden sein, dass sich die Situation heute mit der von damals nicht vergleichen lässt.

Deutschland heute ist reich, politisch stabil, hat seinen Platz in der Welt, und – ist dabei, sich selbst auszulöschen.

Die Farbe des Nationalsozialismus war braun, und war die deutsche Version des Faschismus Mussolinis in Italien.

Der Begriff kommt von Faszie. Das ist eine Bindegewebshülle, die Muskeln und Organe umgibt, sie quasi bündelt oder zusammenhält.

Ich wette, dass mir nur wenige, die heute auf den Straßen herumschreien und sich antifaschistisch nennen, in fünf Punkten definieren könnten, was Faschismus ist.

Damit beschäftigen wir uns das nächste Mal.

Nur ein kurzer Ausblick: Wenn man Rot, Grün und Schwarz mischt, erhält man Braun.

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