Die dummen „Guten“

Img 20240422 103513Vor einigen Jahrzehnten hatte ich während eines Yogakurses ein berührendes Erlebnis. Einer der Teilnehmer war ein älterer Herr, der schon ziemlich steif war und nur mit Mühe Asanas ausführen konnte.

Ich sprach ihn natürlich darauf an und so kamen wir ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass er pensionierter Hauptkommissar war. Wir gingen einige seiner Erinnerungen durch, die er während seiner Dienstzeit erlebte, und es zeigte sich, dass er am 28.9.1969 den Befehl über eine Polizeieinheit hatte, der die Wasserwerfer unterstanden.

Es ging um eine Anti-NPD-Demonstration in Nürnberg.

Die Nürnberger Nachrichten betitelten das damals als „Hexenkessel auf dem Egidienplatz“. Tausende demonstrierten damals gegen „rechts“, unter anderem auch ich. Damals machte ich zum ersten Mal Bekanntschaft mit einem Wasserwerfer, den der freundliche ältere Herr in meinem Kurs befehligte.

Wir lachten herzlich über unser gemeinsames Abenteuer!

Nach der Demo fuhren ein Freund und ich mit meinem alten Fiat 600 durch die Stadt und warfen NPD-Plakatständer um. Wir sahen das damals als wichtige politische Aktion an.

Von Sokrates ist der Ausspruch bekannt: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Damit ist gemeint, dass wir Menschen unfähig sind, mehr als einen kleinen Ausschnitt dessen, was wir als Realität ansehen, zu erfassen. Am nächsten Tag sehen wir das oft schon ganz anders. Von Bismarck ist der Spruch überliefert: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.“

Das heißt, je intelligenter ein Mensch ist und je mehr er sich in das Wesen der Realität hineindenkt, desto mehr ist ihm bewusst, dass es kein absolutes „richtig“ oder „falsch“gibt.

Nicht so bei denen, die sich als die Guten ansehen. Die wissen immer genau, was richtig ist, und das versuchen sie auch gegen alle Widerstände und andere Meinungen durchzusetzen.

Wir waren damals felsenfest davon überzeugt, dass wir durch die Zerstörung dieser Plakate einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Demokratie leisteten.

Das Gegenteil ist richtig! Da wir damals jung und leidenschaftlich waren oder mit anderen Worten eine ziemlich beschränkte Weltsicht hatten, konnten wir das nicht sehen.

Demokratie lebt vom Diskurs. In dem Moment, wo versucht wird, Andersdenkende auszuschließen, wird das demokratische Feld verlassen und der Faschismus beginnt.

Es hat im Lauf der Geschichte immer Gruppen gegeben, die sich als „die Guten“ ansahen, das heißt die, die genau wussten, wo es lang geht. Da war der Mönch Savanarola, der 1497 seine Kinderhorden durch Florenz schickte, um alles zu vernichten, was ihm missfiel. Wir kennen die Jahrhunderte der Hexenverfolgung und der Inquisition, die geprägt von Denunziation und Gewalt gegen Andersdenkende waren. Wir hatten die Nationalsozialisten und die Faschisten und heute haben wir die grüne Ideologie.

Diese selbsternannten Guten sind dabei, Deutschland zu zerstören – wirtschaftlich, kulturell, soziologisch.

Hass, eines der schlimmsten Attribute menschlichen Bewusstseins, wird salonfähig gemacht. „München hasst die AfD“, „Hamburg hasst die AfD“. Mit diesen Parolen laufen heute Leute durch die Straßen. Dabei wird darüber hinweggegangen, dass es sich dabei einfach um Andersdenkende handelt, was völlig legitim ist. Von den „Guten“ werden sie als Nazis, „Stück Scheiße“ und noch schlimmer bezeichnet. Mit anderen Worten, sie werden entmenschlicht. Die Nazis nannten ihre deutschen Mitbürger jüdischen Glaubens Judensäue. Das Prinzip ist immer dasselbe: Es ist schwierig, einen Menschen mit Gefühlen und einem Intellekt zu missachten und ihn herabzusetzen. Erst muss er zur Sau oder zu einem Stück Scheiße gemacht werden, dann geht es leicht.

Der Staatsrechtler Rupert Scholz, ehemaliger Bundesminister, Mitautor des Standardwerks „Grundgesetzkommentar“ sagt, dass weder die AfD noch ihre Politiker rechtsradikal oder gar rechtsextremistisch sind, sondern rechts-konservativ, was im politischen Spektrum legitim und auch notwendig ist.

Eine Wippe funktioniert nur, wenn sie nach beiden Seiten schwingen kann. Die Gewichte werden frei austariert. Ebenso ist es mit der Demokratie. Wenn die eine Seite wegfällt, hört der Schwung auf, und es treten Lähmung und Stillstand ein.

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