Aufpassen!

Die zentrale Frage für jeden von uns ist: „ Was ist mein Dharma?“ Nun haben wir verschiedene Dharmas da wir ja auch verschiedene Rollen spielen. Wir sind Väter, Mütter, Arbeitnehmer und Unternehmer usw. In jeder dieser Rollen haben wir uns in jedem Moment dieser Frage zu stellen.

Dazu ist Augenblicksbewusstsein und Konzentration nötig.

Es ist nicht so, dass wir das jeweilige Dharma suchen müssten. Es ist vorhanden, wir müssen es nur wahrnehmen.

Ich habe das früher schon einmal geschrieben. Nochmal zur Erinnerung: Es ist wie das morgendliche Aufstehen. Wenn man das Badezimmer betritt, was liegt dann an? Genau! Anschließend hat man das Bedürfnis, die Zähne zu putzen und sich zu waschen. Dann kommt der Hunger, also ab Richtung Müsli oder Rührei usw.

Bei all dem sind Regeln zu beachten, jedenfalls für den, der es ernst meint mit Yoga. Unser Handeln sollte sich immer nach der Ethik der Yamas und Niyamas richten. Also Gewaltlosigkeit, Achtsamkeit usw.

Es kann also nicht darum gehen, als Unternehmer alle Anderen übers Ohr zu hauen und sie zugrunde zu richten. Andererseits ist es in dieser Rolle Gewinnstreben legitim. Man arbeitet ja auch hart dafür, mehr als ein Arbeitnehmer, der nach acht Stunden nach Hause geht. Das sehe ich an meinem Installateur, der Sonntagnachmittag seine Angebote und Planung für die kommende Woche macht und abends um Acht brennt immer noch Licht.

Auch beim Dharma gibt es Prioritäten. Erst kommt man selbst, dann die nächsten Angehörigen, dann die Gemeinde, dann das Land in dem man lebt und schließlich die Erde. Das mag zwar egoistisch klingen, aber keiner hat einen Nutzen von uns wenn wir nicht „auf dem Damm“ sind.

Aus dieser Reihenfolge ergibt sich auch das jeweilige Dharma. Wenn ein Hund oder sonst ein Anderer meine Familie bedroht, werde ich sie verteidigen, auch mit Gewalt. Es wäre nicht verzeihbar, wenn ich meinen Enkel nicht gegen einen bissigen Hund verteidigen würde, weil ich gegen den Hund nicht ruppig sein möchte.

Was mich immer wieder beschäftigt, ist die Frage, ob und wie weit es zu meinem Dharma gehört, mich mit politischen Dingen zu beschäftigen. Hier kann die Prioritätenabstufung, wie ich sie oben beschrieben habe hilfreich sein.

Es hat Zeiten gegeben und gibt es immer wieder, wo ich Abstand halten muss, weil ich mein Denken durch Negativität vergiften würde. Aus diesem Grund bin ich aus Twitter ausgestiegen. Da ist zu viel Hass und Geschwätz.

Ich, und vielleicht auch Sie lieber Leser, müssen uns immer wieder fragen, was uns gut tut und was uns den Tag vergiftet. In der Bibel finden wir die radikale Anweisung: „Ärgert dich dein Auge, so reiße es heraus.“ Das ist der Maßstab. Auch leben wir in dieser Welt und sind auch angehalten, uns zu engagieren. Aber – wir müssen aufpassen.

In dem Song „The pusher“ singen „Steppenwolf“ ganz richtig:

…….But I never touched nothin‘
That my spirit could kill….

Diese Regel gilt für alles nicht nur was gesellschaftliches Interesse und Engagement anbelangt. Auch Kontakte zu Menschen mit nicht zuträglichen Ansichten und Verhalten gehören dazu.

Diese Webseite hat den Anspruch, ein breites Spektrum von Gedanken zu den verschiedensten Themen zu bieten, und zwar für Menschen die im Leben stehen und damit täglich konfrontiert werden. Was uns umgibt, prägt uns und hinterlässt Spuren im Denken und Fühlen. Vieles kann man durch bewusstes Denken vermeiden, aber nicht alles, weil man einfach damit konfrontiert wird.

Der amerikanische Theologe Reinhold Niebuhr verfasste irgendwann in der Zeit des 2. Weltkriegs das bekannte Gelassenheitsgebet, das in diesem Zusammenhang genau wiedergibt, worum es geht:

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Einen Tag nach dem anderen zu leben,
einen Moment nach dem anderen zu genießen.
Entbehrung als einen Weg zum Frieden zu akzeptieren,
sie anzunehmen, wie Jesus es tat:
diese sündige Welt, wie sie ist,
und nicht, wie ich sie gern hätte,
zu vertrauen, dass Du alles richtig machen wirst,
wenn ich mich Deinem Willen bedingungslos ausliefere,
sodass ich in diesem Leben ziemlich glücklich sein möge
und im nächsten Leben für immer überglücklich.
Amen.“

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