Schattenseiten der Bhagavad Gita Teil 1

Indien1-39Ich habe in meinem letzten Artikel (Und sie bewegt sich doch, 2. August 2020) geschrieben, dass wir Yogaaspiranten, zumindest die, welche Yoga nicht nur als Sport ansehen, leicht Gefahr laufen, die hinduistische Philosophie und den religiösen Hintergrund zu unreflektiert zu betrachten. Wir rezitieren Mantras, zünden Räucherstäbchen an und verehren Shiva,Vishnu und Rama mit seinem Jünger Hanuman.

Das heilige Buch der Hindus, die Bhagavad Gita gehört sicher zu den inspirierendsten Büchern der Weltliteratur. Wenn ich auf Reisen gehe, habe ich meist eine kleine Ausgabe dabei, die ich mir vor vielen Jahren in der Ramakrishna-Mission in Bombay gekauft habe.

Und doch ist dieses Juwel unter den heiligen Büchern zum Teil schuld an Indiens Misere. Indien krankt am Kastensystem. Solange dieses System besteht, wird das Land, trotz aller Erfolge in Technik und Wissenschaft nie mit anderen großen Ländern gleichziehen können,

Bevor die Arier nach Indien von Norden her einwanderten, lebten dort die Adivasi d.h. „die ersten Siedler“. Noch heute gibt es ca.104 Millionen Menschen, die in sogenannten Stammesgesellschaften leben.

Es gab keine Kasten! Die wurden von den Ariern eingeführt. Warum wohl? Diese Eroberer waren Hirtennomaden und hellhäutiger als die Ureinwohner, sie fühlten sich überlegen und taten alles, um diese Überlegenheit zu erhalten. Damals wie heute drückte sich höhere Stellung durch die Hautfarbe aus.

Die drei höchsten Stände, also die der Brahmanen (Priester), der Kshatriyas (Adelige und Krieger) und der Vaishyas (Bauern und Kaufleute), sind den Nachkommen der Reiternomaden vorbehalten. Den nun unterdrückten Ureinwohnern der ehemaligen Hochkultur blieben nur die niedersten Stände: Den Shvdras (Shudras) gehören ausschließlich Diener und Handwerker an, dem letzten Stand, dem der „Namenlosen“, nur sogenannte „Unberührbare“.

Kehren wir zurück zur Gita. Sie wurde von ihrem vermuteten Verfasser Vyasa als ein Dialog zwischen dem Helden Arjuna und dem Gott Krishna auf dem Schlachtfeld von Kurukshetra angesiedelt, heute ein unbedeutender Ort nördlich von Delhi.

„Vor langer Zeit regierten im alten Indien zwei Brüder ein Königreich. Der eine hieß Dhrtarastra, der andere hieß Pandu. Da Pandu früh starb, übernahm Dhrtarastra die Erziehung von dessen fünf Söhnen. Das Königreich wurde geteilt und Dhrtarastras Söhne, die Kauravas, regierten den größeren Teil des Reiches und Pandus Söhne, die Pandavas bekamen den kleineren Teil. Trotzdem waren die Kauravas auf die Dauer damit nicht zufrieden. Sie beschlossen, die Pandavabrüder zu einem Würfelspiel einzuladen. Sie wussten, dass diese die Einladung annehmen mussten, da es als ehrenrührig galt, abzulehnen. Die Einsätze waren nichts weniger als die beiden Königreiche. Yudishthira, der älteste der Pandavas, verlor, da die Würfel präpariert waren und so mussten die Brüder und ihre Frauen für dreizehn Jahre in die Wälder ziehen. Nachdem diese Zeit abgelaufen war, forderten sie ihr Königreich wieder zurück. Sie waren sogar bereit, sich mit nur fünf Dörfern zu begnügen, aber selbst das wurde ihnen von Duryodhana, dem König der Kauravas, verwehrt. Friedensangebote führten zu keinem Ergebnis. Selbst als Krishna um Frieden bat, wurde dies von dem arroganten Duryodhana abgelehnt.

Um verstehen zu können, um was es hier geht, brauchst du einige Informationen über die Person Krishna. Nach dem Verständnis der Hindus inkarniert sich Vishnu, der Teilaspekt Gottes, der das erhaltende Moment repräsentiert, von Zeit zu Zeit, nämlich dann, wenn das Übel auf der Erde überhand zu nehmen droht. Bei Krishna nun handelt es sich um solch eine Inkarnation Vishnus. Er kam auf die Erde, weil mächtige Herrscherdynastien ihre Macht missbrauchten. Ähnlich wie Jesus in der Familie eines Zimmermanns aufwuchs, war auch Krishna in die Welt der Menschen integriert. Uns interessiert hier aber nur, dass er Cousin der Pandavas war. Als solcher stand er auf deren Seite.“(Aus „Das Yogalehrbuch“, G.Pflug, Schirner Verlag)

(wird fortgesetzt)

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