Der Ochse ist im Zen eines der wichtigsten Symbole. Er repräsentiert die Weisheit oder Satori, das heißt, die Buddha-Natur, das, was der Mensch schon immer ist, was ihm aber nicht bewusst ist.
Sehr schön kommt das in folgendem Bild zum Ausdruck: Ein Mensch ist auf der Suche nach seinem entlaufenen Ochsen. Irgendwann wird im klar, dass er schon sein Leben lang auf ihm reitet.
Wir alle kennen das Wort: „Der Weg ist das Ziel.“ Viele interpretieren es falsch. Dieses Missverständnis korrespondiert mit dem Satz: „Die Veränderung beginnt mit dem ersten Schritt.“
Unser Denken spielt sich innerhalb von Raum und Zeit ab. Fast zwangsläufig denken wir an Distanzen, wenn wir von Weg und Ziel sprechen. Und schon sitzen wir in der Falle. Wir denken, wenn ich mich anstrenge und die Regeln befolge, werde ich zum Ziel kommen. „Reite den Ochsen“ weiterlesen


Vor ca. zwanzig Jahren fuhr ich einmal nach Limburg an der Lahn, um Darshan bei Mother Meera, einer in Deutschland lebenden Inderin, zu empfangen.
Das Bild, das Sie hier sehen, ist eine kleine Wallfahrtskapelle, an der ich heute mit dem Fahrrad vorbei kam. Seit Jahrhunderten suchen hier die Menschen Trost und Sicherheit vor der Unendlichkeit des Seins, die ihnen Angst macht.
Philosophien sind Erklärungsversuche für die Dinge wie sie sich uns darstellen. Ich sage deshalb Versuche, weil kein normaler Mensch weiß, wie das Universum entstand, wer Gott ist, was nach dem Tod kommt oder wie das alles enden wird. Ich habe den Begriff „normaler Mensch“ übrigens ganz bewusst gebraucht; denn die Yogis und auch die Adepten anderer mystisch-geistiger Traditionen sind sehr wohl der Ansicht, Einblick in die letzte Wirklichkeit zu haben. Dies ist ja gerade Sinn und Inhalt dieser Traditionen und Techniken. Die Kette der Fragen ließe sich noch beliebig verlängern. Nur ist das ziemlich müßig, weil alle Überlegungen für uns, die wir noch nicht die letzten Stufen des geistigen Weges erreicht haben, spekulativ bleiben werden. Natürlich meine ich nicht, dass es keinen Spaß machen kann, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen. Im Gegenteil, die Lust am abstrakten Denken ist faszinierend und es ist positiv, ihr zu nachzugehen, weil sie uns aus den alltäglichen Kleinlichkeiten heraushebt. Dies ist wichtig, denn dann können wir die Dinge von einem anderen Standpunkt als unserem gewöhnlichen wahrnehmen.
Wie viele andere auch, bin ich in den 70er Jahren nach Indien gefahren, um mich von der Weisheit des Ostens inspirieren zu lassen. Viele von uns hatten eine verkorkste Beziehung zum „heimischen“ Christentum. Wir hatten den Ausspruch „und bist du nicht willig, so brauch‘ ich Gewalt“ in vielerlei Hinsicht noch erlebt.