Weihnachten ist vorbei. Die Geschenke sind ausgepackt und teilweise schon wieder vergessen, wie das bei Geburtstagen eben so ist. Denn eigentlich handelt es sich bei Weihnachten um einen Geburtstag. Dieses Fest wird in anderen Weltgegenden oft viel fröhlicher als bei uns begangen.
Der Geburtstag 0 symbolisiert einen vollkommenen Neubeginn, alle weiteren zumindest ein Fortführen des Begonnenen.
Aber was führen wir eigentlich fort? Oft doch nur das Bisherige. Wir bekommen Glückwünsche: „Weiter so! Glück und Gesundheit! Alles Gute… usw.“
Und so gehen die Jahre dahin. Manchmal regt sich ein Unwohlsein oder auch eine gewisse Leere. Wir wissen meist nicht, was es ist und versuchen es schnell zu vergessen. Es fühlt sich nicht gut an.
Wolf Biermann sang einmal:„Das kann doch nicht alles gewesen sein… ein bisschen Kindergeschrei und raffen und hasten.“
Das östliche Denken sieht es als Privileg, als Mensch geboren zu werden. In deren Vorstellung durchläuft jedes Wesen die ganze Kette der Existenzen vom Einzeller bis hin zum Menschen.
Manchmal blicken wir aus dieser stolzen Position neidvoll auf die Tierwelt. Tiere folgen ihren Instinkten, die sie über Geburt, Paarung, bis hin zum Tod in festem Rahmen leiten. Sie sind zufrieden, wenn ihre Grundbedürfnisse, ausreichend Futter, Nähe zur Rotte oder zur Herde, und genügend Lebensraum erfüllt sind.
Sicher, Affen, Elefanten, Hunde und Delfine sind zu gewissen Intelligenzleistungen in der Lage, aber das ist nicht mit der Leistungsfähigkeit eines menschlichen Gehirns zu vergleichen.
Wenn ich mit meiner Katze auf dem Arm vor dem Spiegel stehe, erkennt sie sich nicht, ich aber schon.
Das heißt, unser Bewusstsein, unser Gehirn ist in der Lage zu abstrahieren und zu reflektieren. Es kann denken:„Ich bin!“
Wir wissen alle, dass die meisten Menschen mit ihrer Denkfähigkeit nicht allzu viel anzufangen wissen.
Es genügt ihnen oft, bequem zu leben, Erfolg zu haben, was immer das auch ist. Dazu wäre aber diese Denkkapazität, die wir haben, nicht nötig. Da würde das Reptilienhirn vollkommen ausreichen.
Sie existieren auf der Ebene des Muladharachakras. Es liegt zwischen Genitalien und Anus. Es ist das Wurzelchakra, die Basis. Es steht für Nahrung, Selbsterhaltung, Sinnlichkeit, dem Bedürfnis nach Fortpflanzung und starken Gefühlen, wie Gier und Habsucht.
Wenn wir uns umsehen, so scheinen gar nicht so wenige auf dieser Ebene zu leben.
Nicht nur im Osten gibt es die Vorstellung, dass im Menschsein Chance und Auftrag liegt. Auch wir haben das Bibelwort: „Gott schuf den Menschen, sich zum Bilde.“
Jeder von uns kann entscheiden, was er aus diesen Worten macht. Aber zwischen dem Wurzelchakra und dem letzten, dem Sahasrarachakra, das im Bereich des Scheitelpunkts liegt, gibt es noch fünf andere Chakren, also Ebenen des Bewusstseins. Das letzte ist der Sitz Shivas, des rein Geistigen. Hier ist der Mensch zur Erkenntnis des Purusa gelangt und hat die Dualität überwunden.
Wir können den zurückliegenden Weihnachtsgeburtstag dazu nutzen, uns auf diesen vielleicht neuen Weg zu machen.

