Wir Menschen sind unverbesserlich.
Warum?
Weil wir unverbesserliche Optimisten sind!
So wenigstens könnte man es nennen, wenn man sich nicht die Mühe macht, etwas genauer hinzuschauen.
Irgendwann, irgendwann wird es besser!
Wann? Wenn wir im Himmel sind! Der Haken am Himmel ist, dass wir dann tot sind!
Was für Vorstellungen verbinden wir mit dem Himmel? Im Himmel sind alle glücklich. Es ist eine „problemfreie Zone“. Alle Sorgen, Probleme, Widrigkeiten und Fährnisse haben dort ein Ende.
Jeder von den 8,3 Mrd. Menschen auf der Welt ist ein klar umrissenes kleines Universum für sich. Ein Sammelsurium von Stärken, Schwächen, Wünschen, Fähigkeiten, Dingen, die man gerne übersehen würde und solchen, die man gerne für immer los sein würde.
Hier kommen die Vergleiche ins Spiel. Wir schielen ständig nach den Anderen: „Der kann das besser als ich. Die hat es geschafft, mit dem Rauchen aufzuhören, ich nicht. Der ist so konsequent, der steht jeden Morgen um 5 auf und geht Eisbaden. Ich fauler Hund komm‘ kaum aus dem Bett usw. usw.“
So geht’s dahin. Was? Das Leben!
Es gibt immer einen, irgendwo, der dies oder das besser kann als man selbst. Dem arabischen Reisenden Ibn Batutta schreibt man die Worte zu: „Es ist alles schon da gewesen.“ Jetzt war das allerdings schon vor 700 Jahren.
Wenn man danach leben und handeln würde, dann bräuchte man als Laie überhaupt nichts mehr tun: Keinen Aquarellkurs mehr besuchen. Getöpfert ist auch schon so manche Vase. Könnte man sich also auch sparen.
Sehnen Sie sich nicht nach dem Himmel oder, wenn Sie das lieber haben, nach dem Nirwana.
Das ist ein Sehnen nach dem Tod!
Wenn Sie durch die Esoterikabteilung einer großen Buchhaltung gehen, können Sie sich bis an Ihr Lebensende „auf die Suche“ begeben. Heutzutage kennt ja schon jeder Müllkutscher (nichts gegen diesen Berufsstand) den Spruch: „Der Weg ist das Ziel!“ Wenn man das nicht richtig versteht, könnte man auch sagen: „Vorwärts!“ Taucht nur die Frage auf: „Wo ist denn vorn?“
Vorn ist da, wo das Leben ist! Leben heißt Bewegung und nicht Stillstand. Es ist auf keinen Fall da, wo Leute, im Englischen sagt man „Would be Yogis“, mit heiligem Lächeln auf die herunterschauen, die ihrer Meinung nach noch nicht so weit sind.
Leben heißt, sich verabschieden von Sehnsüchten und Schuldgefühlen. Wenn man mit Fünfzig, trotz intensiver Praxis immer noch nicht spielt wie Clapton, dann liegt nahe, dass man das auch die noch übrigen fünfzig Jahre nicht mehr schafft. Also Schluss mit dem Schielen auf ihn und sich freuen, dass man das kann, was man kann.
Mit der Schuld ist es dasselbe. Nach 79 Jahren und mannigfaltigen Erfahrungen im Psychobereich und in Meditationspraktiken kann ich Ihnen sagen, dass das Grundgerüst Ihrer Persönlichkeit bestehen bleibt.
Der Fortschritt besteht nicht darin, das Gerüst für nicht existent zu erklären, sondern es quasi mit den Farben und Dekomaterialien, die man hat, zu schmücken und stolz darauf zu sein.
Ganz werden Sie es nicht schaffen, nicht nach dem „Gerüst“ des anderen zu schielen. Aber seien Sie sicher, der andere schielt ebenfalls nach wieder einem anderen und so fort.
Machen Sie sich daran, schon vor dem Himmel oder anders gesagt, vor dem Grab, zu leben!

