Fata Morgana

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Eine Fata Morgana ist eine Luftspiegelung, die durch die Hitze der Sonne zustande kommt. Es gibt viele Geschichten von Reisenden in der Wüste, die ihr zum Opfer gefallen sind, weil ihnen Bilder von Oasen und Wasserläufen vorgegaukelt wurden.

Im Vedanta, einer Spielart des Hinduismus, gibt es den Begriff Brahman, nicht zu verwechseln mit Brahmane.

Dieses Brahman ist das Göttliche in jedem Partikel der Materie. Deshalb wird Vedanta als Advaida, zu Deutsch als nicht-dual bezeichnet im Gegensatz zum Samkhya, in dem Geist und Materie als getrennt angesehen werden.

Beiden Systemen gleich ist aber die Annahme, dass es der „Leuchtkraft“ des Geistes bedarf, um materielle Erscheinungen zu generieren.

Das bedeutet, ohne die Sonne, sprich Brahman, kann keine Fata Morgana entstehen. Das heißt, der Geist produziert die Bilder, die wir wahrnehmen.

Ein anderes bekanntes Beispiel ist die Geschichte von dem Mann, der ins Kino geht. Er verfolgt mit Begeisterung das Geschehen auf der Leinwand. Er fühlt und leidet mit den Protagonisten. Manche beeinflusst das so, dass sie nachts noch davon träumen oder gar nicht schlafen können, weil sie das so aufgeregt hat.

In der Realität ist es wie mit der Fata Morgana. Ohne die Lampe des Filmprojektors gäbe es keinen Film.

Der Film, in dem wir selbst mitspielen, ist unser Leben. Es ist eine Aneinanderreihung von Geschehnissen, die uns in Atem halten. Dies nimmt manchmal so eine Intensität an, dass wir das Gefühl haben, nicht mehr Herr der Dinge zu sein, gleichsam nicht mehr zu leben, sondern gelebt zu werden.

Der Sinn von Yoga liegt darin, zu erkennen, dass das Geschehen in und um uns von der „Lampe“ in uns verursacht wird. Diese Erkenntnis (Jinana), die vielen von uns ab und zu bewusst wird, vergessen wir aber immer wieder. Deswegen ist eine tägliche Praxis aus Übungen, Mantras, Lesen von entsprechenden Texten so wichtig, denn unser Denken gleicht einem Glas mit Quecksilber. Schüttet man es aus, verteilt es sich in viele kleine Kügelchen, die sich wieder teilen, wenn man sie berührt. Jede Kontrolle darüber ist unmöglich.

Fazit: Wenn wir uns zu sehr vom Film des Lebens beeinflussen lassen, verlieren wir die Kontrolle über unser Denken und Fühlen.

Noch ein weiterer Aspekt ist in diesem Zusammenhang wichtig. Jeder nimmt die Welt durch ein Raster wahr, welches grundverschieden von dem der Anderen ist. Dies ist bedingt durch die Erinnerungen und Einprägungen in unserem Denken und im Unbewussten (Samskara-Vasana).

Das bringt uns zuweilen dazu, dass wir uns in eine bestimmte Wahrnehmung der Außenwelt verbeißen und nur schwer wieder heraus finden. Wir sind dann geneigt, alles in einem bestimmten Licht zu sehen.

Wenn wir mit Anderen darüber reden, stellen wir oft mit Erstaunen fest, dass die das ganz anders sehen.

Wir sind gleichsam in einer sektenmäßigen Denke gefangen.

Wenn uns das bewusst wird, sollten wir versuchen, Abstand zu gewinnen. Manche gehen eine Woche ins Kloster. Manche hören auf, Zeitungen zu lesen.

Wichtig ist, sich zu vergegenwärtigen, was einem wirklich wichtig ist im Leben. Liebe, Freude, Harmonie und Ausgeglichenheit zum Beispiel.

Denn trotz aller Anteilnahme am Äußeren, verändern können wir als Individuum nur sehr wenig.

Der Stoiker Epiktet sagt: „Du hast nur solange Kontrolle über das Geschehen, solange es in dir in Form von Gedanken ist. Wenn du es einmal ausgesprochen hast, hast du jeden Einfluss darauf verloren.“

Insofern sollten wir uns all dieser Momente bewusst sein, um unser Denken und Fühlen in die richtige Richtung zu lenken. Nur so kann richtiges Handeln entstehen.

 

 

 

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