Mord

P1040231Die Morde von Hanau erfüllen alle mit Entsetzen. Sie sind durch nichts zu entschuldigen. Das einzige, was jetzt wichtig wäre, ist, die Tat zu verstehen, um eine Wiederholung zu vermeiden.

Wir lesen, dass der Täter ein verwirrter Psychopath gewesen sei. Das muss er wohl auch, denn sonst käme es nicht zu so etwas. Aber auch solche Menschen haben Gedanken, Gefühle, Ängste, die man sich anschauen muss, seien sie auch noch so abstrus, denn sie haben Ursachen. Mord ist eine Tat außerhalb der Gesetze. Warum ermordet man jemanden? Wenn man glaubt, keine andere Möglichkeit mehr zu haben. Dann, wenn man glaubt, anders kein Gehör zu finden.

Seit der Tat kann ich nicht entdecken, dass solchen Fragen nachgegangen wird. Was sich jetzt abspielt, ist eine widerliche Mixtur aus geheucheltem Mitgefühl, Beschuldigung und Verurteilung.

Die verantwortlichen Täter sind schon im voraus fest im Visier. Der Feind steht rechts! Dabei wird überhaupt nicht mehr unterschieden zwischen rechts konservativ, rechts radikal und rechts extremistisch.

Rechts konservativ ist eine politische Haltung, die jahrzehntelang völlig legitim war. Es war zum Beispiel möglich, dass man nationalbewusst dachte und trotzdem weltoffen war. Es war möglich, dass man deutsch und europäisch dachte und handelte.

Sehr respektable Leute mit nationalsozialistischer Vergangenheit prägten das Land:

Kurt Georg Kiesinger, deutscher Bundeskanzler, NSDAP-Mitglied von 1933-1945, Carl Carstens, deutscher Bundespräsident, ab 1933 bei der SA, 1940–1945 auch NSDAP, Hans Filbinger, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, 1937–1945 bei der NSDAP, Alfons Goppel, Ministerpräsident von Bayern, ab 1933 in der SA, usw…

Man mag über diese Männer denken, wie man will. Ich wäre sehr zurückhaltend mit einem Urteil über sie. Keiner heutzutage kann sich vorstellen, wie das Leben in einer menschenverachtenden Diktatur war. Wer dagegen war, riskierte sein Leben.

Heute wird nationalbewusst und konservativ denken gleichgesetzt mit rechtsradikal. Dies wird immer schlimmer und drängt einen großen Prozentsatz der Deutschen in die Schmuddelecke. Ein Dialog ist kaum mehr möglich.

Seitdem sich die jetzige Bundeskanzlerin im Herbst 2015 über alle bestehenden Gesetze hinwegsetzte und eine unkontrollierte Einwanderung begann, die bis heute kein Ende findet, hat Deutschland aufgehört, eine Nation zu sein, in der man über politische Grenzen hinweg miteinander reden könnte.

Es hat damals ganz langsam angefangen. In Dresden ging die Pegida Montag abends spazieren, um auf bestehende Befürchtungen bezüglich einer ungebremsten Migration aufmerksam zu machen. Alles Nazis, hieß es! Dann gründete Bernd Lucke die AfD, die sich damals noch hauptsächlich mit der sogenannten Eurorettung beschäftigte. Auch Nazis!

In einer unheiligen Allianz von Medien und Politik herrschte Konsens, dass man mit „so was“ nicht reden will.

Mittlerweile ist die AfD eine nicht mehr zu übersehende Partei geworden, die Frau Merkel eigentlich zur Ehrenvorsitzenden ernennen sollte, denn niemand hat sich so um ihren Aufstieg verdient gemacht.

„Das wird man ja noch sagen dürfen“, ist zu einem deutschen Credo geworden. Inzwischen sind all die, die keine „bunte Republik“ möchten Nazis. Zunehmend werden dazu auch noch die gezählt, die die gegenwärtige Klimahysterie nicht teilen. Was sind die dann? Schlimmer als Nazis geht nicht. Mittlerweile haben wir mehr und schlimmere Nazis als zur Zeit der III. Reiches.

Jetzt rennen alle nach Hanau. Natürlich der Bundespräsident und all die anderen, die sonst auch immer dabei sind. Werden sie zuhören? Werden sie anerkennen, dass es legitim ist, zu fragen, warum es in deutschen Städten No Go Areas gibt. Warum wir inzwischen kein einheitliches Rechtsbewusstsein mehr haben? Es sieht nicht so aus.

Die Aufwärtsspirale rechter und linker Gewalt wird sich, so fürchte ich, weiter beschleunigen und – wir werden uns, leider, daran gewöhnen.

Dass rechter und linker Terror im politischen und öffentlichen Bewusstsein nicht gleich gesehen wird, beschreibt Eckard Jesse in einem Artikel vom 20.9.2018 imTagesspiegel:

„In einer Gemengelage aus Idealisierung, Banalisierung und Mythologisierung spielt(e) die „Rote Armee Fraktion“ in der Popkultur eine Rolle. Bei der Punk-Band Wizo etwa lautet der Refrain des „R.A.F.“-Songtextes so: „Rote Armee Fraktion, ihr ward ein geiler Haufen! Rote Armee Fraktion, mit euch ist was gelaufen! Rote Armee Fraktion, ich fand euch immer spitze – leider war ich noch zu klein, um bereits bei euch dabei zu sein. Doch mein Herz schlug damals schon für die Rote Armee Fraktion.“ Dieser Song löste kaum größere öffentliche Proteste aus. Machen wir ein Gedankenexperiment: Mit Sicherheit wäre eine derartige Verherrlichung des rechtsterroristischen „Nationalsozialistischen Untergrunds“ durch eine Band auf dezidierte Empörung gestoßen – zu Recht. In der Popkultur geriet die Gewalt der RAF zuweilen ganz in Vergessenheit. T-Shirts mit dem RAF-Logo, einem fünfzackigen Stern samt Heckler-&-Koch-Waffe, sind zu kaufen, ohne dass dies Aufregung verursacht. T-Shirts mit dem NSU-Logo – zu Recht – nicht.“