Last Orders

IMG 20190406Manche Erlebnisse, liegen sie auch schon Jahrzehnte zurück, vergisst man nie.

Es war an einem Novemberabend 1977 und ich saß mit Astrid und Jürgen, zwei Freunden, die in England lebten, im „George“, dem Dorfpub von Charmouth an der Südküste von Dorset.

Jeder hatte ein Pint of Bitter vor sich. In der Kneipe ging es hoch her und der Wirt kam mit dem Zapfen kaum hinterher.

Damals herrschte noch der begrenzte Bierausschank in England, und um 22.50 Uhr wurde die Messingglocke hinter der Theke geläutet, verbunden mit dem Ausruf: „Last orders, please!“

Immer wenn sich der Mensch gedrängt oder eingeschränkt fühlt, wird er panisch oder widerborstig. So auch hier. Kaum war die Ansage heraus, stürmten alle an die Bar, um sich noch ein Pint zu sichern, selbst wenn man ein fast volles Glas vor sich stehen hatte. Denn, welch schreckliche Vorstellung, wenn das ausgetrunken war, saß man auf dem Trockenen. „Last Orders“ weiterlesen

„Der Herr“

IMG 20260706Wie viele andere auch, bin ich in den 70er Jahren nach Indien gefahren, um mich von der Weisheit des Ostens inspirieren zu lassen. Viele von uns hatten eine verkorkste Beziehung zum „heimischen“ Christentum. Wir hatten den Ausspruch „und bist du nicht willig, so brauch‘ ich Gewalt“ in vielerlei Hinsicht noch erlebt.

Es ging ja immer um Schuld und Sünde.

Indien versprach einen ganz anderen Ansatz, garniert mit Räucherstäbchen, den Beatles und Maharishi Yogi.

Om Peace Om! Es war aber nicht nur der Reiz des Neuen. Nein, dieses religiös-philosophische Neue war unbelastet von diesem „wenn du nicht brav bist, kommst du in die Hölle“. „„Der Herr““ weiterlesen

Pferde und Reiter

IMG 20260625 152948 editIch möchte mich heute mit zwei zentralen Begriffen des Yoga beschäftigen:

Sadhana heißt: Auf dem Weg sein!“ Da wir Menschen flatterhafte Wesen sind, gelingt es uns selten konsequent und zielstrebig bei einer Sache zu bleiben. Niemand hindert uns aber, immer wieder zurückzukommen und den „Faden“ wieder aufzunehmen.

In der Katha Upanisad finden wir folgendes schöne Beispiel, welches das Problem, das einer dauerhaften Erkenntnis im Weg steht, sehr schön zum Ausdruck bringt: Der Verfasser vergleicht den Menschen mit seinem Körper, seinen Sinnen und seinem Verstand mit einem von Pferden gezogenen Wagen. Die Sinne sind die Pferde, die den Wagen ziehen. Der Verstand ist der Lenker. „Pferde und Reiter“ weiterlesen

Bodenhaftung

IMG 20251227Yoga wurde in früheren Zeiten vom Guru auf den Schüler übergeben, es war eine Guru-Cela-Beziehung.

Dem Schüler wurde nichts geschenkt. Man kann sich das so ähnlich wie in den Kill Bill Filmen vorstellen, wo die Protagonistin erst einmal dienen musste, bevor sie der Schwertmeister unterrichtete.

Heute gibt es eine ganze Armada von Meistern und auch-innen, die per Internet und in gut bezahlten Vorträgen ihre Dienste anbieten und dabei zwischen London, L.A. und New-York hin und her fliegen (ich frage mich, in welcher Klasse?). „Bodenhaftung“ weiterlesen