Mein Reich…

Img 20250601 210153Jesus sagte seinen Jüngern: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Sie waren Menschen, die auch nicht anders waren als viele von uns. Sie zweifelten, sie wollten einen spirituellen Weg gehen und blieben doch immer wieder in der dinglichen Welt gefangen.

In der Nacht auf dem Ölberg, als die Soldaten kamen, zog Petrus sein Schwert, was sowieso zu denken gibt und hieb einem von ihnen ein Ohr ab, um seinen Meister zu verteidigen. Jesus sagte zu ihm: „Noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ Genau so geschah es. Er hatte schiere Todesangst, als ihn einer der Besatzer erkannte, während er vor dem Gefängnis wartete, um zu sehen, was mit Jesus geschehen würde.

Ein schwacher und doch auch starker Mensch, der nie aufgab. Ich bezweifle, dass Jesus zu ihm sagte: „Du bist mein Fels, auf dem ich meine Kirche errichten werde.“ Das haben sich wohl die römischen Bischöfe und späteren Päpste ausgedacht und diesen „Fels“ zum Grundstein ihrer unbeschränkten Macht hergenommen.

Palästina war von den Römern besetzt, und die hatten bei der Behandlung des Volkes keine Samthandschuhe an. Zudem gab es eine Priesterkaste, die in Regeln und Geboten verhaftet war und mit den Besatzern zusammenarbeitete. „Mein Reich…“ weiterlesen

Aller Anfang ist schwer

IMG 20251128Die erste Nacht im Yogainstitut Mumbai im Juni 1978 oder „Von einem, der auszog, Yogalehrer zu werden“.

… Während ich so an der Brüstung stand und die Zeit vergehen ließ, öffnete ich mich langsam dem Zauber dieser ersten Tropennacht. Ich hörte das Rascheln der Palmblätter. Der ganze Garten war mit Kokospalmen bepflanzt. Schemenhaft nahm ich das träge Flügelschlagen der Raben war, die in den Wipfeln nächtigten. Die laue Luft umschmeichelte mich, ich hatte mein Hemd längst ausgezogen. Der Himmel leuchtete rot, war so ganz anders als das normale Schwarz über dem kleinen Dorf zuhause. Es ging auf 22 Uhr zu, Zeit schlafen zu gehen. Man solle sich an den angegebenen Zeitplan halten, hatte es geheißen. Eine feste Routine hilft, psychische Veränderungen zu bewirken. Ich war ja hier, um genau das zu erreichen. Ich wollte an die „Leichen im Keller“ heran, also war ich bereit, den Anweisungen zu folgen… „Aller Anfang ist schwer“ weiterlesen

Seid einfach ehrlich!

IMG 20260113Einige Meldungen aus den Medien lassen mich einmal mehr nicht ruhen, mich mit einem der Yamas, den ethischen Grundsätzen des Yogas, nämlich Satya, das ist Wahrhaftigkeit, zu beschäftigen.

In Baden Württemberg sind demnächst Landtagswahlen. Dort tritt Cem Özdemir als Kandidat der Grünen für das Amt des Ministerpräsidenten an. Soweit so gut. Wenn man allerdings die Wahlplakate ansieht, fällt auf, dass das Logo der Grünen entweder gar nicht oder nur sehr klein auftaucht. Selbstbewusst wird verkündet, dass „er es kann“.

Auf mich wirkt es, als werde versucht, seine politische Heimat zu verschweigen, denn das „Ländle“ steht wirtschaftlich nach 15 grün geführten Jahren nicht gut da. Dort sind die Schwergewichte der deutschen Industrie, Mercedes und Porsche, angesiedelt. „Seid einfach ehrlich!“ weiterlesen

Geben ist seeliger denn Nehmen

P1060232Das Leben ist gewalttätig, in einem nicht moralisch zu sehendem Sinn. Wer nicht um sein Überleben kämpft, das heißt, seine Interessen wahrt, geht unter. Das betrifft die Maus, die sich vor dem hungrigen Bussard schützt, genauso wie dich in deiner Arbeitswelt. Auch hier musst du deine Position behaupten. Das sieht auf dem ersten Blick nicht immer gewalttätig aus. Grundsätzlich ist es aber ein Gegeneinander. Das „Ich” gegen die Anderen. Dies birgt im Kern immer Gewalt. Indem der Yogi aus diesem Spiel aussteigt, setzt er der Welt der Phänomene bewusst einen Kontrapunkt entgegen. Diesen Gedanken des sich bewusst aus dem Leben, so wie es ist, Herausziehens, finden wir auch in allen anderen Yogatechniken. Das ist zwangsläufig so, will sich der Yogi doch auf die Suche einer Realität hinter der sinnlich wahrnehmbaren Welt begeben. Dies ist mit ”normalen“ Mitteln nicht möglich. Da das Überleben also immer Gewalt mit sich bringt, ist es das oberste Ziel des Yogi, nicht mehr geboren zu werden. Kurz gesprochen dient die Praxis von Ahimsa der Unterdrückung der grausamen und gewalttätigen Tendenzen in uns Menschen; denn nur ein aggressionsfreies Denken ist zur Meditation fähig.

Wenn ein Mensch in der Lage ist, seine Negativität zu überwinden, dann wird er dafür mit einer gewaltigen Akkumulation von Energie belohnt. Das heißt, er besitzt eine Ausstrahlung, die von anderen Lebewesen wahrgenommen wird. Sie empfinden keine Bedrohung und greifen ihrerseits nicht an, sondern verhalten sich zutraulich. Wir finden dieses Phänomen zum Beispiel in der Person des Franz von Assisi. (Das Yogalehrbuch, G. Pflug)

Es gibt viele Geschichten von Heiligen und Einsiedlern, die keinerlei Angst selbst vor Raubtieren hatten, weil diese keine Bedrohung spürten.

Spontan möchte man bei diesen Ausführungen sagen: „Ja aber, das geht doch nicht, wenn der mich… und wenn ich dann…, dann halten die mich…“ „Geben ist seeliger denn Nehmen“ weiterlesen

Neu geboren

IMG 20251224Weihnachten ist vorbei. Die Geschenke sind ausgepackt und teilweise schon wieder vergessen, wie das bei Geburtstagen eben so ist. Denn eigentlich handelt es sich bei Weihnachten um einen Geburtstag. Dieses Fest wird in anderen Weltgegenden oft viel fröhlicher als bei uns begangen.

Der Geburtstag 0 symbolisiert einen vollkommenen Neubeginn, alle weiteren zumindest ein Fortführen des Begonnenen.

Aber was führen wir eigentlich fort? Oft doch nur das Bisherige. Wir bekommen Glückwünsche: „Weiter so! Glück und Gesundheit! Alles Gute… usw.“

Und so gehen die Jahre dahin. Manchmal regt sich ein Unwohlsein oder auch eine gewisse Leere. Wir wissen meist nicht, was es ist und versuchen es schnell zu vergessen. Es fühlt sich nicht gut an. „Neu geboren“ weiterlesen