Philosophien sind Erklärungsversuche für die Dinge wie sie sich uns darstellen. Ich sage deshalb Versuche, weil kein normaler Mensch weiß, wie das Universum entstand, wer Gott ist, was nach dem Tod kommt oder wie das alles enden wird. Ich habe den Begriff „normaler Mensch“ übrigens ganz bewusst gebraucht; denn die Yogis und auch die Adepten anderer mystisch-geistiger Traditionen sind sehr wohl der Ansicht, Einblick in die letzte Wirklichkeit zu haben. Dies ist ja gerade Sinn und Inhalt dieser Traditionen und Techniken. Die Kette der Fragen ließe sich noch beliebig verlängern. Nur ist das ziemlich müßig, weil alle Überlegungen für uns, die wir noch nicht die letzten Stufen des geistigen Weges erreicht haben, spekulativ bleiben werden. Natürlich meine ich nicht, dass es keinen Spaß machen kann, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen. Im Gegenteil, die Lust am abstrakten Denken ist faszinierend und es ist positiv, ihr zu nachzugehen, weil sie uns aus den alltäglichen Kleinlichkeiten heraushebt. Dies ist wichtig, denn dann können wir die Dinge von einem anderen Standpunkt als unserem gewöhnlichen wahrnehmen. „Über den Wert der Philosophie“ weiterlesen
Last Orders
Manche Erlebnisse, liegen sie auch schon Jahrzehnte zurück, vergisst man nie.
Es war an einem Novemberabend 1977 und ich saß mit Astrid und Jürgen, zwei Freunden, die in England lebten, im „George“, dem Dorfpub von Charmouth an der Südküste von Dorset.
Jeder hatte ein Pint of Bitter vor sich. In der Kneipe ging es hoch her und der Wirt kam mit dem Zapfen kaum hinterher.
Damals herrschte noch der begrenzte Bierausschank in England, und um 22.50 Uhr wurde die Messingglocke hinter der Theke geläutet, verbunden mit dem Ausruf: „Last orders, please!“
Immer wenn sich der Mensch gedrängt oder eingeschränkt fühlt, wird er panisch oder widerborstig. So auch hier. Kaum war die Ansage heraus, stürmten alle an die Bar, um sich noch ein Pint zu sichern, selbst wenn man ein fast volles Glas vor sich stehen hatte. Denn, welch schreckliche Vorstellung, wenn das ausgetrunken war, saß man auf dem Trockenen. „Last Orders“ weiterlesen
„Der Herr“
Wie viele andere auch, bin ich in den 70er Jahren nach Indien gefahren, um mich von der Weisheit des Ostens inspirieren zu lassen. Viele von uns hatten eine verkorkste Beziehung zum „heimischen“ Christentum. Wir hatten den Ausspruch „und bist du nicht willig, so brauch‘ ich Gewalt“ in vielerlei Hinsicht noch erlebt.
Es ging ja immer um Schuld und Sünde.
Indien versprach einen ganz anderen Ansatz, garniert mit Räucherstäbchen, den Beatles und Maharishi Yogi.
Om Peace Om! Es war aber nicht nur der Reiz des Neuen. Nein, dieses religiös-philosophische Neue war unbelastet von diesem „wenn du nicht brav bist, kommst du in die Hölle“. „„Der Herr““ weiterlesen
Pferde und Reiter
Ich möchte mich heute mit zwei zentralen Begriffen des Yoga beschäftigen:
Sadhana heißt: Auf dem Weg sein!“ Da wir Menschen flatterhafte Wesen sind, gelingt es uns selten konsequent und zielstrebig bei einer Sache zu bleiben. Niemand hindert uns aber, immer wieder zurückzukommen und den „Faden“ wieder aufzunehmen.
In der Katha Upanisad finden wir folgendes schöne Beispiel, welches das Problem, das einer dauerhaften Erkenntnis im Weg steht, sehr schön zum Ausdruck bringt: Der Verfasser vergleicht den Menschen mit seinem Körper, seinen Sinnen und seinem Verstand mit einem von Pferden gezogenen Wagen. Die Sinne sind die Pferde, die den Wagen ziehen. Der Verstand ist der Lenker. „Pferde und Reiter“ weiterlesen
Bodenhaftung
Yoga wurde in früheren Zeiten vom Guru auf den Schüler übergeben, es war eine Guru-Cela-Beziehung.
Dem Schüler wurde nichts geschenkt. Man kann sich das so ähnlich wie in den Kill Bill Filmen vorstellen, wo die Protagonistin erst einmal dienen musste, bevor sie der Schwertmeister unterrichtete.
Heute gibt es eine ganze Armada von Meistern und auch-innen, die per Internet und in gut bezahlten Vorträgen ihre Dienste anbieten und dabei zwischen London, L.A. und New-York hin und her fliegen (ich frage mich, in welcher Klasse?). „Bodenhaftung“ weiterlesen

