
Vom amerikanischen Comedian George Carlin stammt fologende Szene:
„Religion hat die Menschen dazu gebracht, zu glauben, dass da oben einer sitzt, der sie zu jeder Minute, bis ins kleinste Detail beobachtet. Er hat zehn Regeln aufgestellt. Wenn du eine davon nicht befolgst, wird er sehr ärgerlich und verfrachtet dich an einen sehr speziellen Platz, voll von Folter, Qual und Feuer und zwar für alle Zeiten – aber er liebt dich!“
Ein König war mit seinem Minister auf der Jagd. In der Hitze des Geschehens drangen sie immer weiter in den Dschungel ein, bis sie sich schließlich verlaufen hatten. Sie fanden sich inmitten eines Gewirrs von Dornen, Ranken und hohen Baumriesen. Zu allem Unglück stach sich der König auch noch einen Dorn in den Finger und begann zu bluten. Dies alles trug nicht gerade zu seinem Wohlbefinden bei. Der Minister versuchte ihn zu trösten, indem er sagte: „Was immer uns begegnet, ist zu unserem Besten.” Der König brauste auf ob dieser Worte: „Ich werde verletzt und du sagst dies ist zu meinem Besten? Du bist entlassen, geh’ mir aus den Augen.” Der Minister tat wie ihm geheißen und entfernte sich.
Der König ging alleine weiter und kam auf eine Waldlichtung, auf der ein primitiver Stamm einen Opferritus abhielt. Sie brauchten dazu einen Menschen als Opfer und waren erfreut, als sie den König sahen. Sie fesselten ihn und banden ihn auf den Altar, um ihn der Göttin zu opfern. Da sah jedoch der Hohepriester die Wunde am Finger und erklärte ihn für ungeeignet, denn nur ein unverletztes Opfer werde von der Göttin akzeptiert. Sie zeigten dem König den Weg zurück aus dem Dschungel.
Wieder in seinem Palast rief der König, dem inzwischen die Weisheit seines Ministers klar geworden war, diesen zu sich und sprach: „Ich habe inzwischen erfahren, dass meine Verletzung zu meinem Besten war. Aber ich fühle mich schuldig, weil ich dich entlassen habe und das ist ja wirklich nicht zu deinem Besten.” „Doch,” antwortete der Minister, „denn wenn ich noch bei dir gewesen wäre, dann hätten sie mich geopfert.”
Wir haben es hier mit zwei verschiedenen Auffassungen zu tun. Die eine arbeitet nach dem Prinzip der „schwarzen Pädagogik“, das heißt mit Strafe. „Wenn du nicht tust was ich will, werde ich dich bestrafen.“
Die andere geht davon aus, dass alles, was geschieht zu unserem Besten ist. In diesem System gibt es keine Zufälle.
Tiere leben in ihrem sicheren System von Instinkten. Sie hinterfragen nicht und sie zweifeln nicht. Wir Menschen sind mit dem Danaergeschenk des Verstandes und der Fähigkeit zur Selbstreflexion „gesegnet“. Dies stürzt uns in Selbstzweifel, Zukunftsängste und dem ständigen Fragen nach der Richtigkeit unseres Handelns.
Aber auch wir suchen Sicherheit und Orientierung und deswegen versuchen wir durch Religion und Philosophie zu erklären, was ist.
Die eine der obigen Geschichten stützt sich auf die Wüstenreligionen, Islam, Judentum und Christentum. Die andere stammt aus dem alten Indien. Die erste erheischt Gehorsam, die zweite ist selbstverantwortlich.
Der Philosoph Baruch de Spinoza veröffentliche im 17. Jahrhundert seine Ideen, die verblüffende Ähnlichkeit mit dem zweiten Beispiel haben: „Zu den Kernaussagen seines Denkens gehören: die Vorstellung von Gott als einer einzigen, unendlichen Substanz, die alles umfasst (Pantheismus); die Ablehnung eines persönlichen Gottes; die Auffassung, dass alles in der Natur notwendig und determiniert ist; eine Ethik, die auf der Erkenntnis der Notwendigkeit und der Beherrschung der Leidenschaften durch die Vernunft basiert.“
Ein Fehler, der uns Menschen gerne unterläuft ist, dass wir hoffen, irgendwann irgendwo anzukommen. Wir stellen uns Erkenntnis gerne als etwas ähnliches wie „Wolke 7“ vor.
Der Existenzialist Albert Camus sagte, dass der größte Trugschluss die Hoffnung ist. Solange wir hoffen, schätzen wir den Augenblick gering, unser tatsächliches Leben also.
Als der Philosoph Diogenes von Sinope von Alexander dem Großen gefragt wurde, ob er einen Wunsch habe, antwortete der: „Geh‘ mir ein bisschen aus der Sonne!“
Dieser Satz ist die Quintessenz aller Philosophien. Er drückt unmittelbares Er(leben) aus. Er ist ein Beispiel für Einfachheit und ohne Erwartungshaltung auf eine imaginäre Zukunft.