{"id":893,"date":"2018-01-11T17:54:42","date_gmt":"2018-01-11T16:54:42","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=893"},"modified":"2018-05-25T14:06:16","modified_gmt":"2018-05-25T12:06:16","slug":"das-leben-ist-ein-langerruhiger-fluss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2018\/01\/11\/das-leben-ist-ein-langerruhiger-fluss\/","title":{"rendered":"Das Leben ist ein langer,ruhiger Fluss"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_895\" aria-describedby=\"caption-attachment-895\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-895\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_20171122_1023181-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_20171122_1023181-300x225.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_20171122_1023181-768x576.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/IMG_20171122_1023181-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-895\" class=\"wp-caption-text\">oznor<\/figcaption><\/figure>\n<p>Vor ungef\u00e4hr vierzig Jahren hatte ich in einem meiner Yogakurse eine sehr aktive alte Dame, Frau Braun, Anfang achtzig. Sie war gerade dabei, Russisch zu lernen.<\/p>\n<p>In der Stunde, an die ich mich gerade erinnere, ging es um die Gleichmut. Es gibt diesen bekannten Ausspruch: \u201eWie ein Lotosblatt auf dem Wasser schwimmt, ohne nass zu werden, so bleibt der Yogi unber\u00fchrt von den Wechself\u00e4llen des Lebens. F\u00fcr ihn ist hei\u00df und kalt, erw\u00fcnscht oder unerw\u00fcnscht, Tag und Nacht gleich. Sein Denken ist immer gelassen beobachtend.\u201c<!--more--><\/p>\n<p>Frau Braun sah mich kurz und zweifelnd an und sagte: \u201eAber Herr Pflug, dass stimmt doch nicht. Die W\u00fcrze des Lebens liegt doch gerade im Auf und Ab, dass es mal so, mal so ist. Sonst w\u00e4re es doch todlangweilig.\u201c<\/p>\n<p>Wir kennen andererseits aber auch solche Spr\u00fcche wie: \u201eMan soll aufh\u00f6ren, wenn es am Sch\u00f6nsten ist\u201c. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass nach dem Gipfel unweigerlich der Abstieg kommt, den wir nicht gerne haben.<\/p>\n<p>Des Menschen Denken ist ein seltsam Ding. Am Liebsten ist es uns, wenn die Welt sich nach unseren W\u00fcnschen dreht. Wenn man gerade in einer Phase ist, die abwechslungsreich, aber angenehm ist, dann l\u00e4sst sich trefflich \u00fcber den Reiz der Abwechslung reden. Wenn aber etwas wirklich Leidvolles geschieht, dann sieht die Sache ganz anders aus. Abwechslung w\u00fcnschen wir uns nur, wenn es uns gut geht. In der Regel sind wir in der Dualit\u00e4t gefangen. Unangenehmes ist uns unangenehm.<\/p>\n<p>Wenn wir uns umsehen, nehmen wir einen Run auf Nostalgisches wahr. Wenn eine Tiefgarage gebaut wird und der Bauherr hat das Pech, auf Fragmente einer alten Mauer zu sto\u00dfen, dann kann er sich auf l\u00e4stige Verz\u00f6gerungen einstellen, weil die alten Steine aufw\u00e4ndig durch eine Glaswand gesichert werden m\u00fcssen und in der Umgebung alles sorgf\u00e4ltig abgesucht werden muss. Fr\u00fcher hat man die alten Steine einfach abgetragen und f\u00fcr den Hausbau verwendet. Dieses Erhaltenwollen von Altem ist ein Symptom unserer Zeit. Wenn einer fr\u00fcher seine Heimat verlie\u00df und nach drei\u00dfig Jahren wieder kam, fand er sein Dorf oder das St\u00e4dtchen mehr oder weniger in gleichem Zustand vor. Heute ist das ganz anders. Vergleichen wir den Ort, wo wir geboren sind mit dem jetzigen Erscheinungsbild, dann ist es wahrscheinlich, dass erhebliche \u00c4nderungen stattfanden. Das verunsichert. Deswegen klammern wir uns an Altes. Es ist der Versuch, ein bisschen Stetigkeit ins Dasein zu bringen.<\/p>\n<p>Wir haben auch die Eigenart, anzunehmen, dass sich grunds\u00e4tzliche Ver\u00e4nderungen ergeben, wenn erst das und das vorbei ist:\u201eWartet mal, n\u00e4chstes Jahr sind Wahlen, dann wird ein neuer Pr\u00e4sident gew\u00e4hlt, dann wird alles anders.\u201c Dabei vergessen wir, dass es danach in anderer Art einfach weiter geht, sich in der Substanz aber nichts ver\u00e4ndert. Die Erde wird auch dann nicht zum Paradies. Es wird immer etwas Neues auftauchen. Es ist nie zu Ende.<\/p>\n<p>Das betrifft in besonderem Ma\u00dfe auch die pers\u00f6nliche Entwicklung. Wir glauben gerne daran, eine Entwicklungsebene erreicht zu haben und m\u00fcssen immer wieder feststellen, dass das ein Trugschluss war.<\/p>\n<p>Es hei\u00dft: \u201eDas einzig Stabile im Leben ist der Wandel.\u201c Das sagt sich so leicht dahin, aber glauben tun wir es nicht. Warum sonst sind wir immer wieder so \u00fcberrascht, wenn die Situation anders ist als wir sie erwartet haben?<\/p>\n<p>Es gibt eine \u00dcbung, die ganz hilfreich sein kann, um sich die Verg\u00e4nglichkeit der materiellen Welt immer wieder vor Augen zu f\u00fchren:<\/p>\n<p>\u201eAnitya Bhavana\u201c ( Anitya =Verg\u00e4nglichkeit, Bhavana = Haltung, Einstellung)<\/p>\n<p>Setze dich f\u00fcr ein paar Minuten entspannt hin und vergegenw\u00e4rtige dir folgende S\u00e4tze:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u201eWas am Morgen war, ist anders als am Mittag;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">was Mittag war, ist anders als am Abend;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">denn alles ist ver\u00e4nderlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Unser K\u00f6rper, der f\u00fcr uns so wichtig ist,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">ist verg\u00e4nglich wie W\u00f6lkchen am Himmel.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Was uns Freude bringt, vergeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Reichtum vergeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Jugend ist wie eine Feder, die der Wind davon tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Warum sollte ich an irgendetwas h\u00e4ngen, wenn nichts von Dauer ist und alles vergeht?\u201c<\/p>\n<p>Dies mag anf\u00e4nglich negativ und pessimistisch klingen. Ist es aber nicht! Es ist die Realit\u00e4t. Wenn wir sie sehen k\u00f6nnen, dann erst werden wir wahrlich positiv sein k\u00f6nnen.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor ungef\u00e4hr vierzig Jahren hatte ich in einem meiner Yogakurse eine sehr aktive alte Dame, Frau Braun, Anfang achtzig. Sie war gerade dabei, Russisch zu lernen. In der Stunde, an die ich mich gerade erinnere, ging es um die Gleichmut. 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