{"id":866,"date":"2017-12-22T13:47:06","date_gmt":"2017-12-22T12:47:06","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=866"},"modified":"2018-05-25T14:06:49","modified_gmt":"2018-05-25T12:06:49","slug":"der-guru","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2017\/12\/22\/der-guru\/","title":{"rendered":"Der Guru"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-868\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/P1020313-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/P1020313-300x225.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/P1020313-768x576.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/P1020313-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Wenn wir das Wort \u201eGuru\u201c h\u00f6ren, denken die meisten von uns wahrscheinlich an einen b\u00e4rtigen alten Mann, der im Lotussitz vor seiner H\u00f6hle in den Bergen sitzt und weise l\u00e4chelt. Im urspr\u00fcnglichen Sinn bezeichnet das Wort einen spirituellen Lehrer. Es hei\u00dft, dass der Guru zum Sch\u00fcler kommt, wenn dieser f\u00fcr ihn bereit sei.<\/p>\n<p>Im alten Indien sprach man von der Guru -Chela- Beziehung, der Beziehung zwischen Lehrer und Sch\u00fcler.<!--more--><\/p>\n<p>Hier scheint es angebracht, einmal kurz nachzudenken, was Spiritualit\u00e4t eigentlich ist. Normalerweise bewegen wir uns in der Realit\u00e4t der Sinneswahrnehmungen. Wir sehen, f\u00fchlen, schmecken und h\u00f6ren etwas und nehmen das als Tatsache hin. Spiritualit\u00e4t bedeutet, dass angenommen wird, dass hinter dieser wahrnehmbaren Realit\u00e4t noch andere, nicht mit den Sinnen erreichbare Prozesse ablaufen. Wir bezeichnen das als h\u00f6here Realit\u00e4t. Manche nennen es Gott.<\/p>\n<p>Manchmal, in stillen Momenten ahnen, ja f\u00fchlen wir sogar, dass da noch \u201eirgendwas\u201c Gr\u00f6\u00dferes um uns ist, aber meist gehen diese Momente schnell vorbei und der Alltag hat uns wieder.<\/p>\n<p>Nun ist es einsehbar, dass man mit dem \u00fcblichen Verhaltensrepertoire keinen einigerma\u00dfen dauerhaften Weg in diese spirituellen Sph\u00e4ren findet, deswegen verhalten sich spirituelle Lehrer oder sagen wir Gurus auf den ersten Blick etwas seltsam. Zum einen ist es so, dass der Guru nicht das geringste Interesse hat, jemandem etwas beizubringen. Er lebt sein Leben aus einer weiteren Perspektive heraus als normale Menschen. Und manchmal sagt er etwas und es steht dem Zuh\u00f6renden frei, es zu tun oder zu lassen. Es gibt viele Geschichten \u00fcber Gurus und ihre Sch\u00fcler. Eine der meist erz\u00e4hlten ist die, dass eines Tages ein Mensch zu einem Guru kommt und bittet: \u201eMeister, lehrt mich den Pfad.\u201c Der Meister sieht den Aspiranten und schickt ihn in die K\u00fcche, um das Geschirr abzuwaschen. Er wei\u00df auf den ersten Blick, um wes Geistes Kind es sich handelt. Hinterher muss er Feuerholz holen usw. Das geht so ein halbes Jahr und wenn der Sch\u00fcler das alles klaglos und guten Mutes ausgef\u00fchrt hat, kann es sein, dass der Meister eines Tages harsch sagt: \u201eSetz&#8216; dich mal so und so hin und konzentriere dich bis ich wieder komme.\u201c Und der tut das dann auch. Heutzutage w\u00fcrde man zwischendurch auf die Uhr schauen oder seine E -Mails checken oder zumindestens fragen, wie lange und zu welchem Zweck man das machen soll.<\/p>\n<p>Mit diesen Methoden wollte man die Ausdauer und Zielgerichtetheit (Abhyasa) des Aspiranten testen.<\/p>\n<p>Der Guru kennt seinen Sch\u00fcler und gibt ihm das \u201eFutter\u201c, das dieser in einem gegebenen Moment braucht, um weiter zu kommen. Als ich das erste mal im Yogainstitut in Bombay ankam, fr\u00fchmorgens, nach einem langen Flug, erschlagen von der fremden Welt um mich, die Temperatur langsam in Richtung drei\u00dfig Grad ansteigend, wies mir mein Lehrer, Dr. Jayadeva Yogendra, mein Zimmer zu. Ich sah das Bett und stellte \u00e4rgerlich fest, dass da keine Bettdecke war. Als ich das monierte, sah er mich ruhig an und gab die Anweisung, dass man mir eine Wolldecke bringen m\u00f6ge. Kurze Zeit sp\u00e4ter hatte ich gelernt, dass man im indischen Monsun keine Wolldecke braucht. So l\u00e4uft das.<\/p>\n<p>Ein ganz anderer Aspekt bei der Sache ist der, dass wir gar nicht auf die Suche nach einem Guru gehen m\u00fcssen. Wir haben ihn in uns, so wir ihn denn wahrnehmen wollen. Wir sind es gewohnt, unsere Erfahrungen in gut und b\u00f6se, angenehm und unangenehm usw. aufzuteilen. Das, was Spa\u00df macht ist gut, der Rest ist nicht gut! Haben wir uns eigentlich schon einmal gefragt, was passieren w\u00fcrde, wenn alles nur \u201eSpa\u00df\u201c w\u00e4re? W\u00fcrden wir uns dann auch auf die Suche nach der \u201eh\u00f6heren Realit\u00e4t\u201c machen? Wozu sollten wir das tun, wenn doch alles passt?<\/p>\n<p>Schauen wir genau hin. Jeder hat irgendetwas, was ihn bedr\u00fcckt, irgendeine Erfahrung aus der Kindheit, die ihm auch im Erwachsenenleben zu schaffen macht. Wir haben tiefverwurzelte \u00c4ngste, Unsicherheiten usw. Wir alle streben nach Gl\u00fcck und nach Ganzheit. Also machen wir uns auf den Weg, die Hindernisse wegzur\u00e4umen. Das kann ein lebenslanger Prozess sein. Im Zuge dieses Entwicklungsprozesses machen wir diverse Erfahrungen, wir lernen uns und unser Potential kennen. Wir merken, dass selbst kleine Entwicklungsschritte neue St\u00e4rke in uns frei setzen. Das gibt die Kraft, immer wieder kleine Schritte zu gehen.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich an eine Nacht vor nunmehr f\u00fcnf Jahrzehnten. Wir waren im April mit einem Segelboot in der Ostsee unterwegs. Es war eiskalt bei 6 Windst\u00e4rken und nur eineinhalb Meter Wasser unter dem Kiel. Der Motor war ausgefallen, Rettungsausr\u00fcstung war nicht an Bord und wir hatten die Orientierung verloren.<\/p>\n<p>Klar war, wenn das Boot Grundber\u00fchrung hat, wird der Kiel weggerissen, Wasser tritt ein und bei diesen eiskalten Temperaturen dauert es h\u00f6chstens eine halbe Stunde, bis es aus ist. In so einer Situation f\u00e4ngt man an zu beten. Ich habe das nie mehr vergessen und so ist aus einer Notsituation wieder ein kleines Bausteinchen entstanden \u2013 f\u00fcr den Weg.<\/p>\n<p>Das Leben in uns und au\u00dferhalb von uns ist der Guru. Man muss nur hinh\u00f6ren.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn wir das Wort \u201eGuru\u201c h\u00f6ren, denken die meisten von uns wahrscheinlich an einen b\u00e4rtigen alten Mann, der im Lotussitz vor seiner H\u00f6hle in den Bergen sitzt und weise l\u00e4chelt. Im urspr\u00fcnglichen Sinn bezeichnet das Wort einen spirituellen Lehrer. Es hei\u00dft, dass der Guru zum Sch\u00fcler kommt, wenn dieser f\u00fcr ihn bereit sei. 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