{"id":705,"date":"2017-10-31T12:37:43","date_gmt":"2017-10-31T11:37:43","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=705"},"modified":"2018-05-25T14:07:55","modified_gmt":"2018-05-25T12:07:55","slug":"vertrauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2017\/10\/31\/vertrauen\/","title":{"rendered":"Vertrauen"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_762\" aria-describedby=\"caption-attachment-762\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-762\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/IMG_20170805_173332-1-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/IMG_20170805_173332-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/IMG_20170805_173332-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/IMG_20170805_173332-1-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-762\" class=\"wp-caption-text\">cof<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mein Gro\u00dfvater war Schneidermeister. Als ich klein war, spielte ich in seiner Werkstatt mit Stoffresten und wenn Kundschaft kam, wurde der Vorhang zugezogen, um die Diskretion zu wahren, aber ich konnte trotzdem durch einen Spalt sehen.<\/p>\n<p>Dieser flei\u00dfige, unscheinbare Mann, der zwei Weltkriege \u00fcberlebte und f\u00fcnf Kinder gro\u00dfzog, hat sein Dorf nur einmal im Leben verlassen, um drei Jahre eine Lehre bei einem Meister zu machen. <!--more-->Die Entfernung zum Lehrort betrug sechzig Kilometer. W\u00e4hrend meiner Kindheit wurden um 12 Uhr mittags immer die Nachrichten geh\u00f6rt und t\u00e4glich kam die lokale Zeitung, in der aber meistens nur die Lokalnachrichten gelesen wurden.<\/p>\n<p>Wenn man das mit der heutigen Zeit vergleicht, war die F\u00fclle an Informationen und M\u00f6glichkeiten, die der Einzelne hatte, recht gering. Man k\u00f6nnte also davon ausgehen, dass das Denken nicht so viel zu verarbeiten hatte und der Mensch folglich innerlich ruhiger war. Ich bezweifle das. Wenn ich mich an meinen Opa erinnere, dann hatte auch er seine Sorgen und musste sich mit Dingen auseinandersetzen, die ihn beunruhigten. Wenn man zu z.B. zu Besuch kam, drang er darauf, dass man rechtzeitig vor dem Einbruch der Dunkelheit wieder nach Hause fuhr. Ich erinnere mich, dass er in manchen Situationen hektisch in seiner Werkstatt hantierte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man innere Unruhe durch das Filtern von Eindr\u00fccken, die ins Denken kommen, verringern. Yogis sind da sehr penibel, denn jeder Eindruck wird gespeichert und entwickelt sein Eigenleben. Wir nennen diese gespeicherten Eindr\u00fccke Samskaras. Dieses Filtern ist eine essentielle Voraussetzung f\u00fcr ein weniger beunruhigtes Denken. Andererseits bietet es keine Gew\u00e4hr f\u00fcr innere Ruhe. Ein Gedanke kann uns genauso in Unruhe versetzen wie tausend davon. Wir kennen das Martyrium der fr\u00fchen christlichen Einsiedler auf dem Sinai. Manche wurden durch die inwendigen Gedankenst\u00fcrme in den Wahnsinn getrieben, denn unz\u00e4hlige Eindr\u00fccke sind ja schon vorhanden und wenn sie durch irgendein Erlebnis, einen Gedanken oder ein Gef\u00fchl an die Oberfl\u00e4che kommen, entfalten sie Aktivit\u00e4t. Wir kennen im Yoga den Begriff Ishvara pranidhana. Er bedeutet Hingabe an eine h\u00f6here Macht oder Gott. Es ist eine bewusste Technik, die auch Patanjali in seinen Yoga Sutren erw\u00e4hnt. Ohne etwas Nachdenken ist das allerdings nicht zu verwirklichen. Wir haben ja den Kopf, um zu denken. So sollten wir uns immer wieder klarmachen, was wir bewirken k\u00f6nnen. Welchen Einfluss haben wir? Wo liegen unsere Pflichten? Die ganze Welt ist ein Narrenschiff. Bayer fusioniert mit Monsanto und stellt jetzt noch mehr Pestizide zu einem g\u00fcnstigeren Preis her. Die Rohingya werden aus Burma vertrieben. Fl\u00fcchtlinge \u00fcberfallen eine Joggerin usw&#8230; Die Liste ist endlos.<\/p>\n<p>Wenn ich jetzt daf\u00fcr pl\u00e4diere, sich nicht um alles zu k\u00fcmmern, so will ich keiner Herzlosigkeit das Wort reden. Es ist einfach eine rationale \u00dcberlegung, sich zu fragen: \u201eKann ich oder will ich was tun?\u201c Selbst wenn ich an der Welt und ihren Problemen interessiert bin, so ist doch die erste Priorit\u00e4t das eigene Bewusstsein oder Leben. Es n\u00fctzt niemandem, wenn man sich in Sorgen und Betroffenheiten verliert. Im Gegenteil, es macht krank und wirkt sich sch\u00e4dlich auf unser n\u00e4heres Umfeld aus. Hier n\u00e4mlich l\u00e4ge unser Bet\u00e4tigungsfeld. Hier k\u00f6nnen wir etwas tun. Hier sind wir gefordert.<\/p>\n<p>Eine andere \u00dcberlegung ist, dass alles seine Zeit braucht. Dinge, die uns betreffen, zum Beispiel unerw\u00fcnschte Verhaltensweisen oder \u00c4ngste, lassen sich nicht einfach wegschieben. Manches dauert ein ganzes Leben, bis es sich aufl\u00f6st. Im Gro\u00dfen entstehen Kulturen und Reiche, die unverr\u00fcckbar erscheinen. Sie verschwinden und Neues entsteht. Im Moment glauben wir, dass wir das Weltklima ver\u00e4ndern oder auch steuern k\u00f6nnen. Das mag sein, aber wir als Einzelne k\u00f6nnen nur einen ganz geringen Teil dazu tun. Alle anderen Gedanken sind m\u00fc\u00dfig.<\/p>\n<p>Wir sollten uns bei jedem Ding, das unseren Weg kreuzt, fragen, wo unser Anteil liegt. Selbst wenn wir feststellen, dass Handeln erforderlich ist, haben wir so wenig Einfluss auf das Ergebnis.<\/p>\n<p>All diese \u00dcberlegungen k\u00f6nnen dazu f\u00fchren, Demut zu entwickeln und sich der der h\u00f6heren Macht anzuvertrauen. Es gibt ja diesen lustigen Satz: \u201eWenn du Gott zum Lachen bringen willst, erz\u00e4hl ihm von deinen Pl\u00e4nen.\u201c<\/p>\n<p>Heute ist Reformationstag. Am Abend kommt eine Sendung \u00fcber Martin Luther, die ich mir ansehen will. Tats\u00e4chlich habe ich keinerlei Einfluss, ob das wirklich geschehen wird. Im \u00e4u\u00dfersten Fall kann mir der Himmel auf den Kopf fallen, wie Obelix sagen w\u00fcrde und ich bin jetzt um 11.16 Uhr noch vollkommen ahnungslos.<\/p>\n<p>Hier wird die Idee des Karma Yogas greifbar, n\u00e4mlich zu handeln, ohne nach dem Ergebnis zu fragen. Ich werde nachher in die K\u00fcche gehen, um zu kochen, dann eine Ruhepause einlegen, anschlie\u00dfend vielleicht Gitarre \u00fcben oder noch was schreiben. Aber ich habe kein Recht, zu erwarten, dass das alles wirklich so passieren wird. Vielleicht rutsche ich am Herd auf einer Nudel aus und finde mich im Krankenhaus wieder?<\/p>\n<p>Das, was jetzt alles lustig klingt, ist die Realit\u00e4t. So ist unser Dasein.<\/p>\n<p>Warum also nicht von vorneherein immer wieder versuchen, Ishvara pranidhana zu einem Lebensprinzip zu machen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Gro\u00dfvater war Schneidermeister. Als ich klein war, spielte ich in seiner Werkstatt mit Stoffresten und wenn Kundschaft kam, wurde der Vorhang zugezogen, um die Diskretion zu wahren, aber ich konnte trotzdem durch einen Spalt sehen. 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