{"id":640,"date":"2017-08-31T16:21:20","date_gmt":"2017-08-31T14:21:20","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=640"},"modified":"2018-05-25T14:08:37","modified_gmt":"2018-05-25T12:08:37","slug":"viele-wege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2017\/08\/31\/viele-wege\/","title":{"rendered":"Viele Wege&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-768\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/P1020351-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/P1020351-300x225.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/P1020351-768x576.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/P1020351-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Gestern war ich bei meiner Friseuse zum Haare schneiden. Wir kennen uns seit fast drei\u00dfig Jahren und unsere Unterhaltungen sind immer recht interessant. Sie fragte mich diesmal, was ich eigentlich von Karma halte. Ich antwortete, dass die Karmalehre, wie alle Religionen auch, eine politisch &#8211; gesellschaftliche Dimension habe. Als die Arier ca.1500 v. Chr. in Nordindien einwanderten, waren sie daran interessiert, ihre Herrschaft zu festigen und zu erhalten. Es gab zu Zeiten des Rigveda zwei Gruppierungen, die nach hellerer und dunklerer Hautfarbe eingeteilt waren. Daraus entwickelten sich aus der helleren Gruppe die Brahmanen (Priester), die Kshatriyas (Krieger), die Vaishyas (H\u00e4ndler) und die Shudras (Dienende).<!--more--><\/p>\n<p>Man wollte keine Vermischung mit den \u201eDunklen\u201c.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich barg diese Einteilung das Risiko von Aufst\u00e4nden, denn wer w\u00fcrde wohl freiwillig in einem niederen Stand bleiben? Also wurde das Ganze religi\u00f6s untermauert. Wer sein Dharma, \u00fcbersetzen wir es hier mal mit Pflicht, in der Kaste, in die er hineingeboren wurde, ohne Widerspruch erf\u00fcllte, hatte die Chance, im n\u00e4chsten Leben in einer h\u00f6heren Kaste zu existieren. Dies wird auch im heiligen Buch der Hindus, der Bhagavad Gita, untermauert. Mit diesem, inzwischen fest betonierten Glauben werden die armen indischen Massen bis heute ruhig gestellt.<\/p>\n<p>Wir sehen hier, dass Kasten, Karma und Wiedergeburt zusammen geh\u00f6ren. Das Karma, welches man durch eigene Handlung erzeugt, bestimmt die Kaste: \u201eDu brauchst dich nicht beklagen, du bist f\u00fcr dein Schicksal ausschlie\u00dflich selbst verantwortlich. Wenn du deine Pflicht (Dharma) aber in diesem Leben ohne Murren erf\u00fcllst, dann&#8230;\u201c Man kann nur sagen, dass das genial ist.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich haben wir auch in unserer christlichen Religion Beispiele daf\u00fcr, dass man mit religi\u00f6sen Aussagen gesellschaftsorientierte Zwecke verfolgen kann. Wir kennen alle die Geschichte von Kain und Abel. Gott nimmt das Tieropfer des Hirten Abel an und das des Gem\u00fcsebauern Kain findet keine Gnade. Nun muss man wissen, dass die Israeliten ein nomadisches Hirtenvolk, die Ackerbauern aber schon sesshaft waren, also bereits die n\u00e4chste Stufe der Zivilisation erklommen hatten. Um seinem eigenen nomadischen Volk das erforderliche Selbstbewusstsein zu geben, das es instand setzten sollte, das gelobte Land Kanaan zu erobern, drehte man es so, dass Gott den Viehz\u00fcchter dem Ackerbauern vorzieht. Auch genial!<\/p>\n<p>Es ist immer wieder verwunderlich, dass der Mensch, der sich als das einzige intelligente Wesen in diesem Universum bezeichnet, steif und fest behauptet, dass seine Religion die einzig wahre sei.<\/p>\n<p>Wir sollten nie vergessen, dass Religionen Wege sind, die zur\u00fcckf\u00fchren sollen zum Vater (christlich) oder zum Brahman (dem unfassbar G\u00f6ttlichen). Die Buddhisten glauben, dass jeder Mensch das Buddhawesen schon in sich tr\u00e4gt und es nur wahrnehmen muss. Religio bedeutet R\u00fcckverbundenheit. Wer die Regeln und Riten befolgt, wird zu Gott zur\u00fcck finden. Riten, Regeln und Zeremonien bieten Halt und Sicherheit f\u00fcr den unruhigen Geist. Andererseits k\u00f6nnen sie auch zum Hauptzweck und damit inhaltsleer werden. Jesus selbst hat gegen die Pharis\u00e4er gewettert, die sich erhaben d\u00fcnkten, wenn sie nur die Riten befolgten. Im Hinduismus wetterte der Erneuerer Shankaracharia gegen den wuchernden Brahmanismus.<\/p>\n<p>Es ist m\u00fc\u00dfig, hier alle Wege, sprich Religionen und Kulte aufzuz\u00e4hlen. Sie haben alle den Zweck, zur Gotteserfahrung zu f\u00fchren. Interessant ist in dem Zusammenhang auch, dass es verschiedene Ebenen des Kultes gibt. F\u00fcr die gro\u00dfe Masse der Menschen dient das Schauspiel der Zeremonien dazu, sie wenigstens kurzfristig von ihren allt\u00e4glichen Gesch\u00e4ften wegzuf\u00fchren, w\u00e4hrend dies f\u00fcr den Eingeweihten v\u00f6llig bedeutungslos ist.<\/p>\n<p>Dies findet nicht immer die Billigung der Dogmatiker. Die Mystiker lehnen ein blo\u00dfes Nachfolgen ab und lehren den Zweifel als Glaubenspraxis. Erst durch die eigene Erfahrung soll der Mensch zu Gott kommen. Das dr\u00fcckt sich auch in der Lehre des bekanntesten deutschen Mystikers Meister Eckehart aus. Er wurde sp\u00e4ter wegen H\u00e4resie angeklagt. Auch die Sufis, der mystische Zweig des Islam, ist bei Islamisten verfemt.<\/p>\n<p>Auch Yoga, das auf der alten indischen Samkhya Philosophie aufbaut, ist ein nontheistisches System und hat mit irgendeiner Religion nichts zu tun.<\/p>\n<p>Wir sollten nie dar\u00fcber im Zweifel sein, dass alle Lehren nur Hilfsmittel sind, um das Brahman, das nicht definierbare G\u00f6ttliche zu erfahren. Am deutlichsten zeigt sich das in der Technik des Zazens, in der der Aspirant mit offenen Augen vor einer wei\u00dfen Wand sitzt, um sich im Gewahrsein dessen, was ist, zu \u00fcben.<\/p>\n<p>Vielerlei Formen dienen einem Inhalt. Insofern konnte ich beim Haare schneiden nicht sagen, ob die Karmatheorie richtig oder falsch ist. Mit derselben Berechtigung k\u00f6nnte man das Abendmahl oder irgendeinen anderen Ritus beurteilen. Richtig oder falsch sind in diesem Feld Kategorien, die nicht greifen.<\/p>\n<p>Der Eine oder Andere k\u00f6nnte sich jetzt recht verunsichert f\u00fchlen, weil die Frage nach dem Glauben in diesem Zusammenhang auftaucht, denn es wurde ihm vermittelt, dass der Glaube an Jesus ins Himmelreich f\u00fchrt. Wer kennt nicht die Szene mit dem Sch\u00e4cher am Kreuz, dem der Himmel versprochen wird.<\/p>\n<p>Dies ist kein Widerspruch zu dem, was ich vorher geschrieben habe. Das Brahman, das ungestaltet G\u00f6ttliche wird wohl in der Lage sein, sich in der einen oder anderen Form zu emanieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern war ich bei meiner Friseuse zum Haare schneiden. Wir kennen uns seit fast drei\u00dfig Jahren und unsere Unterhaltungen sind immer recht interessant. Sie fragte mich diesmal, was ich eigentlich von Karma halte. 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