{"id":632,"date":"2017-08-21T18:11:17","date_gmt":"2017-08-21T16:11:17","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=632"},"modified":"2018-05-25T14:08:44","modified_gmt":"2018-05-25T12:08:44","slug":"quo-vadis-afrika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2017\/08\/21\/quo-vadis-afrika\/","title":{"rendered":"Quo vadis Afrika?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-770\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/DSC00035-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/>Als ich Kind war, erz\u00e4hlte uns unser Lehrer von Albert Schweitzer, der in den Urwald gegangen war, um zu helfen, nachdem er in seiner Heimatstadt Colmar im Elsass von den traurigen Augen eines kleinen Negerkindes auf einem Plakat anger\u00fchrt war. Er studierte Medizin und gr\u00fcndete das Urwaldhospital in Lambarene, Gabun. Auch wir wollten damals alle den kleinen Negerkindern helfen.<!--more--><\/p>\n<p>Heute, mehr als sechzig Jahre sp\u00e4ter schauen uns immer noch traurige Augen von armen schwarzen Kindern an (man sagt jetzt nicht mehr Negerkinder).<\/p>\n<p>Als ich noch Lehrer an einer Fachakademie f\u00fcr Sozialp\u00e4dagogik war, veranstaltete ich einen Afrikatag. Wir kochten afrikanisch und es gab verschiedene Referate. Ich hatte auch einen Journalisten aus Togo eingeladen, der uns Informationen aus erster Hand geben sollte. Irgendwann, sehr zaghaft und h\u00f6flich kam die Frage, warum Afrika nicht so richtig hochkomme, so wie z.B. asiatische L\u00e4nder. Nach einigem Nachdenken und Z\u00f6gern, schlie\u00dflich wussten alle, wie heikel diese Frage war, antwortete er: \u201eEs wird wohl so sein, dass wir Schw\u00e4chen im Punkt Organisation haben.\u201c Man fragte nicht weiter, um ihn nicht zu besch\u00e4men.<\/p>\n<p>Heute haben wir die Situation, dass sich Zehntausende Schwarzafrikaner aufmachen, um \u00fcber das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Man bezeichnet sie als Fl\u00fcchtlinge, was aber nur zum Teil stimmt. In der Hauptsache handelt es sich um Menschen, die ihre Heimat verlassen, weil sie bessere Lebensbedingungen suchen. Das ist legitim und ich w\u00fcrde das genau so machen. Nun sind das alle keine armen Menschen, die da kommen. Um die Reise antreten zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen mehrere Tausend Euro aufgebracht werden. Mit diesem Geld lie\u00dfe sich zuhause eine Existenz aufbauen, aber man hat die Hoffnung, dass es hier noch viel mehr gibt. Selbst auf Harz vier Niveau ist es ja viel mehr, als man zuhause je bekommen k\u00f6nnte. Das alles ist sehr verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Langsam allerdings w\u00e4chst die Einsicht, dass dieser nie abrei\u00dfende Strom das Ma\u00df des Machbaren sprengt.<\/p>\n<p>Was also tun? Da werden jetzt Verhandlungen mit Libyen gef\u00fchrt, dass die dort ihre K\u00fcstenwache aufr\u00fcsten und f\u00fcr uns die Menschen aufhalten, weil wir uns scheuen, uns die Finger schmutzig zu machen, weil wir ja so humanistisch sind. Man spricht von Auffanglagern in Libyen, auch der neue franz\u00f6sische Pr\u00e4sident spricht davon. Zurzeit ziert man sich noch, weil dort so schreckliche Zust\u00e4nde herrschen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Viel vornehmer, angefangen bei der Bundeskanzlerin, ist es, davon zu sprechen, den armen L\u00e4ndern zu helfen, dass die Menschen dort bleiben k\u00f6nnen. Sie will, man h\u00f6re und staune, daf\u00fcr 300 Millionen locker machen. Dar\u00fcber w\u00fcrden die Griechen nur m\u00fcde l\u00e4cheln. Ich auch!<\/p>\n<p>Machen wir einmal einen kurzen Abstecher in die Psychotherapie. Als Therapeut habe ich immer wieder erlebt, dass Klienten zu mir kamen, mich fordernd angesehen haben und erwarteten, dass ich ihnen sage, was sie tun sollten, schlie\u00dflich hatten sie ja daf\u00fcr bezahlt. \u201eWas soll ich tun?\u201c \u201eDas musst du selbst herausfinden.\u201c \u201eJa, aber du bist doch der Fachmann.\u201c Usw..<\/p>\n<p>Der \u201eErfinder\u201c der klientenzentrierten Psychotherapie Carl Rogers sagte, dass wir Menschen sehr genau wissen und sp\u00fcren, wie wir unsere Probleme zu l\u00f6sen h\u00e4tten, aber wir haben tiefe \u00c4ngste, da heran zu gehen, weil wir dabei an Schichten sto\u00dfen w\u00fcrden, die wir vor uns am liebsten verbergen w\u00fcrden, weil sie zum Beispiel zu schmerzhaft w\u00e4ren. Er sagte: \u201eJeder Mensch hat ein Recht auf seine Probleme.\u201c Warum? Weil sie das Potential in sich tragen, in uns Ver\u00e4nderungen hin zu innerem und \u00e4u\u00dferem Wachstum zu bewirken. Wenn der Therapeut bei der fordernden Haltung der Klienten den Fehler macht, f\u00fcr sie nach L\u00f6sungen zu suchen, dann haben beide verloren, weil das ein Fass ohne Boden ist. Was immer er auch vorschl\u00e4gt, der Klient wird stets ein Haar in der Suppe finden, weil er eine meist unbewusste Scheu hat, sich zu ver\u00e4ndern. Es sollte am besten alles beim Alten bleiben, aber ganz anders. Das ist die Quadratur des Kreises. Worin besteht also meine Aufgabe als Therapeut? Ich muss dem Klienten eine angstfreie Umgebung schaffen, dass dieser es wagen kann, an seine tief vergrabenen, Angst machenden Schichten zu gehen, um so in sich die L\u00f6sung zu finden, die er schon lange wei\u00df, sie aber nicht wahrnehmen kann.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr Individuen gilt, gilt auch f\u00fcr Gruppen, L\u00e4nder und V\u00f6lker.<\/p>\n<p>Kehren wir wieder zur\u00fcck zur geplanten Hilfe f\u00fcr Afrika, damit die Leute dort bleiben. Allein im Jahre 2007 wurden ca. 37 Milliarden Dollar f\u00fcr afrikanische L\u00e4nder gezahlt. Multipliziert man das mit mindestens 30 Jahren, erh\u00e4lt man eine Summe, die man nicht mehr aussprechen kann. Und immer noch sehen mich die armen, schwarzen Kinder&#8230; Entwicklungsexperten sind sich heute weitgehend einig, dass die bisherige Form der finanziellen Hilfe nichts bringt. Sie schadet nur, weil sie die herrschenden Klassen in den einzelnen L\u00e4ndern an der Macht h\u00e4lt. Seit Jahren sagen namhafte afrikanische Experten, man solle die Entwicklungshilfe ganz streichen, weil sie das Gegenteil erreicht von dem, was geplant war.<\/p>\n<p>Insofern ist es nicht begreifbar, warum man jetzt wieder davon als L\u00f6sung f\u00fcr die Migrantenstr\u00f6me spricht. Afrika hat anderes Denken und andere Strukturen.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Als aus dem ehemaligen Rhodesien das heutige Simbabwe wurde, war es ein wohlhabendes Land. Dann \u00fcbernahm Robert Mugabe, der Ex \u2013 Rebellenf\u00fchrer die Regierung. Inzwischen ist Simbabwe eines der korruptesten und \u00e4rmsten L\u00e4nder Afrikas. In einem Interview wurde ein B\u00fcrger gefragt, wie er dar\u00fcber denke, dass Mugabe und sein Clan alles an sich rei\u00dfe? Die Antwort lautete: \u201eEr ist der Chief, es geh\u00f6rt ihm sowieso.\u201c<\/p>\n<p>Wir haben dort immer noch Stammesstrukturen und wenn in Kenia ein Kikuyu als Pr\u00e4sident an der Macht ist, dann wird zuerst dieser Stamm protegiert.<\/p>\n<p>Wie auch immer, die Situation ist weit komplexer, als ich sie auf den zwei Seiten darstellen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Es bedarf schon sehr viel Phantasie, sich vorzustellen, dass hunderttausend Afrikaner in Deutschland integriert werden k\u00f6nnten. Aber man denkt \u00fcber L\u00f6sungen nicht richtig nach. Es ist menschenverachtend, wenn man immer noch zul\u00e4sst, dass Tausende in wackligen Booten \u00fcbers Mittelmeer kommen. Ebenso ist es ein Unding, einen staatlich organisierten Transfer nach Deutschland einzurichten, wie es die Gr\u00fcnen fordern.<\/p>\n<p>Warum also nicht endlich ehrlich sein und Auffanglager errichten, in denen vor Ort entschieden werden kann, ob Aussicht auf Asyl besteht oder nicht. Mit all den nutzlos ausgegebenen Milliarden k\u00f6nnte man sichere und komfortable Topeinrichtungen schaffen. Und, man k\u00f6nnte sogar den Abgewiesenen den R\u00fccktransport samt einer Starthilfe f\u00fcr zuhause gew\u00e4hren.<\/p>\n<p>Ich glaube, dass man sich einfach nicht traut, rational und effektiv zu handeln. So wurstelt man vor sich hin zwischen Kirchenasyl, Krokodilstr\u00e4nen \u00fcber ertrunkene Menschen, heimlichen Absprachen mit libyschen Warlords und Besichtigungstouren nach Lampedusa, wo man trefflich \u00fcber die unhaltbaren Zust\u00e4nde lamentieren kann. Europa h\u00e4tte die Ressourcen, es besser zu machen.<\/p>\n<p>Es ist wie in einer Einzeltherapie. Wenn man nicht deutlich macht, dass die L\u00f6sung der eigenen Probleme aus dem betreffenden Land selbst kommen muss, werden unabl\u00e4ssig Forderungen und Menschen kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich Kind war, erz\u00e4hlte uns unser Lehrer von Albert Schweitzer, der in den Urwald gegangen war, um zu helfen, nachdem er in seiner Heimatstadt Colmar im Elsass von den traurigen Augen eines kleinen Negerkindes auf einem Plakat anger\u00fchrt war. Er studierte Medizin und gr\u00fcndete das Urwaldhospital in Lambarene, Gabun. 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