{"id":606,"date":"2017-08-06T11:31:37","date_gmt":"2017-08-06T09:31:37","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=606"},"modified":"2018-05-25T14:09:07","modified_gmt":"2018-05-25T12:09:07","slug":"ein-abend-in-schloss-bellvue","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2017\/08\/06\/ein-abend-in-schloss-bellvue\/","title":{"rendered":"Ein Abend in Schloss Bellevue"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-774\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_20160531_103936-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_20160531_103936-300x169.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_20160531_103936-768x432.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/IMG_20160531_103936-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Satire ist eine Form der Kommunikation, die es einem erm\u00f6glicht, auf scherzhafte Weise Dinge auszusprechen, bevor sie einem im Halse stecken bleiben.<\/p>\n<p>Wir hatten einmal einen Bundespr\u00e4sidenten namens Wulff. Den hatte man aus dem Amt gejagt, weil er Verhaltensweisen zeigte, die man eines Bundespr\u00e4sidenten unw\u00fcrdig erachtete. Seitdem zahlte man ihm 235 000 \u20ac steuerfrei im Jahr (lebensl\u00e4nglich), damit er als Exrepr\u00e4sentant Deutschlands keine dem Status unw\u00fcrdige Arbeit annehmen muss.<!--more--><\/p>\n<p>Ab da k\u00f6nnte man ihn getrost vergessen. Ich auch \u2013 bis ich heute morgen auf die Meldung stie\u00df, dass er jetzt als &#8211; auch wieder Repr\u00e4sentant \u2013 einer t\u00fcrkischen Klamottenkette agiert. Die Katze l\u00e4sst das Mausen nicht, sagt man. Einmal kein Gef\u00fchl f\u00fcr w\u00fcrdiges Verhalten, immer kein&#8230;&#8230;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann er im Modegesch\u00e4ft arbeiten. Heidi Klum tut das auch, aber \u2013 die kriegt nicht 235 000 \u20ac steuerfrei im Jahr zus\u00e4tzlich, dass sie das sein l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Herr Wulff hat ja auch den Islam nach Deutschland gebracht. Geschichtlich gesehen ist das Unsinn. Korrekt w\u00e4re, zu sagen, der Islam ist jetzt in Deutschland, ob er jemals dazu geh\u00f6rt, wird sich weisen.<\/p>\n<p>Ich habe mich vor Jahren ausf\u00fchrlich mit dem Sufismus, dem mystischen Zweig des Islam befasst. Das Buch \u201eIch ging den Weg des Derwisch\u201c von Reshad Feild ist immer noch lesenswert. Wie alle spirituellen Traditionen hat auch der Islam Wertvolles beizutragen. Aber \u2013 das was sich heute als Islam h\u00e4ufig manifestiert, ist nicht der Islam, den ich hier in Deutschland haben m\u00f6chte. Es ist der wahabitisch gepr\u00e4gte aus Saudi Arabien.<\/p>\n<p>Das macht mir Sorgen, und um die zu lindern schreibe ich im Nachfolgenden die Satire, wie Herr Wulff es damals vielleicht gemacht haben mag, den Islam nach Deutschland zu holen. Aus hehren Motiven versteht sich.<\/p>\n<p>Heute, ihr lieben Landsleute drau\u00dfen im Land, will ich euch die Geschichte erz\u00e4hlen, wie der Islam nach Deutschland kam.<\/p>\n<p>Wir werfen jetzt einen Blick durch einen Spalt im Vorhang eines der vielen R\u00e4ume im Schloss Bellevue, dem Sitz des deutschen Bundespr\u00e4sidenten. Der Raum ist in warmes Licht eines etwas gedimmten Kristallkronleuchters getaucht. Die Hausfrau im bequemen Hausanzug kuschelt sich in einen gem\u00fctlichen Sessel und ist in den neuen Rosamunde Pilcher Roman vertieft. Sie ist zufrieden, jetzt am Abend, nach getaner Repr\u00e4senta-tionsarbeit. Diese Besuche in Kinderg\u00e4rten und der Lebenshilfe sind halt schon recht anstrengend.<\/p>\n<p>Nicht so der Hausherr. Unruhigen Schrittes durchmisst er den Raum. Die H\u00e4nde sind hinter dem R\u00fccken gefaltet. In seinem Gesicht arbeitet es immer wieder heftig, so als wenn ihn missliche Gedanken qu\u00e4lten.<\/p>\n<p>\u201eWulfie setz&#8216; dich doch hin. Du machst mich nerv\u00f6s. So wichtig ist dein Job doch gar nicht, als dass du dich auch noch abends damit abqu\u00e4len musst.\u201c (Frau Bettina spielt hier darauf an, dass manche Leute den Bundespr\u00e4sidenten, den h\u00f6chsten Repr\u00e4sentanten unseres Landes despektierlich als Bundesgr\u00fc\u00dfaugust bezeichnen.)<\/p>\n<p>\u201eDu hast leicht reden meine Liebe. Die Leute erwarten etwas von mir. Ich bin jetzt ungef\u00e4hr ein Jahr im Amt und tingle immer noch so durch die Lande. Mal hier &#8217;ne Einweihung, da mal eine Laudatio. Mir w\u00fcrde das ja reichen. Aber da wollen mir welche ans Bein pinkeln und sagen, ich h\u00e4tte kein Profil, ich sei zu glatt und stromlinienf\u00f6rmig.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber Wulfie, lass&#8216; dir doch von ein paar solchen Typen nicht die Laune verderben. Die finden immer was zu meckern. Uns geht\u2019s doch gut.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas stimmt schon, aber ich will auch, dass die Leute sagen, der Wulff hat ein kantiges Profil. Der reiht sich nahtlos ein in die Reihe seiner Vorg\u00e4nger. Du musst ja bedenken, jeder von denen hatte was ganz Eigenes. Der Heuss war der Papa Heuss, der Vater der Nation. Der L\u00fcbke konnte gut Englisch. Wer erinnert sich nicht an sein \u201e Equal goes it loose\u201c anl\u00e4sslich des Besuchs der Queen? Der Scheel war bekannt f\u00fcr seinen gelben Wagen. Der Rau kannte die Bibel auswendig. Der Herzog hielt seine Hauruckrede. Der K\u00f6hler kannte sich gut aus in Afrika. Und der Wulff, was wird man mal vom Wulff sagen?\u201c<\/p>\n<p>Nun wurde auch Frau Bettina nachdenklich. \u201eDu hast recht Wulfie. Wir m\u00fcssen uns was einfallen lassen.\u201c<\/p>\n<p>Beide verfielen in d\u00fcsteres Schweigen. Pl\u00f6tzlich sprang Frau Bettina freudig erregt auf und eilte auf ihren immer noch umherwandernden Mann zu. Sie packte ihn an den H\u00e4nden und rief: ,,Ich hab&#8217;s. Sag doch einfach, der Islam geh\u00f6rt zu Deutschland. Auf so was ist noch keiner gekommen.\u201c<\/p>\n<p>Herr Wulff hielt inne, dachte kurz nach und sagte dann: \u201eDas k\u00f6nnte klappen, das k\u00f6nnte klappen\u201c , und strich Frau Bettina z\u00e4rtlich \u00fcber das blonde Haar.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnte es geschehen sein, liebe Landsleute, denn am n\u00e4chsten Morgen rauschte die Nachricht durch den deutschen Bl\u00e4tterwald. Einer schrieb es vom anderen ab. Ein Raunen ging durch die Redaktionsstuben: \u201eHabt ihr es schon geh\u00f6rt? Der Bundespr\u00e4sident hat den Islam nach Deutschland geholt.\u201c<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gab es wie immer N\u00f6rgler und Miesepeter, die dagegen hielten, dass Karl Martell und Ferdinand und Isabella von Kastilien und Aragon die Mauren aus Europa hinaus warfen. Und zuletzt der wackere polnische K\u00f6nig Jan Sobieski, der am 12.9.1683 das christliche Abendland rettete, als er noch rechtzeitig in Wien eintraf, um die T\u00fcrken zur\u00fcck- zuwerfen, auch deutsche Kaiser, die \u00fcber Jahrhunderte das \u201eHeilige r\u00f6mische Reich deutscher Nation\u201c repr\u00e4sentierten.<\/p>\n<p>Aber diese Schwarzseher wurden bald zum Schweigen gebracht. \u201eEndlich zeigt der Pr\u00e4sident Profil.\u201c<\/p>\n<p>Seitdem freuen sich alle, wenn \u00fcber die fortschrittliche Rolle der Frau im Islam gesprochen wird: \u201eIn Saudi Arabien m\u00fcssen die Frauen nicht mal selbst Auto fahren. Und ich muss jeden Tag die Kinder zum Ballett und zum Fu\u00dfballtraining fahren und einkaufen auch noch. Zum Repr\u00e4sentieren zwingst du mich auch, wenn deine Freunde oder Gesch\u00e4ftspartner kommen. Die Muslimfrauen brauchen da gar nicht erscheinen und d\u00fcrfen in ihren Zimmern bleiben.\u201c Das ging landauf landab durch deutsche Familien.<\/p>\n<p>In den Medien und in den Talkshows wurden die kleinkarierten Kritiker bald zum Schweigen gebracht.<\/p>\n<p>So sehr, ihr Lieben, freute sich das Land, dass der Pr\u00e4sident endlich Profil hatte. Einziger Wermutstropfen. Er ist inzwischen gar nicht mehr in seinem sch\u00f6nen Schloss. Sie haben ihn hinaus geekelt, die Korinthenkacker, die. Dabei hat er an jenem Abend seinem Land ein Geschenk gemacht, an das es noch lange denken wird.<\/p>\n<p>So oder so \u00e4hnlich, liebe Landsleute, k\u00f6nnte es gelaufen sein &#8211; oder auch ganz anders.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Satire ist eine Form der Kommunikation, die es einem erm\u00f6glicht, auf scherzhafte Weise Dinge auszusprechen, bevor sie einem im Halse stecken bleiben. 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