{"id":586,"date":"2017-07-27T13:32:18","date_gmt":"2017-07-27T11:32:18","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=586"},"modified":"2018-05-25T14:09:23","modified_gmt":"2018-05-25T12:09:23","slug":"das-begrenzte-ich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2017\/07\/27\/das-begrenzte-ich\/","title":{"rendered":"Das begrenzte Ich"},"content":{"rendered":"<p>Alle Probleme, denen sich das Individuum ausgesetzt sieht, basieren auf der Annahme, dass es getrennt von allem anderen sei.<\/p>\n<p>Wir f\u00fchlen uns angegriffen, wenn uns einer schief ansieht, wenn Andere Dinge, die uns wertvoll sind, nicht sch\u00e4tzen, wenn Andere anders argumentieren als wir usw.<!--more--><\/p>\n<p>Nach der Yogaphilosophie basiert dieses Verhalten auf einer falschen Grundannahme, n\u00e4mlich, dass wir Objekte, die flie\u00dfend sind als etwas Statisches ansehen. Dazu geh\u00f6rt auch das, was wir als unser Ich oder unseren Charakter bezeichnen. Wenn wir sagen \u201eIch\u201c, gehen wir davon aus, dass das etwas Stabiles, Unwandelbares ist. Dabei \u00fcbersehen wir, dass dieses Ich sich in st\u00e4ndigem Fluss befindet. Wir sind heute eine ganz andere Person als wir gestern waren, geschweige denn vor zwanzig Jahren. Laut Yoga z\u00e4hlt das Ich zur Materie. Und Materie ist in stetem Wandel, wie jeder sieht, wenn er sein neues Auto nach f\u00fcnf Jahren anschaut.<\/p>\n<p>Der wahre Mensch, auf Sanskrit Purusha, ist unwandelbar und von Anbeginn an vollkommen.<\/p>\n<p>Wir bekommen eine Ahnung von diesem Purusha, wenn wir ganz still und konzentriert sind, das hei\u00dft, wenn die Fluktuationen des Denkens zur Ruhe gekommen sind. Jeder hat das schon erfahren. Pl\u00f6tzlich erscheinen uns Konflikte als gegenstandslos, einfach weil wir n\u00e4her an diesen wahren Menschen in uns herangekommen sind.<\/p>\n<p>Ich erinnere hier noch einmal an das bekannte Bild von dem Teich, dessen Oberfl\u00e4che vom Wind bewegt wird. Wenn der Wind aufh\u00f6rt, k\u00f6nnen wir auf den Grund des Teiches schauen. Die kleinen Wellen an der Oberfl\u00e4che sind unsere Gedanken, die in st\u00e4ndiger Bewegung sind. H\u00f6rt das Gedankenrennen auf, sehen wir tiefer.<\/p>\n<p>Daher auch die Definition von Yoga: \u201eYogas citta-vrtti-nirodhah. Yoga ist die Unterdr\u00fcckung der Fluktuationen des Denkens.\u201c<\/p>\n<p>Die Gedanken zum Stillstand bringen, durch Atemtechniken, durch Asanas und durch eine auf der Abwesenheit von Gewalt basierenden Ethik, das ist Yoga.<\/p>\n<p>Auch im Buddhismus finden sich interessante Ans\u00e4tze, die Vereinzelung des Individuums zu durchbrechen. Hier hei\u00dft es, dass kein Ding f\u00fcr sich alleine existiert. Alles ist miteinander verbunden. Eine Rose zum Beispiel ist mit Dingen verbunden, die mit dem Objekt \u201eRose\u201c nichts zu tun haben, als da sind Wasser, Erde, der G\u00e4rtner, D\u00fcnger, die Luft. Dies alles wiederum ist verwoben mit anderem. All das vergeht auch nicht, sondern ver\u00e4ndert lediglich seine Erscheinungsform. In allen spirituellen Disziplinen wird gro\u00dfer Wert auf Achtsamkeit gelegt. Es ist eine st\u00e4ndige \u00dcbung. Deswegen praktiziert der Suchende immer, auch wenn er nicht in Meditation sitzt oder Asanas macht.<\/p>\n<p>Durch Bewusstheit werden die Zusammenh\u00e4nge deutlich. W\u00e4hrend des Essens wird deutlich, dass es ein Gut ist, welches durch viele Faktoren zustande kam. Luft, Wasser, die M\u00fche und Sorgfalt der Erzeuger usw.<\/p>\n<p>Durch diese Betrachtungsweise kann ein Bewusstsein der Verbundenheit mit allem gef\u00f6rdert werden, welches dann auch bei zwischenmenschlichen Konflikten hilfreich sein kann. Wer kennt nicht den Segen der Naturbegegnung, wenn es in den Menschenbeziehungen kriselt?<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle Probleme, denen sich das Individuum ausgesetzt sieht, basieren auf der Annahme, dass es getrennt von allem anderen sei. 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