{"id":547,"date":"2017-07-04T19:22:59","date_gmt":"2017-07-04T17:22:59","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=547"},"modified":"2018-05-25T14:10:12","modified_gmt":"2018-05-25T12:10:12","slug":"lebenskunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2017\/07\/04\/lebenskunst\/","title":{"rendered":"Lebenskunst"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_809\" aria-describedby=\"caption-attachment-809\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-809\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_20171113_152437-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_20171113_152437-300x225.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_20171113_152437-768x576.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_20171113_152437-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-809\" class=\"wp-caption-text\">oznor<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein Yogi lebte im Dschungel einsam und von der Welt abgeschieden. Er widmete sein Leben der Meditation, um zur Erleuchtung zu gelangen. Eines Tages kam ein Wanderheiliger vorbei, einer jener Sadhus, die das weite Indien vom Kap Kanja Kumari bis in den Himalaja durchwandern. Sie wollen heimatlos sein, um Bindungen zu vermeiden. Anhaften an einen Ort, eine Person oder an Dinge bedeutet die Entwicklung von W\u00fcnschen und Forderungen, die wiederum Entt\u00e4uschungen mit sich bringen, woraus sich in der Folge negative Gef\u00fchle entwickeln usw.<!--more--><\/p>\n<p>Sie durchwandern die Welt ohne Besitz und versuchen so dem Anhaften zu entkommen.<\/p>\n<p>Dieser Sadhu nun besa\u00df eine der heiligen Schriften des Yoga. Als er sah, dass die Augen unseres Yogi begehrlich aufleuchteten, schenkte er sie ihm. Hinfort las er jeden Tag darin. Nach einigen Wochen musste er betr\u00fcbt feststellen, dass einige Seiten der Schrift angenagt waren. Er wusste, dass in seiner H\u00f6hle Ratten und M\u00e4use wohnten. Es hatte ihn nie gest\u00f6rt, waren sie doch auch Wesen, die durch die Wanderung durch unz\u00e4hlige Inkarnationen der Erleuchtung entgegen strebten.<\/p>\n<p>Zudem hatte er das gro\u00dfe Gel\u00fcbde abgelegt, nie, unter keinen Umst\u00e4nden Gewalt auszu\u00fcben. Nicht einmal, wenn das eigene Leben gef\u00e4hrdet war. Das Aufstellen einer Mausefalle verbot sich also, aber eine Katze konnte er sich anschaffen. F\u00fcr sie war es ganz nat\u00fcrlich, M\u00e4use und Ratten zu jagen. Die Katze tat auch, wie gew\u00fcnscht, ihre Pflicht. Aber, sie brauchte auch ihr Sch\u00e4lchen Milch und hier war guter Rat teuer. Woher nehmen? Schlie\u00dflich entschied er sich f\u00fcr die Anschaffung einer Kuh. So hatte die Katze ihre t\u00e4gliche Milch. Aber auch die Kuh wollte versorgt sein. Der geneigte Leser ahnt, wohin das Ganze f\u00fchrte. Zum Schluss hatte unser Yogi eine Frau, eine kleine Landwirtschaft und zwei Kinder.<\/p>\n<p>Er kam nur noch selten dazu, in der heiligen Schrift zu lesen.<\/p>\n<p>Was war falsch gelaufen? Es gibt Berichte von extrem bed\u00fcrfnisreduzierten Einsiedlern. Sie lehnten sogar den Besitz eines Lendenschurzes ab und begn\u00fcgten sich mit einer Schnur und einer Winzigkeit an Stoff. Aber \u2013 auch das ist \u00fcberliefert, dass sie eifers\u00fcchtig an diesem geringen Besitz hingen.<\/p>\n<p>Kant sagte einmal sinngem\u00e4\u00df, dass man nur frei sein kann, wenn man seine Pflichten als Freiheit ansehen kann. Es geht nicht darum, sein Pferd zu besteigen, sich eine Lucky anzuz\u00fcnden, in den Sonnenuntergang zu reiten und alles hinter sich zu lassen. Man kann nichts hinter sich lassen. Alles, was in einem an Begehren, Gef\u00fchlen usw. ist, folgt einem, bis es integriert ist.<\/p>\n<p>Mir f\u00e4llt in diesem Zusammenhang der griechische Philosoph Epikur ein. Er wird ja oft als hemmungsloser Hedonist angesehen, der seinen L\u00fcsten freien Lauf lie\u00df. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Wer wirklich genie\u00dfen will, muss Asket sein. Genuss ist ja nicht das hemmungslose sich etwas Einverleiben, sondern das mit allen Sinnen und einem wachen Geist Genie\u00dfen. Wenn jemand in ein Dreisternerestaurant geht, dann tut er das nicht, um sich den Bauch vollzuschlagen, sondern um diese kunstvollen Kleinigkeiten ganz bewusst zu goutieren. Satt werden w\u00fcrde er an jeder Currywurstbude. Die Auswahl treffen k\u00f6nnen, sich f\u00fcr etwas unter Vielem entscheiden k\u00f6nnen, das ist die Kunst. Dabei muss man seine Begierden kontrollieren k\u00f6nnen, denn wenn man am Anfang des Men\u00fcs zu viel von dem leckeren Brot gegessen hat, ist der Bauch voll. Dasselbe ist es mit dem edlen Wein. Nur im Ma\u00df liegt die Lebenskunst.<\/p>\n<p>Man lausche diesem Wort! Leben als Kunst. Ich finde es gut, sich jeden Tag als ein Kunstwerk vorzustellen. Abends, wenn man dann Muse hat, kann man r\u00fcckblickend feststellen, inwieweit das gelungen ist. Ein bisschen K\u00f6rperliches, ein bisschen Geistiges und ein bisschen was f\u00fcr die Seele sollte dabei gewesen sein. Wobei es da keine klare Trennung gibt.<\/p>\n<p>Ich denke hier immer an mein Lieblingsbuch \u201eLost Horizon\u201c von James Hilton. Es ist die Geschichte von Shangri La, dem Tal der ewigen Jugend. Die M\u00f6nche in dem Kloster dort haben unendlich viel Zeit. Sie k\u00f6nnen sich alten Schriften widmen. Sie haben Zeit, aus winzigen kleinen Tassen feinen Tee zu trinken. Es gibt keine Hast.<\/p>\n<p>Man kann sich der Hast entziehen. Nur zehn Minuten in einer meditativen Haltung ver\u00e4ndern die Wahrnehmung und die Welt ist entschleunigt.<\/p>\n<p>Ich bin misstrauisch, was radikales Verhalten anbelangt: \u201eIch esse jetzt dies und das nicht mehr. Da bin ich unerbittlich mit mir.\u201c Ich sehe da immer die typischen Reformhauskunden vor mir, die meiner Beobachtung nach h\u00e4ufig etwas zerknittert und eingeschr\u00e4nkt wirken.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist Lebenskunst die Kunst, die Mitte zu finden. Das gelingt manchmal gut, manchmal weniger gut. Aber morgen ist ja ein neuer Tag. F\u00fcr ein neues Kunstwerk.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Yogi lebte im Dschungel einsam und von der Welt abgeschieden. Er widmete sein Leben der Meditation, um zur Erleuchtung zu gelangen. Eines Tages kam ein Wanderheiliger vorbei, einer jener Sadhus, die das weite Indien vom Kap Kanja Kumari bis in den Himalaja durchwandern. Sie wollen heimatlos sein, um Bindungen zu vermeiden. 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