{"id":494,"date":"2017-06-10T18:15:11","date_gmt":"2017-06-10T16:15:11","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=494"},"modified":"2018-05-25T14:10:39","modified_gmt":"2018-05-25T12:10:39","slug":"handeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2017\/06\/10\/handeln\/","title":{"rendered":"Handeln"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_794\" aria-describedby=\"caption-attachment-794\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-794\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/IMG_20171112_081918-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-794\" class=\"wp-caption-text\">cof<\/figcaption><\/figure>\n<p>K\u00fcrzlich erreichte mich ein Kommentar zu dem Artikel \u201e\u00c4rger oder der Sinn des Lebens\u201c. Den Leser besch\u00e4ftigte die Frage, wie es m\u00f6glich sei, wertfrei zu handeln wenn Gewalt im Spiel ist.<\/p>\n<p>Diese Fragestellung ist in der Tat grunds\u00e4tzlich und universal. Bezeichnend war schon, dass sie im Fragenkatalog f\u00fcr Kriegsdienstverweigerer gerne aufgeworfen wurde: \u201eDa Sie doch gegen Gewalt sind, was machen Sie, wenn Ihre Freundin vergewaltigt wird und Sie sie nur durch Gewaltanwendung sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Wollen Sie das zulassen?\u201c Die Aufz\u00e4hlung dieser Konfliktsituationen lie\u00dfe sich beliebig erweitern.<br \/>\n<!--more-->Man kann diesen Konflikt nur auf philosophischer Ebene angehen.<\/p>\n<p>Yoga hat daf\u00fcr eine Antwort.<\/p>\n<p>\u201eKarma Yoga ist der Yoga des rechten Handelns.<\/p>\n<p>&#8222;Ich m\u00f6chte dir dazu eine Geschichte erz\u00e4hlen. Vor circa zweitausendf\u00fcnfhundert Jahren wurde das Mahabharata geschrieben. Als sein Verfasser gilt ein Weiser namens Vyasa. Ein Teil dieses Epos ist die Bhagavad &#8211; Gita, das Lied Gottes. Ihr Inhalt ist ein Dialog Krishnas, einer Inkarnation Vishnus mit dem Held Arjuna. Damit hat es folgende Bewandtnis. Vor langer Zeit regierten im alten Indien zwei Br\u00fcder ein K\u00f6nigreich. Der eine hie\u00df Dhrtarastra, der andere hie\u00df Pandu. Da Pandu fr\u00fch starb, \u00fcbernahm Dhrtarastra die Erziehung von dessen f\u00fcnf S\u00f6hnen. Das K\u00f6nigreich wurde geteilt und Dhrtarastras S\u00f6hne, die Kauravas regierten den gr\u00f6\u00dferen Teil des Reiches und Pandus S\u00f6hne, die Pandavas bekamen den kleineren Teil. Trotzdem waren die Kauravas auf die Dauer\u00a0 damit nicht zufrieden. Sie beschlossen, die Pandavabr\u00fcder zu einem W\u00fcrfelspiel einzuladen. Sie wussten, dass diese die Einladung annehmen mussten, da es als ehrenr\u00fchrig galt, abzulehnen. Die Eins\u00e4tze waren nichts weniger als die beiden K\u00f6nigreiche. Yudishthira, der \u00e4lteste der Pandavas verlor, da die W\u00fcrfel pr\u00e4pariert waren und so mussten die Br\u00fcder und ihre Frauen f\u00fcr dreizehn Jahre\u00a0 in die W\u00e4lder ziehen. Nachdem diese Zeit abgelaufen war, forderten sie ihr K\u00f6nigreich wieder zur\u00fcck. Sie waren sogar bereit, sich mit nur f\u00fcnf D\u00f6rfern zu begn\u00fcgen, aber selbst das wurde ihnen von Duryodhana, dem K\u00f6nig der Kauravas, verwehrt. Friedensangebote f\u00fchrten zu keinem Ergebnis. Selbst als Krishna um Frieden bat, wurde dies von dem arroganten Duryodana abgelehnt.<br \/>\nUm verstehen zu k\u00f6nnen, um was es hier geht, brauchst du einige Informationen \u00fcber die Person von Krishna. Nach dem Verst\u00e4ndnis der Hindus inkarniert sich Vishnu, der Teilaspekt Gottes, der das erhaltende Moment repr\u00e4sentiert von Zeit zu Zeit, n\u00e4mlich dann, wenn das \u00dcbel auf der Erde \u00fcberhand zu nehmen droht. Bei Krishna nun handelt es sich um solch eine Inkarnation Vishnus. Er kam auf die Erde, weil m\u00e4chtige Herrscherdynastien ihre Macht missbrauchten. \u00c4hnlich wie Jesus in der Familie eines Zimmermanns aufwuchs, war auch Krishna in die Welt der Menschen integriert. Uns interessiert hier aber nur, dass er Cousin der Pandavas war. Als solcher stand er auf ihrer Seite.<br \/>\nNachdem ein Krieg nun also unvermeidlich war, sammelten sich die zwei Heere auf dem Schlachtfeld von Kurukshetra. Krishna war der Fahrer des Streitwagens von Arjuna, dem f\u00e4higsten K\u00e4mpfer und damit auch Heerf\u00fchrer der Pandavabr\u00fcder. Es muss ein gewaltiges Bild gewesen sein, als sich die beiden Heere mit tausenden von Elefanten und Streitwagen gegen\u00fcberstanden. Es war damals noch nicht \u00fcblich, den Krieg \u00fcberfallartig zu beginnen. Zwischen den Heerf\u00fchrern wurden genaue Regeln vereinbart. So durften nur Gleichausger\u00fcstete gegeneinander k\u00e4mpfen. Bei Sonnenuntergang wurde die Schlacht bis zum n\u00e4chsten Morgen unterbrochen. Um sich einen \u00dcberblick zu verschaffen, bat Arjuna Krishna, ihn in das Niemandsland zwischen den beiden Heeren zu fahren. Und damit kommen wir zum Kern des Geschehens.<br \/>\nAls Arjuna n\u00e4mlich die gegnerischen Reihen musterte, sah er viele Freunde aus seiner Kindheit und Jugend. Er sah nahe Verwandte. Er sah seinen verehrten Lehrer, der ihm die Waffentechniken beigebracht hatte. Als er dies alles wahrnahm, beherrschte ihn nur noch ein Gef\u00fchl, n\u00e4mlich dass es ihm unm\u00f6glich war, gegen diese ihm nahestehenden Menschen zu k\u00e4mpfen und sie wom\u00f6glich zu t\u00f6ten. Es \u00fcberkam ihn eine Schw\u00e4che und er wollte nur noch eines, weg. Er war bereit, auf den Sieg und die K\u00f6nigsw\u00fcrde zu verzichten.<br \/>\nWir m\u00fcssen uns die Situation in ihrer ganzen Dramatik vor Augen f\u00fchren. Arjuna geh\u00f6rte der Kriegerkaste an. Vergleichbar unseren Rittern, geh\u00f6rte es zu den Aufgaben der Ksatrias (Krieger), f\u00fcr Recht und Sicherheit zu sorgen, die Schwachen zu besch\u00fctzen und die Staatsstruktur zu erhalten. In eine Kaste wird man kraft Karma hineingeboren. Es war damals v\u00f6llig undenkbar, in eine andere Position zu wechseln. F\u00fcr einen Krieger war\u00a0 auch das T\u00f6ten nichts Ehrenr\u00fchriges. Es geh\u00f6rte zu seiner Stellung, wie zu einem Brahmanen das Zelebrieren eines Opferritus.\u00a0 Hinzu kommt seine Position. Er war F\u00fchrer \u00fcber Zehntausende von Kriegern. Zudem waren zur Unterst\u00fctzung der Br\u00fcder befreundete K\u00f6nige mit ihren Truppen herbeigeeilt und hatten sich unter seinen Befehl gestellt. Sie alle standen in gespannter Erwartung, als ihr F\u00fchrer nun vor die Linie fuhr. Auch die gegnerische Armee richtete ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihn, denn es war ja f\u00fcr sie wichtig, seine Entscheidungen vorauszuahnen.<br \/>\nWir haben hier eine bewusst extrem gew\u00e4hlte Situation, in der ein Mensch mit widerspr\u00fcchlichen Gef\u00fchlen unter einem ungeheueren Druck steht. Arjuna sieht f\u00fcr sich nur die M\u00f6glichkeit, sich vollkommen aus allen Verpflichtungen zur\u00fcckzuziehen. Die Folgen w\u00e4ren Unverst\u00e4ndnis und Verwirrung von unabsehbarem Ausma\u00df. Die Verb\u00fcndeten k\u00f6nnten mit Unverst\u00e4ndnis und Ver\u00e4rgerung reagieren und eventuell zum Feind \u00fcberlaufen. Die Strukturen des ganzen Staates k\u00f6nnten zusammenbrechen.\u00a0 Bis in die Neuzeit hinein waren die K\u00f6nige ja \u00fcberzeugt, von Gott eingesetzt zu sein. Das hei\u00dft, dass die Gesellschaft hierarchisch strukturiert war. Wenn also der oberste Repr\u00e4sentant seinen Posten verl\u00e4sst, was sollte seine Untertanen hindern, ein gleiches zu tun? Wir haben erst in den letzten Jahren in Somalia und Ruanda\u00a0 selbst erlebt, was es bedeutet, wenn alle staatlichen Strukturen zusammenbrechen, n\u00e4mlich Chaos und tausendfachen Tod. Kein Mensch kann ohne negative Folgen seine Aufgaben negieren.<br \/>\nWir kommen hier zur Kernproblematik, mit der sich die Bhagavad &#8211; Gita befasst: Wie k\u00f6nnen wir Menschen, ohne zu verzweifeln oder innerlich zu resignieren unser Leben mit all seinen widerspr\u00fcchlichen Anforderungen bew\u00e4ltigen? Vielleicht fragst du dich, warum eine spirituelle Botschaft in einem so martialischen Rahmen verpackt ist? Weil dargelegt werden soll, dass es f\u00fcr uns L\u00f6sungen gibt, auch wenn es um Leben und Tod, das hei\u00dft um die Existenz an sich geht. Vor diesem Hintergrund erscheinen alle anderen Probleme zweitrangig. So enth\u00e4lt die Bhagavad &#8211; Gita auch einen Aspekt der Hoffnung, der f\u00fcr uns ja so wichtig ist.\u201c (Das Yogalehrbuch, Gerhard Pflug, Schirner Verlag 2004, S. 106-108)<br \/>\nIm Kapitel 2, Vers 38 der Bhagavad Gita\u00a0 spricht Krishna zu Arjuna: \u201e Wenn f\u00fcr dich Freude und Leid, Gewinn und Verlust, Sieg oder Niederlage als gleich gilt, dann gehe in die Schlacht, um der Schlacht willen und du wirst keine S\u00fcnde begehen.\u201c &#8230;.denn die Seele kann nicht sterben, sondern sie geht von einem K\u00f6rper in den anderen, gleichsam als w\u00fcrden Kleider gewechselt. &#8220;<\/p>\n<p>\u201eDamit wir uns nicht missverstehen, dies ist kein Freibrief zum T\u00f6ten. Arjuna ist Krieger und Heerf\u00fchrer, also ist es sein Dharma zu k\u00e4mpfen und damit auch zu t\u00f6ten. Aber selbst er w\u00fcrde schuldig werden, wenn er aus egoistischen Motiven heraus handeln w\u00fcrde.\u201c (ebd. S.111 )<\/p>\n<p>Die zentrale Fragestellung ist, aus welcher inneren Haltung heraus Handeln geschieht. Es ist eine gro\u00dfer Unterschied, ob es aus einem Gef\u00fchlswirrwarr aus Wut, Angst und Hass passiert oder aus innerer Klarheit und Einsicht bez\u00fcglich seiner Pflichten und im Einklang mit der universellen Ethik. Kein Mensch w\u00fcrde verlangen, dass ein Vater sein Kind nicht unter allen Umst\u00e4nden sch\u00fctzt. Ja, er w\u00fcrde sich einer Pflichtverletzung in seiner Rolle als Eltern schuldig machen, wenn er es nicht t\u00e4te , auch unter Einsatz von Gewalt.<br \/>\nYoga in all seinen Aspekten ist ein Training, innere Ruhe zu erlangen und aus dieser heraus zu handeln.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich erreichte mich ein Kommentar zu dem Artikel \u201e\u00c4rger oder der Sinn des Lebens\u201c. Den Leser besch\u00e4ftigte die Frage, wie es m\u00f6glich sei, wertfrei zu handeln wenn Gewalt im Spiel ist. 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