{"id":46,"date":"2010-04-25T19:18:52","date_gmt":"2010-04-25T17:18:52","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=46"},"modified":"2018-05-25T14:14:17","modified_gmt":"2018-05-25T12:14:17","slug":"virtuelles-wasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2010\/04\/25\/virtuelles-wasser\/","title":{"rendered":"Virtuelles Wasser"},"content":{"rendered":"<p>Ich war die letzten Jahrzehnte ein gro\u00dfer Wassersparer weil mir klar war, dass sauberes Wasser nicht beliebig ersetzbar ist. Mit meinen Sch\u00fclerinnen, die sp\u00e4ter Erzieherinnen sein sollten, f\u00fchrte ich Versuche durch, indem wir Schmutzwasser durch einen selbstgebauten Filter mit Sand, Kieseln und Kohle leiteten. So konnte man sehen, wie aufw\u00e4ndig Wassergewinnung ist.<br \/>\nBeim Duschen, so lehrte ich es meine Kinder, macht man sich nass, schaltet das Wasser ab, seift sich ein und schaltet das Wasser wieder ein, um sich abzusp\u00fclen. Zudem habe ich festgestellt, dass Duschlotion wesentlich mehr Wasser zum runtersp\u00fclen erfordert als Seife. Also nehme ich in der Regel Seife. H\u00e4ndewaschen geht auch mit kaltem Wasser. H\u00e4nde sind sowieso immer drau\u00dfen, die sind abgeh\u00e4rtet. Auch da gilt das selbe Verhalten wie beim Duschen.<!--more--><br \/>\nMan sollte sich auch \u00fcberlegen, ob man wirklich hei\u00dfes Wasser braucht, denn wenn man gedankenlos den Warmwasserhahn aufdreht, dann l\u00e4uft in den Boiler kaltes Wasser zu und setzt die Warmwassertemperatur herab. Die Folge ist, dass sich der Brenner \u00f6fters einschalten muss, um die Temperatur zu halten, was zu erh\u00f6htem \u00d6lverbrauch f\u00fchrt.<br \/>\nDass ich f\u00fcr die Blumen und B\u00fcsche im Hof Regenwasser verwende ist sowieso selbstverst\u00e4ndlich.<br \/>\nSo war ich sicher, meinen Beitrag zum sparsamen Verbrauch der begrenzten Ressource Wasser zu leisten. Seit kurzem allerdings gibt es den Begriff &#8222;virtuelles Wasser&#8220;. Dabei handelt es sich um folgendes: Jedes Produkt, sei es jetzt aus dem Food &#8211; oder Nonfoodbereich braucht zu seiner Herstellung Wasser, Baumwollhemden zum Beispiel. Baumwolle muss angebaut werden, dann erfordert der ganze Prozess ihrer Manufaktur eine nicht unerhebliche Menge an Wasser. Somit, und darauf l\u00e4uft es hinaus, trage ich eine Mitverantwortung f\u00fcr den Wasserverbrauch in Usbekistan weil ich Baumwollhemden trage. Ich kann hinschauen wo ich will. Seien es jetzt Schuhe, gerben ist ja wie jeder wei\u00df, sehr Wasserintensiv, oder Papierherstellung, oder Farbenherstellung. Es ist immer dasselbe. Dies betrifft nat\u00fcrlich auch den Gem\u00fcseanbau oder Obstkulturen. Ganz schlimm ist es f\u00fcr Fleischesser. Denn ein Steak, so wurde k\u00fcrzlich in einem Bericht auf Arte gezeigt, erfordert 40 000 l Wasser, denn so ein Rind braucht viel zu trinken und die Herstellung seiner Getreide &#8211; und Sojanahrung ist auch sehr Wasserintensiv.<\/p>\n<p>Was mache ich nun? Mustere ich nun die Schuhe aus f\u00fcr die Zukunft? Oder flechte ich mir meine Oberbekleidung aus gesammelten Gr\u00e4sern anstatt der Woll &#8211; und Baumwollkleidung?<br \/>\nAls Yogatreibender ist es selbstverst\u00e4ndlich, dass man bewusst mit seinen Bed\u00fcrfnissen umgeht. Wenn ich meine Garderobe zusammen habe, dann kaufe ich nichts, weil ich es nicht brauche. Die Einrichtung in unserem Haus ist gem\u00fctlich obwohl sie Jahrzehnte alt ist, aber wir d\u00e4chten im Traum nicht daran, was Neues zu kaufen, blo\u00df weil es modern ist oder gar &#8222;in&#8220;.<br \/>\nDas sind Dinge, die ich steuern kann, f\u00fcr die ich Verantwortung \u00fcbernehmen kann. Wie aber soll ich Verantwortung f\u00fcr virtuelles Wasser \u00fcbernehmen? Einmal sehe ich keine M\u00f6glichkeit, auf Kleidung, Schuhe, Lebensmittel usw. zu verzichten, andererseits w\u00fcrde ein Boykott so und so viele Existenzen in Gefahr bringen.<\/p>\n<p>Meiner Meinung nach wird hier einmal mehr versucht, dem B\u00fcrger Verantwortung aufzub\u00fcrden, die er nicht tragen kann, weil ihm die Einflussm\u00f6glichkeiten fehlen. Wie schon gesagt, verantwortungsvoller Umgang mit Bed\u00fcrfnissen ist vorausgesetzt.<\/p>\n<p>Jeder Mensch hat eine bestimmte Verantwortungskapazit\u00e4t. Manche mehr, manche weniger. Das muss jeder f\u00fcr sich herausfinden und ist dann auch eine Frage der eigenen Entscheidung und nicht etwas, was von au\u00dfen aufgezwungen werden sollte, sonst besteht die Gefahr, dass man gleichg\u00fcltig oder auch \u00e4rgerlich wird. &#8222;Was denn noch alles?&#8220; Von den Eisb\u00e4ren bis zu den Erdbebenopfern in Peru oder Chile, alles wird an uns herangetragen. Das schafft die Psyche nicht und sch\u00fctzt sich durch Abblocken oder Gleichg\u00fcltigkeit.<\/p>\n<p>Vor zwei Jahren hat man den ehemaligen Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin heftig angegriffen, weil er Harz IV Empf\u00e4ngern empfohlen hat, einen warmen Pullover anzuziehen, anstatt die Heizung hoch zu drehen. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und w\u00fcrde diese Vorgehensweise uns allen empfehlen. Bei uns gibt es seit Jahrzehnten die &#8222;Pulloverzeit&#8220;. Das ist so um den Oktober und dann wieder im April herum, wenn es noch oder schon wieder warm ist, sodass es sich nicht lohnt, den ganzen Tag zu heizen.<br \/>\nWo aber geht die Tendenz hin? Es soll genau so weitergemacht werden wie bisher. Das hei\u00dft, es besteht der Anspruch, dass man sich ganzj\u00e4hrig im Unterhemd in einem komplett geheizten Haus aufhalten kann. Dazu wird vorgeschlagen, neue Fenster einzubauen, das ganze Haus komplett zu isolieren, eine W\u00e4rmepumpe zu installieren und das Dach mit einer Photovoltaikanlage zu versehen. Das Ganze w\u00fcrde rund 140 000 \u20ac kosten. Um das zu finanzieren, muss man einen Kredit aufnehmen und sich auf Jahre verschulden. In 20 Jahren hat es sich dann amortisiert, wie man so sch\u00f6n sagt.<br \/>\nDabei vergisst man, dass auch diese Bauma\u00dfnahmen einen ungeheueren Verbrauch an Ressourcen bedeuten, wenn ich nur an die Mengen an Isoliermaterial denke.<br \/>\nIch denke, dass es f\u00fcr die Entwicklung der eigenen Pers\u00f6nlichkeit und f\u00fcr die Schonung der Umwelt sinnvoller w\u00e4re, sich zu beschr\u00e4nken und seine Bed\u00fcrfnisse zu reflektieren, als einen Standart aufrecht erhalten zu wollen, der letztlich doch in immer gr\u00f6\u00dferem Verbrauch endet. Das w\u00e4re auch im Yogasinn und f\u00fcr unseren Planeten zutr\u00e4glicher.<\/p>\n<p>G.Pflug<br \/>\nApril 2010<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich war die letzten Jahrzehnte ein gro\u00dfer Wassersparer weil mir klar war, dass sauberes Wasser nicht beliebig ersetzbar ist. 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