{"id":4514,"date":"2026-07-10T15:31:17","date_gmt":"2026-07-10T13:31:17","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=4514"},"modified":"2026-07-10T15:31:17","modified_gmt":"2026-07-10T13:31:17","slug":"last-orders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2026\/07\/10\/last-orders\/","title":{"rendered":"Last Orders"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4516\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG_20190406_111356-225x300.jpg\" alt=\"IMG 20190406\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG_20190406_111356-225x300.jpg 225w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG_20190406_111356-768x1024.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG_20190406_111356-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG_20190406_111356-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/IMG_20190406_111356-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/>Manche Erlebnisse, liegen sie auch schon Jahrzehnte zur\u00fcck, vergisst man nie.<\/p>\n<p>Es war an einem Novemberabend 1977 und ich sa\u00df mit Astrid und J\u00fcrgen, zwei Freunden, die in England lebten, im \u201eGeorge\u201c, dem Dorfpub von Charmouth an der S\u00fcdk\u00fcste von Dorset.<\/p>\n<p>Jeder hatte ein Pint of Bitter vor sich. In der Kneipe ging es hoch her und der Wirt kam mit dem Zapfen kaum hinterher.<\/p>\n<p>Damals herrschte noch der begrenzte Bierausschank in England, und um 22.50 Uhr wurde die Messingglocke hinter der Theke gel\u00e4utet, verbunden mit dem Ausruf: \u201eLast orders, please!\u201c<\/p>\n<p>Immer wenn sich der Mensch gedr\u00e4ngt oder eingeschr\u00e4nkt f\u00fchlt, wird er panisch oder widerborstig. So auch hier. Kaum war die Ansage heraus, st\u00fcrmten alle an die Bar, um sich noch ein Pint zu sichern, selbst wenn man ein fast volles Glas vor sich stehen hatte. Denn, welch schreckliche Vorstellung, wenn das ausgetrunken war, sa\u00df man auf dem Trockenen.<!--more--><\/p>\n<p>So hatten wir also unsere zwei Gl\u00e4ser vor uns und ich meinte zu den Freunden: \u201eDa muss ich morgen wieder Yoga machen, dass es kracht.\u201c<\/p>\n<p>Will hei\u00dfen, dass ich glaubte, die \u201eS\u00fcnden\u201c dieses Abends abb\u00fc\u00dfen zu m\u00fcssen. J\u00fcrgen, ein Anh\u00e4nger der nondirektiven Psychotherapiemethode nach Carl Rogers, l\u00e4chelte mich an und fragte, was ich mir da antun wolle und warum? Dieser Zwang bringe doch gerade das Gegenteil.<\/p>\n<p>Damals stand ich noch ganz am Anfang meiner Suche und hatte von Yoga wenig Ahnung. Ich hatte mir das Buch \u201eLight on Yoga\u201c von B. K. S. Iyengar gekauft und zwang mich zu den \u00dcbungen, die darin beschrieben waren. Iyengar, so wurde erz\u00e4hlt, w\u00fcrde Stricke gebrauchen, um seine Sch\u00fcler in die entsprechenden Asanas zu zwingen.<\/p>\n<p>F\u00fcr autorit\u00e4r erzogene Menschen, und das waren wir damals fast alle, verst\u00e4rkte diese rigide Haltung noch das, was wir eigentlich los werden wollten. Hatten wir doch in der Gammler-und Hippiezeit ganz andere Werte kennengelernt. Love and Peace und Flowbewusstsein, das war jetzt angesagt.<\/p>\n<p>Disziplin ist eine sehr zweischneidige Sache. Man kann sich so richtig \u201edie Keule geben\u201c. H\u00e4rte gegen sich ergibt immer H\u00e4rte nach au\u00dfen. Andererseits kann man auch nichts Neues lernen ohne Disziplin.<\/p>\n<p>Einige Jahre sp\u00e4ter, es war auf einer n\u00e4chtlichen Zugfahrt III. Klasse von Mysore nach Goa, las ich ein kleines B\u00fcchlein von Jiddu Krishnamurti, das mich tief beeindruckte. Seine Kernbotschaft lautete: \u201eJust be aware what is!\u201c \u201eWerte nicht, beurteile nicht\u201c. \u201eSieh den Baum an, vergleiche ihn nicht mit anderen B\u00e4umen. Jeder Vergleich ist eine Diskriminierung\u201c.<\/p>\n<p>\u201eVersuche nicht, Erfolg zu haben. Erfolg schafft Unfreiheit!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Freiheit von Konditionierung ist kein direktes Resultat. [&#8230;] Wenn ich aktiv versuche, mich von meiner Konditionierung zu befreien, dann bringt dieses Verlangen wiederum seine eigene Konditionierung hervor. Ich zerst\u00f6re vielleicht eine Form der Konditionierung, aber verfange mich dabei in einer anderen. Durchschaue ich hingegen das Verlangen an sich, was auch den Wunsch, frei zu sein, einschlie\u00dft, dann l\u00f6st eben dieses Verstehen jegliche Konditionierung auf. Die Freiheit von der Konditionierung ist ein Nebeneffekt. Sie ist nicht wichtig. Wichtig ist zu verstehen, wie und wodurch Konditionierung entsteht.\u201c<\/p>\n<p>Collected Works of J. Krishnamurti, Band XIII, S. 326<\/p>\n<p>Sie merken vielleicht, dass es sich im Grunde um die Quadratur des Kreises handelt. Wahrnehmen, ohne zu werten, setzt ein hohes Ma\u00df an Bewusstheit und Konzentrationsf\u00e4higkeit voraus. Um das, wenigstens ansatzweise, zu lernen, muss man \u00fcben, z.B. durch Asanas und Pranayamas und das, was in den Yamas und Nyamas steht. Dazu geh\u00f6rt eine gewisse Regelm\u00e4\u00dfigkeit \u2013 und da w\u00e4ren wir wieder bei der Disziplin, die uns auch \u201eeinsperren\u201c kann.<\/p>\n<p>Heute, nach fast f\u00fcnfzig Jahren, bin ich zu folgendem Schluss gekommen:<\/p>\n<p>Es bedarf eines Zieles, gewisserma\u00dfen eines Leuchtturms, dessen Licht uns den Weg weist.<\/p>\n<p>\u201eWas will ich im Leben erreichen?\u201c, w\u00e4re eine wichtige Fragestellung. \u201eWill ich weise werden, will ich m\u00f6glichst viel Spa\u00df haben oder m\u00f6chte ich reich werden?\u201c<\/p>\n<p>Wenn die Antwort lautet: \u201eIch m\u00f6chte das Sein in seiner Totalit\u00e4t verstehen und durchdringen\u201c, dann ist es zweitrangig, wie viele Schleifen man im Leben zieht, wie oft man \u201eauf die Fresse f\u00e4llt\u201c. Das Ziel ist pr\u00e4sent. Auch der Widerspruch zwischen Disziplin und \u201eLet go\u201c l\u00f6st sich auf, denn der Mensch ist bereit, gewaltige Anstrengungen zu unternehmen, um ein Ziel zu erreichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Schluss ein Beispiel f\u00fcr das, was ich meine. Ich habe es schon \u00f6fter erw\u00e4hnt. Manchmal werde ich gefragt, \u201eob ich heute schon Yoga gemacht habe\u201c. Ich sage dann immer, dass ich 24 Stunden \u201eYoga mache\u201c. Dabei mache ich fast nie irgendeine K\u00f6rper\u00fcbung. Am Anfang des Weges aber m\u00fcssen alle Bereiche einge\u00fcbt werden, denn \u2013 es ist wie in der Musik, ohne geduldiges \u00dcben kann man nicht spielerisch improvisieren.<\/p>\n<p>Sadhana ist ein Lebensweg, bei dem Zeit keine Rolle spielt. Der Leuchtturm muss nur immer wieder aus dem Nebel aufleuchten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manche Erlebnisse, liegen sie auch schon Jahrzehnte zur\u00fcck, vergisst man nie. Es war an einem Novemberabend 1977 und ich sa\u00df mit Astrid und J\u00fcrgen, zwei Freunden, die in England lebten, im \u201eGeorge\u201c, dem Dorfpub von Charmouth an der S\u00fcdk\u00fcste von Dorset. Jeder hatte ein Pint of Bitter vor sich. 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