{"id":4437,"date":"2026-05-07T06:57:58","date_gmt":"2026-05-07T04:57:58","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=4437"},"modified":"2026-05-07T07:04:21","modified_gmt":"2026-05-07T05:04:21","slug":"wie-man-das-universum-erklaert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2026\/05\/07\/wie-man-das-universum-erklaert\/","title":{"rendered":"Wie man das Universum erkl\u00e4rt"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3632\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/IMG_20240727_140646-225x300.jpg\" alt=\"Img 20240727 140646\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/IMG_20240727_140646-225x300.jpg 225w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/IMG_20240727_140646-768x1024.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/IMG_20240727_140646-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/IMG_20240727_140646-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/IMG_20240727_140646-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/>Es ist immer wieder faszinierend, sich die verschiedenen Bilder und Gedanken anzusehen, die der Mensch sich ersinnt, um das, eigentlich f\u00fcr ihn Unfassbare, zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Wie auch immer es sein mag, keiner kann sagen, was stimmt. Aber die Besch\u00e4ftigung damit f\u00fchrt unser Denken auf eine h\u00f6here Ebene. Wir nennen es Swadhyaya.<\/p>\n<p>Wenn wir das ein paar Jahrzehnte machen, hinterl\u00e4sst es Spuren.<\/p>\n<p>Lesen Sie im Folgenden einen Auszug aus meinem 2011 erschienen Buch \u201eJenseits von Benares\u201c.<!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr mich stand immer die zugrundeliegende Philosophie an erster Stelle. Ich wollte das System verstehen. Mich faszinierten die verschiedenen Sichtweisen. Da gab es die dem Yoga zugrundeliegende Samkhya Philosophie in der es keinen Gott gab.<\/p>\n<p>Das Erreichen der Erkenntnis lag allein beim Aspiranten, der sich allein und unabh\u00e4ngig von allem durch die Weiten des geistigen Raumes meditierte.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite das Vedanta System. Hier wurde gesagt, das Gott in jedem Materienpartikel vorhanden ist. Geist und Materie vereint, Advaita \u2013 Nichtzweiheit.<\/p>\n<p>Im Samkhya war die materielle Welt strikt vom Geist getrennt. Hier hie\u00df es, die materielle Welt biete die Erfahrungen, die zum Erkennen des Geistes f\u00fchren sollte.<\/p>\n<p>Im Vedanta gab es wiederum dieses faszinierende Bild von Maya, die Illusion der materiellen Welt, hinter der sich Gott verbirgt und hinter die nur der ernsthafte Sucher blicken darf. Die anderen verlieren sich immer wieder hoffnungslos in der immer wechselnden Fata Morgana Gottes.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich war f\u00fcr mich klar, dass ich zur ersteren Gruppe geh\u00f6ren w\u00fcrde. Wenn ich \u00fcber den Rand des Hindukosmos hinausschaute, dann gab es eine unendliche Anzahl von Anschauungen.<\/p>\n<p>Wie passte jetzt das was die Buddhisten sagten dazu? Hier gab es keine Seele, keinen Geist, der sich bei neuen Inkarnationen mit neuer materieller Form verband. Das Feuer des Karmas brannte einfach solange, wie es Brennstoff aufgrund von Anhaftung fand und verlosch dann einfach. Das bedeutet Nirvana. Es ist einfach ein Aufh\u00f6ren der Existenz. Dieser Gedanke war mir nicht sympathisch. Da str\u00e4ubte sich wohl etwas zutiefst menschliches, das sich einfach nicht mit dem Erl\u00f6schen abfinden wollte. Da war das Bild vom christlichen Himmel schon herzerw\u00e4rmender. Oder auch die Verhei\u00dfung des Vedanta, das die Individualseele, der Atman in die Universalseele, den Paramatman eingeht. Wobei man korrekterweise sagen muss, dass beide identisch sind. Atman isst die Fr\u00fcchte (Karma). Paramatman beobachtet nur, was sein Freund tut. Ein sehr sch\u00f6nes Bild, das ich bei Wickipedia fand.<\/p>\n<p>Wie so mancher andere Anf\u00e4nger dr\u00e4ngte es auch mich damals zu klaren Entscheidungen. Da kann man f\u00fcr etwas einstehen. Da kann man Stellung beziehen. Mich zog es zum Samkhya. Yoga als praktisches System gr\u00fcndete sich sowieso darauf.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1972\" aria-describedby=\"caption-attachment-1972\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1972\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/PICT3040-225x300.jpg\" alt=\"Digital StillCamera\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/PICT3040-225x300.jpg 225w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/PICT3040-768x1024.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/PICT3040-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/PICT3040-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/PICT3040.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1972\" class=\"wp-caption-text\">Digital StillCamera<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ich sah mich in der Tradition der Kanphata Yogis des mystischen Gorakshanath. Aschebeschmierte Gesellen, die in kleinen Gruppen, Ganja rauchend durchs heilige Indien zogen. Ihr Gott ist Shiva, Asket, Liebhaber, T\u00e4nzer und Zerst\u00f6rer. Er ist wild und unberechenbar. Mal sitzt er Tausende von Jahren in tiefer Meditation auf dem Berg Kailash, dann wieder rei\u00dft er als Rudra der Zerst\u00f6rer alles nieder.<\/p>\n<p>Einst legte er seiner Gattin Parvati die Veden aus. Wie es M\u00e4nnern so manchmal passiert, geriet er ins dozieren und Parvati entschlummerte sanft zu seinen F\u00fc\u00dfen (wo sonst?). \u201eDie Veden sind zu hoch f\u00fcr dich, du bist auch nicht anders als eine gew\u00f6hnliche Frau, so sollst du denn auch als solche wiedergeboren werden,\u201c z\u00fcrnte er. Nachdem der Zorn verraucht war, versank er in tiefe Trauer. Mittlerweile war Parvatti als Tochter eines Fischers wiedergeboren worden.<\/p>\n<p>Nandi, Shivas Reittier und treuer Diener konnte die Trauer seines Herrn nicht l\u00e4nger mit ansehen. Er verwandelte sich in einen Hai und attackierte die Fischer. In ihrer Not wandten sie sich an Lord Shiva. Der Ortsvorsteher versprach die Hand seiner sch\u00f6nen Tochter dem, der den Hai besiegten w\u00fcrde. Shiva nahm die Gestalt eines jungen Fischers an und besiegte, wer h\u00e4tte es gedacht, den Hai. Nandi trug die beiden im letzten Bild der Geschichte, gl\u00fccklich vereint zur\u00fcck auf den Kailash. Es ist nicht bekannt, ob der Vedenunterricht wieder aufgenommen wurde.<\/p>\n<p>Am besten gefiel mir die Gestalt des Shiva Nataraja, des K\u00f6nigs der T\u00e4nzer. Er tanzt durch das Universum, zerst\u00f6rt und baut auf und bleibt von diesem immerw\u00e4hrenden Wandel doch unber\u00fchrt. Es gibt die Idee, dass der Mensch sich die G\u00f6tter sucht, die seinem eigenen Wesen entsprechen. Vielleicht sprach mich diese Vielfalt der Gestalten an? Einerseits zutiefst menschliche Verhaltensweisen und dann wieder dieser l\u00e4chelnde Tanz durch die materielle Welt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-322\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/madavadasaji.jpg\" alt=\"Madavadasaji\" width=\"144\" height=\"200\" \/>So h\u00e4tte ich es auch gerne. Ganz naiv und kindlich. Das war es, was ich damals unter Erleuchtung verstand. Mit mildem L\u00e4cheln unbewegt von den F\u00e4hrnissen des Daseins in tiefer Meditation vor meiner H\u00f6hle auf dem Gipfel eines Berges sitzend. Vorzugsweise im Himalaya. Das w\u00e4re stilgerecht. Damals schien mir Entwicklung nur in Indien m\u00f6glich. Kein Land der Erde war so von Religion durchdrungen. \u00dcberall waren Heiligenbildchen zu sehen. Der Duft von R\u00e4ucherst\u00e4bchen hing in der Luft. Aus der Kohlenhandlung, die in Richtung Bahnhof Santa Cruz lag, die gleichzeitig auch Schreibpapier und Reis anbot, blickte Vishnu, l\u00e4ssig in den Windungen der Schlange Shesha ruhend, auf die Kunden. Ihm zur Seite seine Gattin Lakshmi. Alles in buntesten Farben. Alles so unschuldig. Es war eine religi\u00f6se Welt, die nichts mit den finsteren Erfahrungen und Gef\u00fchlen aus dem heimischen Deutschland zu tun hatte. Hier hatte das sture Auswendiglernen des kleinen Katechismus nicht stattgefunden. Hier waren erste sexuelle Regungen nicht mit dem Bannstrahl der S\u00fcnde belegt worden. Die Beatles waren ja auch schon gen Osten gezogen und hatten zu F\u00fc\u00dfen des Maharishi Mahesh Yogi gesessen. Hermann Hesse war zu einer Indienreise ausgezogen, hatte zwar Indien \u00fcberhaupt nicht betreten, sondern sich eigentlich in Indonesien aufgehalten. Immerhin entsprang dieser Reise eines seiner sch\u00f6nsten Werke, n\u00e4mlich Siddharta.<\/p>\n<p>Indien, Land der unermesslichen Reicht\u00fcmer, Maharajas, die ihr Gewicht in Diamanten aufwiegen lie\u00dfen. Land der Rajputen, die auf ihren stolzen Festungen den Angriffen der Gro\u00dfmoguln widerstanden und die zusammen mit ihren Frauen lieber in den Tod gingen, als sich zu unterwerfen. Land der Tiger und der Dschungel. Land der Sadhus, die in ewiger Wanderschaft und Entsagung auf der Suche nach Gott durch die weiten Ebenen des Gangestales zogen. Nach Indien zogen die Blumenkinder, um dort das Paradies zu finden. Viele von ihnen versanken in Dreck und Sucht, denn auf keiner Suche ist so viel Disziplin n\u00f6tig, wie auf der Suche nach dem Paradies. Wer das nicht erkennt, der landet eher in der H\u00f6lle. Ich habe sie in Madras am Stra\u00dfenrand gesehen, die gescheiterten Sucher, zerlumpt, verdreckt, am Ende.<\/p>\n<p>Indien bietet gro\u00dfe Freiheit, nach seiner Fasson zu leben, &#8211; aber auch zu sterben. Der Lebenskampf ist unglaublich hart. Vielleicht ist das ein Grund, warum sich ausgerechnet dort die Theorie der Wiedergeburt bilden konnte. Bietet sie doch die Hoffnung, dass beim n\u00e4chsten Mal alles besser wird, man braucht \u201enur\u201c gen\u00fcgend positives Karma anzuh\u00e4ufen.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu den Studiennachmittagen. In dieser selbstbestimmten Zeit erschloss ich mir eine neue Welt. Ich war fasziniert von den verschiedenen Sichtweisen, die man auf ein und denselben Gegenstand haben konnte. Ich besch\u00e4ftigte mich mit John Locke und Francis Bacon. Ich arbeitete mich durch Kant und seiner ganz eigenen Terminologie. In seiner \u201eKritik der reinen Vernunft\u201c sagte er aus, dass wir eigentlich nur in den Kategorien denken konnten, die uns \u201ea priori\u201c bekannt seien. Wie also sollten wir uns Unbekanntes mit dem Verstand wahrnehmen k\u00f6nnen? Dasselbe sagten die Yogis, wenn sie von der Begrenztheit der sinnlichen Wahrnehmung sprachen. War es nicht so, dass wir ein und dasselbe Objekt immer wieder anders wahrnehmen, je nach dem wie wir gestimmt sind? Musste es nicht eine Instanz geben, die hinter der Sinneswahrnehmung stand, die die Sinne erst zum t\u00e4tig werden brachte?<\/p>\n<p>Die Yogis nannten diese Instanz Purusa. In einem Beispiel wurde Purusa mit einer Projektionslampe in einem Filmprojektor verglichen. Das Publikum verfolgt fasziniert das Geschehen auf der Leinwand, Synonym f\u00fcr das Leben, und ist sich dabei \u00fcberhaupt nicht bewusst, dass es ohne die Lampe gar keinen Film g\u00e4be.<\/p>\n<p>Purusa wird \u00fcbersetzt mit \u201eDer wahre Mensch\u201c. Er ist in jedem von uns. Es ist \u00e4hnlich der Buddhanatur, die jeder schon besitzt, die wir aber nicht wahrnehmen, weil wir st\u00e4ndig dem Getriebe auf der Filmleinwand zusehen.<\/p>\n<p>Yoga bedeutet die Ausschaltung der Sinne. Erst dann tritt der Purusa hervor. Das ist das Ziel. Das ist Erkenntnis der wahren Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Es machte Freude, solche Zusammenh\u00e4nge zu erkennen. Alles erschien in solchen Momenten so klar. Es befl\u00fcgelte, sich der Yogapraxis und der Meditation zuzuwenden.<\/p>\n<p>In solchen Momenten glaubte ich allen Ernstes, dass ich mich ab jetzt nur noch in den reinen Gefilden des Geistes bewegen w\u00fcrde. Ich sah mich meinem Ziel, mit mildem L\u00e4cheln das Getriebe der Welt zu betrachten, sehr nahe. Schon vor meinem Abflug hatte ich mit wehen Gedanken bei Tchibo noch eine Tasse Kaffee getrunken. Ich ging davon aus, dass es die letzt meines Lebens sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Yogis trinken keinen Kaffee! Es h\u00e4tte mir zu denken geben sollen, dass ich nach dem langen Flug nach Bombay (ich kann mich immer noch nicht zu Mumbai durchringen) morgens gegen vier Uhr im mond\u00e4nen Centaur Hotel einen Cappuchino orderte. Es sollte jetzt wirklich zum letzten Mal sein, aber schlie\u00dflich ist es ja verst\u00e4ndlich, nach dem langen Flug oder?<\/p>\n<p>Merke (Doppelpunkt, Ausrufezeichen) Das Leben ist ein Prozess, der erst mit dem Tod endet, und wirklich erst dann. Ich wei\u00df nicht, ob es damals (1978) schon den Bondfilm \u201eSag niemals nie\u201c gab. Ich h\u00e4tte ihn mir aber wahrscheinlich doch nicht angesehen. Zuk\u00fcnftige Yogis gehen nicht in James Bond Filme!<\/p>\n<p>Wenn in diesen letzten Zeilen so was wie Pessimismus anklingen sollte, so stimmt das nicht. Im Nachhinein muss ich nur feststellen, dass mir niemand gesagt hatte, dass ein spiritueller Weg auch nicht mit Rosenbl\u00e4ttern bepflastert ist. Oder vielleicht hatte ich es doch geh\u00f6rt, und es geflissentlich \u00fcberh\u00f6rt, weil ich ja, wie so oft, \u00fcberzeugt war, dass bei mir alles anders l\u00e4uft. Dr. Jayadeva in seiner Weisheit hat damals sicher erkannt, dass man mich am besten meine eigenen Erfahrungen machen l\u00e4sst, weil ich Ratschl\u00e4gen anderer eh nicht glaube. Demut, ein wesentlicher Aspekt solch eines Weges entwickelt sich erst nach langen Jahren und vielen K\u00e4mpfen mit Siegen und Niederlagen. Dabei lernt man dann, dass es ein Geschenk ist, wenn man immer wieder einmal, so wie an diesen Studiennachmittagen im Institut, im Reich des Geistes weilen darf, bevor einen die Materie wieder einholt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-939\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG-20180216-WA0001-300x300.jpg\" alt=\"IMG 20180216 WA0001\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG-20180216-WA0001-300x300.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG-20180216-WA0001-150x150.jpg 150w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG-20180216-WA0001-100x100.jpg 100w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/IMG-20180216-WA0001.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Morgens um neun und Nachmittags um vier hielt Dr. seine Lecture. Sie fand im Office statt. Wir, die paar Westerners, die im Institut lebten und einige Inder, die beruflich so privilegiert waren, dass sie sich zu diesen Zeiten einfinden konnten. Als ich im Juni 1978 begann, besch\u00e4ftigte man sich mit Patanjalis Yogasutren. Wer dieser Patanjali war, wei\u00df niemand so genau. Manche sagen, dass er gleich zusetzten ist mit einem Grammatiker, der im 2. vorchristlichen Jahrhundert gelebt hat. Andere sagen, dass er im 4. oder5. vorchristlichen Jahrhundert seine Sutren verfasste. Sutra hei\u00dft Faden. Die 195 kurzen Aphorismen stellen einen Leitfaden des Yoga dar. Wenn man sie als die Bibel des Yoga bezeichnet, ist das sicher nicht falsch.<\/p>\n<p>Diese Lectures waren immer etwas besonderes. Wir sa\u00dfen vor der halbrunden Empfangstheke. Dr. sa\u00df dahinter. Wenn ein Anruf oder ein Besucher wegen einer Auskunft kam, wurde der Vortrag einfach unterbrochen. Mir kam das damals recht gelegen, bot es doch die Gelegenheit, das Geh\u00f6rte zu rekapitulieren und den Nachbar, der schon l\u00e4nger dabei war, kurz was zu fragen.<\/p>\n<p>Es war alles so einfach, so unpr\u00e4tenti\u00f6s. Kein gro\u00dfes Brimborium mit R\u00e4ucherst\u00e4bchen und Gong. Wir standen auf, wenn Dr. kam. Das war\u2019s dann auch schon. Nat\u00fcrlich fragte ich mich am Anfang, warum denn kein Anderer Empfangsdienst machte, sondern der Yogi selbst? Es war niemand anderes da. Kein \u201eStaff\u201c, kein B\u00fcrodienst. Diese Einfachheit empfand ich als zutiefst echt. So wie in alten Zeiten. Hier der Lehrer, dort der Sch\u00fcler, die alte, urspr\u00fcngliche Guru \u2013 Chela \u2013 Beziehung.<\/p>\n<p>So sa\u00df ich denn da. Mein wei\u00dfer Anzug, den ich um acht Uhr erst frisch angezogen hatte, war schon wieder zum Auswringen. Mai, Juni ist in Bombay die hei\u00dfeste Zeit. Ich erinnere mich noch genau. Man war gerade bei Kapitel eins. Darin findet sich die Theorie des Yoga. Starker Tobak f\u00fcr einen schwitzenden Anf\u00e4nger mit noch recht mangelhaften Englischkenntnissen. Ich h\u00f6rte Ausdr\u00fccke, wie Tanmatralevel, Buddhi, Samprajnata \u2013 und Asamprajnata \u2013 Samadhi, Manas usw.<\/p>\n<p>Ich verstand nicht viel, aber ich gab mir M\u00fche. Ich hielt nie viel von gro\u00dfer Fragerei. Weder bei mir, noch bei meinen sp\u00e4teren Sch\u00fclern oder sonst wem&#8230;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist immer wieder faszinierend, sich die verschiedenen Bilder und Gedanken anzusehen, die der Mensch sich ersinnt, um das, eigentlich f\u00fcr ihn Unfassbare, zu erkl\u00e4ren. Wie auch immer es sein mag, keiner kann sagen, was stimmt. Aber die Besch\u00e4ftigung damit f\u00fchrt unser Denken auf eine h\u00f6here Ebene. Wir nennen es Swadhyaya. 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