{"id":4350,"date":"2026-02-11T20:11:11","date_gmt":"2026-02-11T19:11:11","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=4350"},"modified":"2026-02-11T20:11:11","modified_gmt":"2026-02-11T19:11:11","slug":"aller-anfang-ist-schwer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2026\/02\/11\/aller-anfang-ist-schwer\/","title":{"rendered":"Aller Anfang ist schwer"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4352\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/IMG_20251128_201122-225x300.jpg\" alt=\"IMG 20251128\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/IMG_20251128_201122-225x300.jpg 225w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/IMG_20251128_201122-768x1024.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/IMG_20251128_201122-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/IMG_20251128_201122-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/IMG_20251128_201122-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/>Die erste Nacht im Yogainstitut Mumbai im Juni 1978 oder \u201eVon einem, der auszog, Yogalehrer zu werden\u201c.<\/p>\n<p>&#8230; W\u00e4hrend ich so an der Br\u00fcstung stand und die Zeit vergehen lie\u00df, \u00f6ffnete ich mich langsam dem Zauber dieser ersten Tropennacht. Ich h\u00f6rte das Rascheln der Palmbl\u00e4tter. Der ganze Garten war mit Kokospalmen bepflanzt. Schemenhaft nahm ich das tr\u00e4ge Fl\u00fcgelschlagen der Raben war, die in den Wipfeln n\u00e4chtigten. Die laue Luft umschmeichelte mich, ich hatte mein Hemd l\u00e4ngst ausgezogen. Der Himmel leuchtete rot, war so ganz anders als das normale Schwarz \u00fcber dem kleinen Dorf zuhause. Es ging auf 22 Uhr zu, Zeit schlafen zu gehen. Man solle sich an den angegebenen Zeitplan halten, hatte es gehei\u00dfen. Eine feste Routine hilft, psychische Ver\u00e4nderungen zu bewirken. Ich war ja hier, um genau das zu erreichen. Ich wollte an die \u201eLeichen im Keller\u201c heran, also war ich bereit, den Anweisungen zu folgen&#8230;<!--more--><\/p>\n<p>&#8230;Die Hitze, die unter dem muffigen Moskitonetz herrschte, brachte mich recht schnell wieder auf Heimatgedanken. An Schlaf war nicht zu denken. Das Wasser lief mir in B\u00e4chen herunter, obwohl ich splitternackt auf dem Laken lag.<\/p>\n<p>&#8230;\u201eEs ist jetzt 22.45 Uhr, du musst jetzt endlich einschlafen. Morgen, sp\u00e4testens um 6 Uhr ist die Nacht herum. Dann musst du fit sein zur Meditation.\u201c \u201eKann denn ein Mensch unter diesen Umst\u00e4nden schlafen?\u201c Drau\u00dfen braust das Leben. Hunde bel\u001flen, Autos hupen, es geht auf 24.00 Uhr zu. IIIIIIIIiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii, es wird doch wohl kein Moskito unter dem gleichnamigen Netz sein? Doch, ich h\u00f6re ihn ganz deutlich. Nur wo ist das Biest? Zum Teufel mit Ahimsa, der im Yoga gepredigten Gewaltlosig\u001fkeit. \u201eEr oder ich.\u201c Show down in Santa Cruz. Zwar nicht um 12 Uhr Mittags, High Noon, aber um 12 Uhr Nachts, Midnight Cowboy. \u201eWie kommt das Mistvieh unter mein Moskitonetz? Klar, hier ist ein Loch. Warum bittesch\u00f6n gibt man mir kein intak\u001ftes Moskitonetz?\u201c Also raus aus dem Bett, das Netz nur so wenig wie m\u00f6glich l\u00fcpfen, um nicht noch mehr Blutsauger einzulassen und die Taschenlampe aus dem \u2013 nat\u00fcr\u001flich verschlossenen, man wei\u00df ja nie \u2013 Koffer holen. Der nat\u00fcrliche Aufenthaltsort von Koffern in Zimmern ist unter dem Bett, dem ebenfalls nat\u00fcrlichen Aufenthaltsort von Moskitos. Bis ich die Taschenlampe und gleich auch das Systral gefunden und den Koffer wieder abgeschlossen und verstaut hatte, war ich schon um zwei Stiche reicher. Jetzt aber schnell wieder unter das Netz. Gott sei Dank ist das Loch ziemlich weit unten, sodass es unter die Matratze gestopft werden kann. Jetzt brauche ich blo\u00df noch den verdammten Moskito zu finden, dann kann ich endlich schlafen.<\/p>\n<p>\u201eWie soll das vier Monate weiter gehen? Ich denke, ich werde mich die n\u00e4chsten Tage wegen eines fr\u00fcheren R\u00fcckflugs erkundigen. Noch nicht gleich, so 14 Tage bleibe ich, soll ja nicht so aussehen, als wenn ich kneife. Ich kann ja triftige Gr\u00fcnde anf\u00fchren. F\u00fcr Nordeurop\u00e4er ist es hier einfach zu hei\u00df. Was aber werden die zuhau\u001fse sagen, wenn ich schon wieder auftauche? Und was wird aus dem, was ich mir ei\u001fgentlich vorgenommen habe, n\u00e4mlich mit mir selbst ein St\u00fcckchen weiterzukommen und au\u00dferdem will ich Yogalehrer werden. Auf Bildern sieht das immer so toll aus. Wei\u00dfgekleidete, teilweise b\u00e4rtige Gestalten unter Palmen in tiefer Meditation, wahr\u001fscheinlich schon kurz vor dem Nirvana. Von den 40 Grad, den Moskitos und der Luft\u001ffeuchtigkeit von 95% sagt keiner was. Mist, Mist, Mist!\u201c<\/p>\n<p>Morgens zwischen 3 und 4 Uhr ist die Stunde der Hunde. Tags\u00fcber f\u00fchren sei ein Leben noch viele Stufen unter dem niedrigsten Unber\u00fchrbaren. Niemand f\u00fcttert sie. Sie bekommen Schl\u00e4ge und erschrecken vor jeder pl\u00f6tzlichen menschlichen Bewe\u001fgung. Sie sehen erb\u00e4rmlich aus. Entz\u00fcndete Augen, Geschw\u00fcre, manche sind g\u00e4nz\u001flich ohne Fell. Sie l\u00f6sen gleichzeitig Ekel und Mitleid aus. Jetzt aber um diese Stunde ist ihr gro\u00dfer Auftritt. W\u00fctendes Heulen und Kl\u00e4ffen dringt ins Zimmer. Gef\u00e4hrliches Knurren, gefolgt von entsetztem Aufheulen verr\u00e4t erbitterte Zweik\u00e4mpfe. Hier m\u00fcs\u001fsen ganze Rudel ihre Revierk\u00e4mpfe austragen. Auch unter den Schwachen und Rechtlosen gibt es Herrscher und Untergebene. Irgendwie finde ich das trotz meiner M\u00fcdigkeit und dem \u00c4rger \u00fcber den Krach tragisch.<\/p>\n<p>Irgendwann scheine ich dann doch eingeschlafen zu sein. Jedenfalls weckt mich meine Armbanduhr p\u00fcnktlich um 6.00 Uhr. Es ist stockdunkel. \u201eWie kann es Anfang Juni um 6 Uhr noch finster sein? Ach ja, die Tropen, pl\u00f6tzliche D\u00e4mmerungen ohne \u00dcbergang, kennt man ja aus Abenteuergeschichten. Ich bin hundem\u00fcde, wie soll ich jetzt 2 Stunden meditieren?\u201c<\/p>\n<p>Ich klettere aus dem Bett. Das Moskitonetz riecht muffig. Da ich alleine im Haus bin, kann ich nur mit Unterhose bekleidet in den schr\u00e4g gegen\u00fcber liegenden Sanit\u00e4rtrakt gehen. Dort riecht es feucht, so als wenn man seine Nase tief in einen Siphon steckt. Aus dem Spiegel sieht mich ein \u00fcbern\u00e4chtigtes Gesicht an. \u201eHalt Stopp, nicht das Wasser aus dem Hahn zum Z\u00e4hneputzen nehmen, du bist in Indien.\u201c Also raus auf den Flur zum Wasserfilter und den Zahnputzbecher f\u00fcllen. Vor einer Meditations\u001fsitzung sollte man auch die Toilette aufsuchen. Die Stehklos, wie sie hier \u00fcblich sind, kannte ich schon aus Frankreich und Italien. Die Variante hier riecht nach indischen Gew\u00fcrzen und wird auch von den Ameisen gesch\u00e4tzt, sodass ich neben dem Vor\u001fgang, zu dem ich hergekommen war, auch noch meine F\u00fc\u00dfe gegen die lieben Tier\u001fchen verteidigen muss. Nat\u00fcrlich habe ich Verstopfung. Das bisschen Essen schafft nicht den n\u00f6tigen Ballast. Au\u00dferdem setze ich mich wie \u00fcblich unter Druck. Es ist unfassbar, was da f\u00fcr Gedankenspielchen ablaufen: \u201eWenn du nun schon bei der Meditation sitzt und dann pl\u00f6tzlich musst? Was dann?\u201c Und dergleichen mehr. Als ob ich auf meiner jetzigen Geistesebene aus dem tiefen Samadhi zur\u00fcckkommen m\u00fcss\u001fte, um aufs Klo zu gehen&#8230;<\/p>\n<p>&#8230;Die Dusche ist ein Labsal. Warmes Wasser ist nicht vonn\u00f6ten. Das kalte ist lau\u001fwarm genug. Ich genie\u00dfe das Wasser. Irgendwie vermittelt der warme Strahl ein Ge\u001ff\u00fchl von Geborgenheit. Zu schnell ist es Schluss damit. Ich wei\u00df, dass ich Wasser sparen muss. Das Institut bekommt nur eine bestimmte Menge pro Tag zugeteilt. Au\u001f\u00dferdem zwingt mich mein Umweltbewusstsein sowieso dazu.<\/p>\n<p>Der Morgen ist noch k\u00fchl. Ich habe alle Fenster in meinem Zimmer ge\u00f6ffnet und ge\u001fnie\u00dfe den Luftzug, w\u00e4hrend ich meine Asanas ausf\u00fchre. W\u00e4hrend des Sitzens im halben Lotussitz kommen mir alle m\u00f6glichen Gedanken. Keine Spur von Gedanken\u001fleere. \u201eWird sich das wohl jemals \u00e4ndern?\u201c<\/p>\n<p>Ausz\u00fcge aus meinem Buch \u201eJenseits von Benares\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die erste Nacht im Yogainstitut Mumbai im Juni 1978 oder \u201eVon einem, der auszog, Yogalehrer zu werden\u201c. &#8230; W\u00e4hrend ich so an der Br\u00fcstung stand und die Zeit vergehen lie\u00df, \u00f6ffnete ich mich langsam dem Zauber dieser ersten Tropennacht. 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