{"id":4274,"date":"2025-12-15T15:19:30","date_gmt":"2025-12-15T14:19:30","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=4274"},"modified":"2025-12-15T15:19:30","modified_gmt":"2025-12-15T14:19:30","slug":"damals","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2025\/12\/15\/damals\/","title":{"rendered":"Damals"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4276\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_20251215_113304-225x300.jpg\" alt=\"IMG 20251215\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_20251215_113304-225x300.jpg 225w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_20251215_113304-768x1024.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_20251215_113304-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_20251215_113304-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/IMG_20251215_113304-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/>Heutzutage, so wird immer behauptet, sei man der Flut an Informationen quasi hilflos ausgeliefert. Die Psyche sei \u00fcberfordert und das Individuum werde an den Rand des Info-Zusammenbruchs getrieben.<\/p>\n<p>War es fr\u00fcher also besser? Mein Gro\u00dfvater, ein Schneidermeister, erlebte zwei Weltkriege. Einen musste er Gott sei Dank nicht mitmachen, weil er einen leichten Buckel hatte. F\u00fcr den zweiten war er schon zu alt. Er zog f\u00fcnf Kinder gro\u00df. Sie hatten H\u00fchner, ein Schwein und eine Ziege. Dazu kamen ein paar Streifen \u00c4cker mit Kartoffeln und Gerste f\u00fcr die H\u00fchner und das Schwein, das das Jahr \u00fcber gem\u00e4stet wurde und im Januar, wenn es kalt war, geschlachtet wurde, denn es gab keinen K\u00fchlschrank.<!--more--><\/p>\n<p>Er machte seine Lehre bei einem Meister, 60 km entfernt. Das war das einzige Mal, dass er aus seinem Dorf herauskam.<\/p>\n<p>Die Zeiten waren hart. Die Kinder waren hungrig und die Bauern, die zu ihm kamen, lie\u00dfen ihre speckigen Anz\u00fcge eher wenden, als dass sie sich neue schneidern lie\u00dfen. Er sa\u00df noch im Schneidersitz, mit gekreuzten Beinen auf dem Schneidertisch und n\u00e4hte. Unter dem Tisch spielte ich mit Stoffresten.<\/p>\n<p>Im R\u00fcckblick habe ich nicht den Eindruck, als wenn er, obwohl er nur die Nachrichten im Radio h\u00f6rte, gelassener gewesen w\u00e4re. Die Welt drang auch ins kleine Dorf. Ich erinnere mich, als die ganze Familie vor dem Empf\u00e4nger stand und der unter dumpfen Trommelt\u00f6nen verk\u00fcndeten Nachricht lauschte: \u201eStalin ist tot!\u201c Das war am 5. M\u00e4rz 1953.<\/p>\n<p>Damals war der kalte Krieg in \u201evoller Bl\u00fcte\u201c und man hatte wirklich Angst \u201evor&#8217;m Russ\u201c, weil die Erinnerung noch sehr frisch war.<\/p>\n<p>Auch die t\u00e4glichen Nachrichten wirkten, nicht immer beruhigend, auf die Menschen ein.<\/p>\n<p>Es war damals schon so wie heute, dass man sehr genau aufpassen musste, was man in sein Denken hineinlie\u00df. Und auch damals war es wichtig, dass ein \u201ephilosophischer Unterbau\u201c, wie Marx es formulierte, vorhanden war.<\/p>\n<p>Bei meiner Familie war das eine tiefe Gl\u00e4ubigkeit, die in die Haltung m\u00fcndete:\u201eDer Herr wird\u2019s schon richten.\u201c<\/p>\n<p>Wenn man seine Gedanken Amok laufen lie\u00df, haben sie auch damals schon das Leben h\u00f6llisch gemacht.<\/p>\n<p>Ich merke, dass allerlei Erinnerungen hochsteigen und ich habe Lust, ein bisschen weiter zu erz\u00e4hlen. Vielleicht interessiert es ja den einen oder die andere, wie \u201ees damals war\u201c.<\/p>\n<p>Das Gro\u00dfelternhaus, in dem ich als Kind die meiste Zeit verbrachte, stand \u201ein der Nachbarschaft\u201c. Das waren drei Bauern mit den Hofnamen Zee, Mohrg\u00f6rch und Tr\u00f6ster. Hier spielte sich das Leben ab. Wenn die Gemeinde etwas mitzuteilen hatte, kam morgens der \u201eAusrufer\u201c in die Nachbarschaft, l\u00e4utete mit einer Schelle (eine Glocke an einem Holzgriff) und rief: \u201eBekanntmachung\u201c, woraufhin er mit amtlicher Stimme das, was er zu sagen hatte, n\u00e4mlich die Nachrichten aus dem Gemeinderat, laut verlas. Er trug Schaftstiefel und eine Schirmm\u00fctze. Alles in schwarz. Ich fand das als F\u00fcnfj\u00e4hriger sehr beeindruckend.<\/p>\n<p>Oberhalb des Gro\u00dfelternhauses war die gemeindliche \u201eBullenhaltung\u201c. Das stand in gro\u00dfen Lettern auf dem Geb\u00e4ude. Es schien eine Art Stall zu sein. Genaueres wollten sie mir aus unerfindlichen Gr\u00fcnden nicht sagen. Abends jedenfalls, wenn die Stallarbeit getan war, trieb der eine oder andere Bauer gem\u00e4chlich eine Kuh durch die Nachbarschaft in Richtung Bullenhaltung. Dasselbe geschah mit einer \u201eRanz\u201c, wie man die Sauen nannte, die den Eber besuchen sollte.<\/p>\n<p>Unn\u00f6tig zu sagen, dass ich schwer interessiert war, das Geheimnis zu l\u00fcften, was mir auch eines Tages gelang, als die Tore einmal offen stehen blieben und ich sah, wie sie den riesigen Stier hinter die in meinen Augen arme Kuh f\u00fchrten, und der sie besprang. Ich war zu Tode erschrocken. Gott sei Dank sah ich sie heil wieder auf dem Nachhauseweg.<\/p>\n<p>Wird (vielleicht) fortgesetzt, wenn es jemanden interessiert, wie es \u201edamals war\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heutzutage, so wird immer behauptet, sei man der Flut an Informationen quasi hilflos ausgeliefert. Die Psyche sei \u00fcberfordert und das Individuum werde an den Rand des Info-Zusammenbruchs getrieben. War es fr\u00fcher also besser? 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