{"id":421,"date":"2017-04-07T14:39:30","date_gmt":"2017-04-07T12:39:30","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=421"},"modified":"2018-05-25T14:12:10","modified_gmt":"2018-05-25T12:12:10","slug":"ueber-das-wesen-der-meditation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2017\/04\/07\/ueber-das-wesen-der-meditation\/","title":{"rendered":"\u00dcber das Wesen der Meditation"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-802\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Meditation-225x300.gif\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" \/>Im Yogainstitut in Bombay, an dem ich meine Ausbildung machte, sprach man nicht von Meditation, wenn wir uns eine halbe Stunde in die klassische Pose begaben.<br \/>\nMan bezeichnete das als \u201econditioning\u201c, also als sich konditionieren.<\/p>\n<p>Ich wundere mich immer, wenn ich h\u00f6re, dass Leute zu zehnt\u00e4gigen Zen \u2013 Seminaren gehen und sich dort stundenlang mit schmerzenden Knochen auf den Boden setzen und sich davon viel erwarten. Fakt ist, sie kommen danach wieder heim und &#8211; \u201ehere we are again\u201c.<!--more--><\/p>\n<p>Ich glaube, dass hier ein grunds\u00e4tzliches Missverst\u00e4ndnis \u00fcber das Wesen der Meditation besteht.<br \/>\nSehen wir uns das einmal an.<br \/>\nDie f\u00fcnfte Stufe des achtfachen Pfades des klassischen Yoga ist Pratyahara. Das bedeutet das Abziehen der Sinne von der Au\u00dfenwelt.<br \/>\nStellen Sie sich einen tickenden Wecker in Ihrem Schlafzimmer vor. Wenn Sie sich darin aufhalten, h\u00f6ren Sie sein Ticken nur, wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit darauf richten, denn wir h\u00f6ren nicht mit den Ohren, sondern mit dem daf\u00fcr verantwortlichen Hirnzentrum. Die Ohren sind ja sozusagen immer eingeschaltet. Auf der Stufe des Pratyahara ist es dem Yogi m\u00f6glich, die Sinne bewusst zu kontrollieren. Wenn er es will, dann h\u00f6rt und sieht er nicht, weil er die Aufmerksamkeit nach innen richtet.<br \/>\nDies ist die Vorstufe zu den drei letzten Stufen des achtfachen Pfades, n\u00e4mlich Dharana \u2013 Dhyana \u2013 Samadhi. Das sind Techniken, die zusammengefasst als Samjama bezeichnet werden, weil sie eigentlich ineinander \u00fcber gehen.<br \/>\nIn Patanjalis Yoga Sutren wird darin folgendes Bild gebraucht, um den Vorgang deutlich zu machen: Anf\u00e4nglich gleichen die Gedanken immer gleichm\u00e4\u00dfig nach unten fallenden Wassertropfen. Das Objekt der Konzentration, zum Beispiel die Unendlichkeit der Leere, wird nicht verlassen. Kein anderer Gedanke, kein Signal von au\u00dfen st\u00f6rt. Letztlich gleicht der Gedankenstrom dem Ausgie\u00dfen von dickfl\u00fcssigem Honig.<br \/>\nWenn die Oberfl\u00e4che eines Teiches vollkommen glatt ist, sieht man bis auf den Grund.<br \/>\nDann erkennt der Geist sich selbst. Die Buddhisten sagen, dass sich der Mensch seiner Buddha &#8211; Natur, die schon immer in ihm vorhanden war, bewusst wird.<br \/>\nWir k\u00f6nnen uns unschwer vorstellen, dass sich das Denken eines solchen Menschen vollkommen vom Denken des Normalmenschen unterscheidet. In dieser Stufe kommt es zu einem sogenannten Parinama. Das bedeutet, die Hirnstruktur ver\u00e4ndert sich. Ich habe k\u00fcrzlich das Buch: \u201eEin neues Ich\u201c von Joe Dispenza, einem Neurowissenschaftler gelesen. Darin wird die Verflechtung zwischen Gedanken und Umwelt erl\u00e4utert. Auf der Quantenebene besteht ein Zusammenhang zwischen dem Wahrnehmenden und dem Objekt. So ist es m\u00f6glich, durch konzentriertes Denken Einfluss auf das materielle Feld zu nehmen. Fritjof Capra hat das in seinem Buch: \u201eDas Tao der Physik\u201c schon vor vierzig Jahren beschrieben.<br \/>\nWas bei dem bisher Gesagten auff\u00e4llt, ist die Stabilit\u00e4t und Gleichm\u00e4\u00dfigkeit des Denkens. Auch wenn der Yogi nicht in der Meditationshaltung ist, so findet trotzdem der f\u00fcr den gew\u00f6hnlichen Menschen normale Gedankenwirrwarr nicht statt.<br \/>\nNat\u00fcrlich schadet es nichts, sich t\u00e4glich eine halbe Stunde oder l\u00e4nger in eine Meditationshaltung zu begeben. Das hat sehr positive Auswirkungen auf Blutdruck, Herzfrequenz und Nervensystem. Ich bin in meinem \u201eYogalehrbuch\u201c ausf\u00fchrlich darauf eingegangen.<br \/>\nDas alles aber ist nicht Meditation wie oben ausgef\u00fchrt.<br \/>\nWas also dann?<br \/>\nEs kommt darauf an, sich nicht st\u00e4ndig von den Einfl\u00fcssen, denen wir t\u00e4glich ausgesetzt sind, mitrei\u00dfen zu lassen. Dazu bedarf es eines bewussten \u201esich Konditionierens\u201c.<br \/>\nStellen Sie sich aufrecht hin. Schlie\u00dfen Sie die Augen oder auch nicht und nehmen Sie sich wahr. Sp\u00fcren Sie Ihren Atem, h\u00f6ren Sie das Zirpen einer Grille, wenn Sie drau\u00dfen sind. Sp\u00fcren Sie den Wind, die Luft, die Sie umf\u00e4ngt. Nehmen Sie den Sie umgebenden Raum wahr. Dehnen Sie diese Vorstellung bis ins Unendliche aus und f\u00fchlen Sie, dass Sie ein Teil eines harmonischen Ganzen sind.<br \/>\nIn diesem kurzen Moment kann es m\u00f6glich werden, dass Sie Gl\u00fcck f\u00fchlen. Die Zenleute sagen, dass Erleuchtung kein Prozess ist, sondern von einem Moment auf den anderen passiert.<br \/>\nIm Unterschied zu diesen und den Yogis ist es uns Normalen aber nicht m\u00f6glich, in diesem Zustand zu verharren. Dazu ist unser Denken zu undiszipliniert. Das macht aber nichts. Wir k\u00f6nnen uns ja immer wieder zur\u00fcck beamen.<br \/>\nEine andere Methode daf\u00fcr ist, sich einfach kurz hinzustellen, die Arme weit zu \u00f6ffnen und tief einzuatmen und wieder auszuatmen, um die Weite zu erfahren und aus der Enge der uns belastenden Gedanken auszubrechen.<br \/>\nAbschlie\u00dfend m\u00f6chte ich aber doch noch erw\u00e4hnen, dass es sicher nicht schaden wird, zehn Tage Zazen zu \u00fcben. Aber, wie schon gesagt, sie kommen auch wieder nach Hause.<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Yogainstitut in Bombay, an dem ich meine Ausbildung machte, sprach man nicht von Meditation, wenn wir uns eine halbe Stunde in die klassische Pose begaben. Man bezeichnete das als \u201econditioning\u201c, also als sich konditionieren. 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