{"id":42,"date":"2010-01-25T19:17:19","date_gmt":"2010-01-25T18:17:19","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=42"},"modified":"2018-05-25T14:14:39","modified_gmt":"2018-05-25T12:14:39","slug":"selbstverantwortung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2010\/01\/25\/selbstverantwortung\/","title":{"rendered":"Selbstverantwortung"},"content":{"rendered":"<p>Vor ein paar Monaten besuchten wir Kenia. Seit Jahren hatte ich das Gef\u00fchl, es sei an der Zeit, einmal die gro\u00dfen Tiere zu sehen und zwar nicht im Zoo, sondern in ihrem freien Lebensraum. Meine Erwartungen wurden mehr als erf\u00fcllt. Ich war tief beeindruckt von der St\u00e4rke, der Eleganz und der absoluten Autonomie der Tiere. Da waren keine Wesen, die f\u00fcr uns Menschen etwas zu tun hatten &#8211; Eier zu legen oder Milch zu liefern. Nein, hier waren Individuen, die nach dem urspr\u00fcnglichen Plan ein selbstbestimmtes Leben leben sollten und nicht zu unserer Belustigung da waren.<br \/>\nSie waren auch nicht nett oder s\u00fc\u00df. Das sind doch die Attribute, mit denen wir Tiere belegen. Oh nein, diese Tiere waren gef\u00e4hrlich, sie w\u00fcrden sich zu wehren wissen. Das ist ungewohnt f\u00fcr uns moderne Menschen, die wir gewohnt sind, dass sich uns alles unterordnet, zumal f\u00fcr uns Westeurop\u00e4er, die wir nur Rehe und Hasen kennen.<!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich war auch sehr von den Menschen beeindruckt. Ich sah, wie sie vom Morgengrauen bis in die Nacht f\u00fcr ihren Lebensunterhalt arbeiteten. Trotzdem wirkten sie uns gegen\u00fcber freundlich und ausgeglichen und strahlten eine nat\u00fcrliche Lebensfreude aus. Nat\u00fcrlich konnten wir aus unserer Touristensicht nicht in die Tiefe sehen, insofern bleiben meine Eindr\u00fccke oberfl\u00e4chlich.<\/p>\n<p>Afrika erscheint uns Europ\u00e4ern in der Regel als ein problembeladener Kontinent. Hunger, D\u00fcrre, Kriege, Massaker, Korruption. Wenn wir ehrlich sind, so denken wir manchmal; &#8222;Irgendwie bringens&#8217;s die nicht, diese &#8222;Neger&#8220;. Nat\u00fcrlich sind wir dabei auch beteiligt. Wenn zum Beispiel die EU den Export von H\u00e4hnchenfleisch, Tomaten und Milch subventioniert, um die heimische Landwirtschaft zu st\u00fctzen, dann gehen die einheimischen Produzenten pleite, weil sie mit diesen Billigangeboten nicht konkurrieren k\u00f6nnen. Unsere Konzerne beuten die Rohstoffvorkommen des Kontinents aus. Das Nigerdelta ist vom \u00d6lkonzern Shell verseucht, sodass die Menschen dort \u00f6liges Wasser zu trinken bekommen. Die Liste lie\u00dfe sich endlos fortsetzen.<\/p>\n<p>Sind wir also wieder mal schuld?<\/p>\n<p>Vor einigen Monaten las ich von Volker Seitz sein Buch &#8222;Afrika wird armregiert, dtv 2009&#8220;. Seitz, der unter anderem Botschafter in Kamerun war, pl\u00e4diert daf\u00fcr, Entwicklungshilfe in ihrer bisherigen Form abzuschaffen. Sie sorge daf\u00fcr, dass sich in den afrikanischen Staaten korrupte Eliten an der Macht halten und auf der anderen Seite die \u00dcbernahme von Verantwortung f\u00fcr das eigene Schicksal verhindert wird. Wenn man sich nur einmal das Spielzeug, dass aus Blechdosen gefertigt ist ansieht oder die vielf\u00e4ltige Musik dieses Kontinents, dann erahnt man, welche Energie und Kreativit\u00e4t dort vorhanden ist.<\/p>\n<p>Aber &#8211; und das bringt mich zum eigentlichen Thema dieses Artikels, man muss den Menschen ihre Selbstverantwortung \u00fcbertragen und auch lassen.<br \/>\nDas gilt f\u00fcr Individuen, Gruppen und auch f\u00fcr V\u00f6lker.<\/p>\n<p>Wir Menschen haben ein geh\u00f6riges Beharrungsverm\u00f6gen. Wir \u00e4ndern Verhaltensweisen in der Regel nur dann, wenn es gar nicht mehr anders geht.<\/p>\n<p>Ich habe in Therapien immer wieder erlebt, dass Klienten die Verantwortung f\u00fcr sich auf den Therapeuten \u00fcbertragen wollten. &#8222;Jetzt hilf mir mal und sag, was ich tun soll.&#8220; Wenn man in diese Falle tappt, hat man verloren, denn der Klient kann sich dann zur\u00fccklehnen und beliebig kritisieren oder ablehnen.<br \/>\nCarl Rogers, der Begr\u00fcnder der klientenzentrierten Psychotherapie sagt, dass jeder von uns im tiefsten Inneren genau wei\u00df, wie die L\u00f6sung aussehen muss. Was uns daran hindert, ist die Angst, neue Wege zu beschreiten. Es geht also nicht darum, das Problem f\u00fcr jemanden zu l\u00f6sen, sondern die Blockaden zu beseitigen, die es dem Einzelnen unm\u00f6glich machen, sich selbst zu helfen. Das beinhaltet auch, neue Strukturen zu schaffen. Im Falle von Nationen k\u00f6nnte das bedeuten, in kleineren Einheiten zu helfen, damit die Leute ihren Lebensunterhalt selbst verdienen k\u00f6nnen, anstatt alimentiert zu werden. Mohamed Junus, der Friedensnobelpreistr\u00e4ger hat vorgemacht, wie so was gehen k\u00f6nnte.<br \/>\nEs geht auf keinen Fall darum, Menschen alleine zu lassen und zynisch zu sagen, nun kommt mal alleine klar.<br \/>\nVielmehr geht es darum, wie oben geschildert, sich nicht in eine Falle locken zu lassen und den Klienten, sei es ein Individuum oder eine Land, in seinem unselbst\u00e4ndigen Verhalten auch noch zu best\u00e4rken. Es kann doch nicht sein, dass ein blutiger Diktator wie Robert Mugabe, jahrzehntelang in Saus und Braus mit seiner Clique leben kann und sein Volk wird \u00e4rmer und \u00e4rmer und das Ganze bezahlt von den reicheren Nationen.<\/p>\n<p>Menschen neigen dazu, alles m\u00f6gliche f\u00fcr ihre Misere verantwortlich zu machen. Afrika macht heute noch vielfach den Kolonialismus, der jetzt immerhin um die sechzig Jahre zur\u00fcckliegt, verantwortlich. M\u00e4nner beschuldigen ihre Frauen und umgekehrt.<\/p>\n<p>Gerade Yoga bietet ein ausgefeiltes System f\u00fcr Ver\u00e4nderung basierend auf Selbstverantwortung. Indem man diese Verantwortung f\u00fcr sich wahrnimmt, steigt auch die Energie, etwas zu erreichen.<br \/>\nDies kann man jederzeit ausprobieren.<\/p>\n<p>G: Pflug Jan. 2010<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor ein paar Monaten besuchten wir Kenia. Seit Jahren hatte ich das Gef\u00fchl, es sei an der Zeit, einmal die gro\u00dfen Tiere zu sehen und zwar nicht im Zoo, sondern in ihrem freien Lebensraum. Meine Erwartungen wurden mehr als erf\u00fcllt. 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