{"id":4196,"date":"2025-10-26T19:21:35","date_gmt":"2025-10-26T18:21:35","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=4196"},"modified":"2025-10-26T19:21:35","modified_gmt":"2025-10-26T18:21:35","slug":"einfach-mal-das-denken-kontrollieren-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2025\/10\/26\/einfach-mal-das-denken-kontrollieren-teil-ii\/","title":{"rendered":"Einfach mal das Denken kontrollieren Teil II"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-4199\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bild_2025-10-26_192039813-300x200.png\" alt=\"Bild 2025 10 26 192039813\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bild_2025-10-26_192039813-300x200.png 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bild_2025-10-26_192039813-1024x683.png 1024w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bild_2025-10-26_192039813-768x512.png 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Bild_2025-10-26_192039813.png 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>In einem meiner Yogakurse hatte ich einmal eine etwa 78 Jahre alte Frau, vielseitig interessiert, die sogar noch damit angefangen hatte, Russisch zu lernen. Als ich der Gruppe das Konzept Prakriti- Purusha zu erkl\u00e4ren begann,(dass wir mit unseren eingeschr\u00e4nkten Sinneswahrnehmungen nur die sich st\u00e4ndig \u00e4ndernden Ph\u00e4nomene wahrnehmen, nicht aber die absolute Realit\u00e4t), meinte sie, dass es doch gerade das Reizvolle am Leben sei, dass sich alles im Fluss befinde. Alle andere sei doch langweilig.<\/p>\n<p>Man kann das so sehen, aber es gab schon immer Menschen, die damit nicht zufrieden waren. Das waren die Mystiker und die Yogis. Die wollten Gott im Sinne von Spinoza erkennen. F\u00fcr Spinoza ist Gott die einzige Substanz (etwas, das nur durch sich selbst existiert und nicht von anderen abh\u00e4ngig ist).<!--more--><\/p>\n<p>Das ist schwer zu verstehen. Ich versuche es einmal mit einem Beispiel aus der Zen-Tradition. Wenn Gott oder das reine Bewusstsein oder eben Purusha nicht durch etwas \u201eanderes erkannt\u201c werden kann, dann haben wir Menschen ein Problem. Wir k\u00f6nnen nur \u201eerkennen\u201c, indem wir \u201eeines mit einem anderen erkl\u00e4ren\u201c. Das nennt man Dualit\u00e4t. Um z.B. Dunkelheit zu erkl\u00e4ren, m\u00fcssen wir sie der Helligkeit entgegenstellen. So funktioniert das aber mit dem reinen Bewusstsein nicht, denn es ist etwas vollkommen anderes. Unser Verstand ist ratlos und mithin sinnlos.<\/p>\n<p>Deswegen wurden von den Zenmeistern die sogenannten Koans entwickelt. Eines der bekanntesten ist: \u201eWie klingt das Klatschen einer Hand?\u201c Der Verstand wird ausgetrickst, er ist ratlos, weil er sagt: \u201eDas geht doch nicht!\u201c<\/p>\n<p>Nur auf meditativem Weg ist das zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Das Raja-Yoga, wie es Patanjali in seinen Sutren darlegt, ist wesentlich elaborierter. Ich sagte in Teil I, dass Yoga auf der Samkhya- Philosophie fu\u00dft. Das Samkhya ist die Theorie, Yoga ist die Umsetzung.<\/p>\n<p>Im Folgenden verwende ich KI-Definitionen, weil sie kurz und pr\u00e4gnant sind.<\/p>\n<p>Das Wort S\u0101\u1e43khya bedeutet \u201eAufz\u00e4hlung\u201c oder \u201eAnalyse\u201c \u2013 es bezieht sich auf die systematische Aufz\u00e4hlung der Prinzipien (Tattvas), die das Universum bilden.<\/p>\n<p>Der legend\u00e4re Begr\u00fcnder ist Weise Kapila (Kapila Muni).<br \/>\nDer wichtigste erhaltene Text ist die S\u0101\u1e43khya-K\u0101rik\u0101 von \u012a\u015bvarak\u1e5b\u1e63\u1e47a (ca. 4.-5. Jh. n. Chr.).<br \/>\nDas S\u0101\u1e43khya (w\u00f6rtlich Zahl, Aufz\u00e4hlung) ist eines der sechs klassischen indischen Philosophiesysteme (\u1e63a\u1e0d-dar\u015banas).<br \/>\nEs gilt als eines der \u00e4ltesten und grundlegendsten Denksysteme des Hinduismus und bildet die theoretische Grundlage des Yoga.<\/p>\n<p>Sehen wir uns nun die einzelnen Tattvas an:<\/p>\n<p>Die zwei grundlegenden kennen wir schon.<\/p>\n<p>Purusha<br \/>\nDas reine Bewusstsein, das Selbst, der \u201eBeobachter\u201c. Passiv, unver\u00e4nderlich.<br \/>\nPrakrti<br \/>\nDie Urnatur oder Materie. Aktiv, dynamisch, unbewusst \u2013 die Quelle des gesamten Universums.<\/p>\n<p>Man kann sich Purusha als einen farblosen, v\u00f6llig klaren geschliffenen Diamanten vorstellen. Vollkommen hei\u00dft: Es gibt nichts mehr daran herumzuschleifen.<\/p>\n<p>Die Crux ist, dass er alles, was man ihm vorh\u00e4lt, ohne Wertung reflektiert. Wenn ich mir also gedanklich vorstelle, ich m\u00f6chte sein wie Brad Pitt, dann nimmt er diese Gestalt an. Sehe ich anderntags alles schwarz, dann bin ich auch das.<\/p>\n<p>Er erkennt sich nicht selbst.<\/p>\n<p>Nun gibt es ein Zusammenspiel mit der Materie (Prakrti). Sie hat die Aufgabe, Erfahrungen zu liefern, die das Individuum in die Lage versetzen, \u201esich selbst\u201c zu erkennen.<\/p>\n<p>Erinnern Sie sich, wir sagten, der wahre Mensch ist Purusha.<\/p>\n<p>Die Materie wird uns also Erfahrungen bieten, die uns der Erkenntnis n\u00e4her bringen. Wenn wir zum Beispiel durch Sturheit und Ignoranz wegen eines bestimmten Pers\u00f6nlichkeitsmerkmals oft und noch \u00f6fter \u201eauf die Schnauze\u201c gefallen sind, kann es sein, dass es \u201elangsam d\u00e4mmert\u201c und wir erkennen, dass diese \u201eschlechten\u201c Erfahrungen doch nicht nur negativ zu sehen sind, sondern im Nachhinein dazu dienten, uns zu ver\u00e4ndern. Irgendwann kommen wir dann vielleicht zu der Erkenntnis, dass alles, was wir erleben, dazu dient, uns \u201eweiter\u201c zu bringen.<\/p>\n<p>Yoga sieht Purusha als den Lahmen, der zwar vollkommen ist, aber aus dieser Vollkommenheit heraus nicht handelt. Prakrti ist der Blinde, der ohne das Bewusstsein ziellos vor sich hin eiern w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Der \u201edumme\u201c Lahme bietet dem \u201efunkelnden\u201c Blinden so lange Erfahrungen an, bis dieser sich nicht mit allem identifiziert, sich also \u201eselbst erkennt\u201c.<\/p>\n<p>Das ist Kaivalya oder Mukti, die Befreiung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(wird fortgesetzt)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem meiner Yogakurse hatte ich einmal eine etwa 78 Jahre alte Frau, vielseitig interessiert, die sogar noch damit angefangen hatte, Russisch zu lernen. 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