{"id":381,"date":"2017-03-15T17:06:34","date_gmt":"2017-03-15T16:06:34","guid":{"rendered":"http:\/\/gpflug.de\/website\/?p=381"},"modified":"2018-05-25T14:13:06","modified_gmt":"2018-05-25T12:13:06","slug":"paedagogik-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2017\/03\/15\/paedagogik-teil-1\/","title":{"rendered":"P\u00e4dagogik Teil 1"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, h\u00f6re ich meistens eigene Musik aus der Konserve. Manchmal ist aber der Akku leer und ich entschlie\u00dfe mich, nach einigem Z\u00f6gern, das Radio einzuschalten. Ich wei\u00df genau, wie das endet. Nach sp\u00e4testens zehn Minuten kehrt in meinem Auto wieder Stille ein, weil dieses unertr\u00e4gliche Geschw\u00e4tz und dieses banale Gedudel meine durch eiserne Yogapraxis gest\u00e4hlten Nerven \u00fcberbelastet.<br \/>\nZudem erf\u00fcllt das Geh\u00f6rte meinen Geist mit Gram und Sorge und zwar in Bezug auf das Bildungsniveau des bayerischen Volkes. Wie anders ist es zu erkl\u00e4ren, dass nach jedem dieser banalen Liedchen die Ansage:\u201eBayern eiiiiins oder Bayern draaaaiii\u201c kommt? Offensichtlich misstraut man im Staatsrundfunk der Merkf\u00e4higkeit der Landeskinder, sodass man ihnen in relativ kurzen Abst\u00e4nden sagen muss, was sie gerade h\u00f6ren.<!--more--><br \/>\nDas deckt sich mit den Klagen von Lehrherren (was gebrauche ich heute aber auch wieder f\u00fcr antiquierte Begriffe), dass ihre Lehrlinge nur noch rudiment\u00e4re Schreib &#8211; und Lesef\u00e4higkeiten besitzen. Ach was rede ich da, dieselbe Klage ist ja auch von den Universit\u00e4ten \u00fcber die dort angetretenen Abiturienten zu h\u00f6ren. Mir ist es v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich, wie es dahin kommen konnte. Da ist eine unerm\u00fcdliche Kultusb\u00fcrokratie, die keine M\u00fche scheut, den Lehrk\u00f6rper der Schulen und Bildungseinrichtungen st\u00e4ndig mit den neuesten p\u00e4dagogischen Erkenntnissen zu versorgen. Vor allem auch mit dem richtigen Timing, d.h. immer dann, wenn eine Neuerung gerade soweit einge\u00fcbt war, dass sie lief, kommt eine neue Anweisung.<br \/>\nAls ich in die erste Klasse ging, sa\u00df die zweite Klasse in der n\u00e4chsten Schulbankreihe, die Lehrerin sa\u00df vorne und lehrte. Ich habe w\u00e4hrend meiner ganzen Schulzeit keinen Stuhlkreis gebildet und an keiner Freiarbeit teilgenommen, geschweige denn selbstbestimmte Sitzordnung genossen.<br \/>\nTrotzdem beherrschten wir den uns vermittelten Lernstoff und zeigten auch annehmbares Sozialverhalten.<br \/>\nJede Innovation muss sich meines Erachtens in Bezug auf ihren Nutzen bew\u00e4hren. Sind das gl\u00fccklichere Kinder mit einem erf\u00fcllteren Dasein, die am Ende all dieser p\u00e4dagogischen Bem\u00fchungen heraus kommen? Ich habe Zweifel. Erfinden sie das Rad neu? Ich sehe nichts davon. Haben sie mehr soziale Kompetenz? Ich sehe eher weniger.<br \/>\nNun ist die Schule nur ein Faktor im Sozialisationsprozess. Demgegen\u00fcber steht eine gewaltige Macht an Medien und Konsumverlockungen. Um so mehr w\u00e4re es wichtig, dass Lehrer Personen sind, die als Beziehungspersonen eine Ankerfunktion in diesem Strudel von Reizen und Eindr\u00fccken, die auf Kinder und Jugendliche einst\u00fcrmen, darstellen k\u00f6nnten.<br \/>\nDie erste Regel der Gruppenp\u00e4dagogik lautet:\u201eAnfangen, wo die Gruppe oder der Einzelne steht.\u201c<br \/>\nWie soll das funktionieren, wenn 28 Kinder mit verschiedenster Herkunft in der Klasse sitzen und neuerdings auch noch Behinderte inkludiert werden sollen?<br \/>\nIm Grunde wei\u00df jeder P\u00e4dagoge, dass das alles nicht zu leisten ist. Da man aber politisch den Zwang hat, irgend einen Weiterentwicklungsprozess in Gang zu bringen, entwickelt man Aktionismus. Man verlangt Evaluationen, Wortgutachten, die keiner liest und was wei\u00df ich noch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei w\u00e4re es so einfach. Man br\u00e4uchte die Klassen nur auf 10 Sch\u00fcler begrenzen und dem Lehrer unn\u00f6tige Aufgaben vom Halse halten. Er h\u00e4tte Zeit, sich mit dem einzelnen Kind zu besch\u00e4ftigen. Es k\u00f6nnten wirkliche Beziehungen aufgebaut werden. Man k\u00f6nnte individualisieren und die Gruppe w\u00e4re so \u00fcberschaubar, dass auch ein behindertes Kind mitbetreut werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum macht man das nicht?<br \/>\nWeil das richtig sch\u00f6n teuer w\u00e4re! Man m\u00fcsste Leute einstellen. Einfacher und billiger ist, zu sagen, wir machen jetzt auf Inklusion, das ist im Trend, stecken in jede inhomogene Klasse noch ein gehandicaptes Kind und k\u00f6nnen sagen: \u201eSeht her, wie fortschrittlich wir sind.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich mich bei meiner Meckerei nicht in eine stolze Ahnenreihe von Unken einreihe und alles gar nicht so schlimm ist, weil es schon immer so war. Siehe Zitat unten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist b\u00f6se, gottlos und faul. Sie wird niemals so sein wie die Jugend vorher, und es wird ihr niemals gelingen, unsere Kultur zu erhalten\u201c (1000 v. Chr., Babylonische Tontafel).<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, h\u00f6re ich meistens eigene Musik aus der Konserve. Manchmal ist aber der Akku leer und ich entschlie\u00dfe mich, nach einigem Z\u00f6gern, das Radio einzuschalten. Ich wei\u00df genau, wie das endet. 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