{"id":3630,"date":"2024-07-28T12:50:27","date_gmt":"2024-07-28T10:50:27","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=3630"},"modified":"2024-07-28T12:50:27","modified_gmt":"2024-07-28T10:50:27","slug":"wer-bin-ich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2024\/07\/28\/wer-bin-ich\/","title":{"rendered":"Wer bin ich?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3632\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/IMG_20240727_140646-225x300.jpg\" alt=\"Img 20240727 140646\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/IMG_20240727_140646-225x300.jpg 225w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/IMG_20240727_140646-768x1024.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/IMG_20240727_140646-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/IMG_20240727_140646-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/IMG_20240727_140646-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/>Als ich 1978 im Yogainstitut in Mumbai war, lebte Shri Yogendra noch, der \u201eFounder\u201c, wie er von uns allen genannt wurde. Er gr\u00fcndete das Institut 1918, als Indien noch britisch war. Es war damals nicht leicht, er musste sich zum Beispiel um Zement von den Briten bem\u00fchen. Das Land, auf dem die Anlage errichtet wurde, war eine Spende von Devotees.<\/p>\n<p>Er war eine beeindruckende Pers\u00f6nlichkeit mit starkem Willen, der keinen Widerspruch duldete. Er war Yogi und Macher, musste er auch sein, um diese Institution zum Leben zu erwecken. Er war nicht sanft. Als Raja- Yogi und fest in der Samkhya- Philosophie verwurzelt, glaubte er nicht an Gott und hielt alle, die in die Tempel rannten, um dort R\u00e4ucherst\u00e4bchen anzuz\u00fcnden, f\u00fcr Narren. Als eines Tages in einem Nachbarhaus eine religi\u00f6se Sekte einzog und schon morgens um f\u00fcnf Uhr Puja hielt, schimpfte er wie ein Rohrspatz und nach f\u00fcnf Tagen L\u00e4rm waren die \u201eNarren\u201c raus.<!--more--><\/p>\n<p>Von den indischen Sch\u00fclern und Besuchern wurde er sehr verehrt und auch ich hatte gro\u00dfen Respekt vor ihm \u2013 aber beeindruckt war ich nicht. Warum? Weil ich zu viel von mir selbst in ihm sah.<\/p>\n<p>Mein Guru war sein Sohn, Dr. Jayadeva Yogendra, das Ebenbild eines Karma-Yogis, der mit unersch\u00fctterlichem Gleichmut alles akzeptierte, dem keine T\u00e4tigkeit zu gering war und der mit Geduld versuchte, uns Studenten aus unserer Ignoranz zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>So wollte ich werden!<\/p>\n<p>Was aufzubauen, B\u00fccher zu schreiben, das kann ich auch, dachte ich, aber das Dasein in Gleichmut und Akzeptanz zu leben und sich nie im Spiel der Gunas zu verlieren, sondern den Purusa hinter all dem Weltentrubel zu sehen, das war es, was mich faszinierte.<\/p>\n<p>In dieser Haltung sah ich auch eine gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit mit meiner \u201eLieblingspsychotherapieschule\u201c, der klientenzentrierten Psychotherapie nach Carl Rogers, mit der ich schon einige Jahre fr\u00fcher in Ber\u00fchrung gekommen war und die ich sp\u00e4terhin im Verein mit Yoga auch jahrzehntelang praktizierte.<\/p>\n<p>Aber \u2013 ich bin von Haus aus Sozialp\u00e4dagoge. Das habe ich studiert, weil ich das Unrecht und die Ungleichheit auf der Welt bek\u00e4mpfen wollte. Ich sah das sehr politisch als 68er.<\/p>\n<p>Auch das ist noch da, und mich packt selbst heute, nach so vielen Jahrzehnten, ein m\u00f6rderischer Zorn, wenn ich sehe, was in diesem Land und auf diesem Kontinent auf politischer Ebene alles schiefl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Eigentlich, denke ich oft, eigentlich m\u00fcsste ich k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Diesen Zwiespalt kennen viele von uns.<\/p>\n<p>Hier muss man sich entscheiden, was man als seine Lebensarbeit ansieht. Founder erz\u00e4hlte uns einmal eine Geschichte: Ein Mensch war auf dem Weg zum Bahnhof. Unterwegs traf er Freunde, die ihn am Weitergehen mit ihren Sorgen und Geschichten aufhielten. Als h\u00f6flicher Mensch wollte er sie nicht br\u00fcskieren. Als er schlie\u00dflich am Bahnhof ankam, war der Zug abgefahren.<\/p>\n<p>\u201eDer Zug ist abgefahren\u201c, ist nicht umsonst eine Redensart, die etwas endg\u00fcltig Vers\u00e4umtes beschreibt.<\/p>\n<p>Richard David Precht schrieb 2007 ein Buch mit dem Titel \u201eWer bin ich &#8211; und wenn ja, wie viele?\u201c<\/p>\n<p>Wir sind keine homogenen Pers\u00f6nlichkeiten, sondern aus vielen Fragmenten zusammengesetzt, die teilweise sehr divergieren.<\/p>\n<p>Da ist der Yogi neben dem Stra\u00dfenk\u00e4mpfer. Die sanfte Frau neben der femme fatale. Der Erdulder neben dem M\u00f6rder.<\/p>\n<p>Es gilt, wahrzunehmen, wof\u00fcr es sich lohnt zu leben und das dann trotz manchen Irrungen und Wirrungen nicht aus dem Sinn zu verlieren.<\/p>\n<p>Das Leben, liebe Leser, ist ein Jahrzehnteprojekt und kein Wochenendseminar!<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich 1978 im Yogainstitut in Mumbai war, lebte Shri Yogendra noch, der \u201eFounder\u201c, wie er von uns allen genannt wurde. Er gr\u00fcndete das Institut 1918, als Indien noch britisch war. Es war damals nicht leicht, er musste sich zum Beispiel um Zement von den Briten bem\u00fchen. Das Land, auf dem die Anlage errichtet wurde, &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/2024\/07\/28\/wer-bin-ich\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eWer bin ich?\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Wer bin ich? - Yoga Life Gerhard Pflug","description":"Als ich 1978 im Yogainstitut in Mumbai war, lebte Shri Yogendra noch, der \u201eFounder\u201c, wie er von uns allen genannt wurde. Er gr\u00fcndete das Institut 1918, als Indi"},"footnotes":""},"categories":[6,11,8],"tags":[],"class_list":["post-3630","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kategorie-2","category-psychologie","category-kategorie-3"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3630","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3630"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3630\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3633,"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3630\/revisions\/3633"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3630"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3630"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3630"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}