{"id":3543,"date":"2024-05-05T18:45:24","date_gmt":"2024-05-05T16:45:24","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=3543"},"modified":"2024-05-05T18:45:24","modified_gmt":"2024-05-05T16:45:24","slug":"ich-bin-besser-als-du","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2024\/05\/05\/ich-bin-besser-als-du\/","title":{"rendered":"Ich bin besser als du&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3545\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_20240428_104818-225x300.jpg\" alt=\"Img 20240428 104818\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_20240428_104818-225x300.jpg 225w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_20240428_104818-768x1024.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_20240428_104818-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_20240428_104818-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_20240428_104818-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/>\u2026 und mein Papa ist vielhundertmal st\u00e4rker als deiner.\u201c So sprechen Kinder und so behalten wir diese Denke unser Leben lang bei.<\/p>\n<p>Die Pers\u00f6nlichkeitsmodelle verschiedener psychologischer Schulen stimmen in Bezug auf die Funktionsweise unserer Wahrnehmung \u00fcberein. Nehmen wir das Klienten zentrierte Modell nach Carl Rogers. Es besagt: Wir befinden uns in einem kontinuierlichen Wahrnehmungsprozess und unser Intellekt entscheidet, was wir in unser Selbstbild aufnehmen. Das hei\u00dft, wir kommunizieren st\u00e4ndig mit der Au\u00dfenwelt und setzen uns mit ihr in Beziehung. Daraus bildet sich unsere Wahrnehmung \u00fcber uns selbst. Das, was wir f\u00fcr uns, sowohl nach innen als auch nach au\u00dfen, als zu uns passend empfinden, nehmen wir an. Anderes lehnen wir ab. Wir sagen dann: \u201eDas bin ich.\u201c<!--more--><\/p>\n<p>In Freuds Modell, in dem sich die Pers\u00f6nlichkeit aus Es, Ich und \u00dcber-Ich zusammensetzt, \u00fcbernimmt das Ich, das wir als bewusstes Wahrnehmen ansehen, die Mittlerrolle zur Au\u00dfenwelt. Das Es ist das Unterbewusste, Triebhafte, weitgehend Unkontrollierbare und das \u00dcber-Ich fungiert als moralische Instanz.<\/p>\n<p>Das Es sagt: \u201eDich mache ich fertig, weil du mir im Weg stehst.\u201c Das \u00dcber-Ich meint: \u201eDas kannst du doch nicht tun, wo bleibt dein Humanismus?\u201c Das Ich schlie\u00dflich muss den Kompromiss finden, indem es sagt: \u201eFresse polieren w\u00e4re ja nett, geht aber aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht und aus lauter Menschenfreundlichkeit ganz auf meine W\u00fcnsche verzichten geht auch nicht, also rede ich mal ganz freundlich mit dem Typ, der mich nervt.\u201c<\/p>\n<p>In der Entwicklungspsychologie sagen wir, dass sich das heranwachsende Kind an den R\u00fcckmeldungen aus der Au\u00dfenwelt in der Welt orientieren kann. Das ist Sozialerziehung.<\/p>\n<p>Die wichtigste Rolle spielen bei diesem Prozess die Eltern. Sie leiten das Kind in die Welt hinaus und erweitern im Idealfall den Aktionsrahmen des Kindes entsprechend seiner wachsenden Kapazit\u00e4t zur Selbstbestimmung.<\/p>\n<p>Nur &#8211; ideal l\u00e4uft es nie ab. Da hagelt es willk\u00fcrliche Ge- und Verbote. Da werden die \u00c4ngste und W\u00fcnsche der Eltern unreflektiert auf die Kinder \u00fcbertragen. Fast nie kommt ein Mensch aus dem ganzen Erziehungsprozess und der Zeit des Heranwachsens so heraus, dass er zu sich sagt: \u201eDas bin ich, und damit bin ich zufrieden!\u201c<\/p>\n<p>So steigen wir in den lebenslangen Prozess des sich mit anderen Vergleichens ein. Wir schielen permanent auf andere Meinungen. Wir fragen uns, ob der Andere besser ist als wir: dicker, d\u00fcnner, st\u00e4rker, gr\u00f6\u00dfer, erfolgreicher usw.<\/p>\n<p>Meistens ergibt sich daraus eine ganze Weltsicht. Was immer dann erlebt wird, wird in einen Vergleich zu einem anderen gesetzt: \u201eDa war es sch\u00f6ner als dort. Dies hat besser geschmeckt als das. Der hat mich freundlicher angesehen als die. Dieses Wetter ist mir lieber als jenes usw.\u201c<\/p>\n<p>Man kann spirituelles Wachstum von verschiedenen Seiten her definieren. Ein wesentliches Merkmal ist aber, wenn man aus diesem K\u00e4fig des Vergleichens herauskommt. Dazu geh\u00f6rt auch eine zunehmende Unabh\u00e4ngigkeit von Sympathien und Antipathien in Bezug auf andere Menschen. Leider ist das nicht zum Nulltarif zu haben. Es ist ein langer, teilweise schmerzhafter Prozess.<\/p>\n<p>Mit zunehmendem Fortschritt ist man mehr bei sich. Dies f\u00fchlt sich anf\u00e4nglich befremdlich an, denn das st\u00e4ndige \u201esich zu anderen in Beziehung setzen\u201c ist nat\u00fcrlich mit mehr oder weniger starken Gef\u00fchlen verbunden. Wir lieben ja starke Gef\u00fchle, sogar den \u00c4rger. Sonst w\u00fcrden wir uns nicht immer wieder mit Wonne hineinst\u00fcrzen. Diese \u201eLeiden\u201c- schaftlichkeit weicht einer gelasseneren inneren Unabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p>Das Motto, unter dem diese Erfahrung einzuordnen w\u00e4re, k\u00f6nnte vielleicht lauten:<\/p>\n<p>\u201eWenn&#8217;s denn so ist, dann ist es so, das entscheidet aber nicht, wer ich bin!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 und mein Papa ist vielhundertmal st\u00e4rker als deiner.\u201c So sprechen Kinder und so behalten wir diese Denke unser Leben lang bei. Die Pers\u00f6nlichkeitsmodelle verschiedener psychologischer Schulen stimmen in Bezug auf die Funktionsweise unserer Wahrnehmung \u00fcberein. Nehmen wir das Klienten zentrierte Modell nach Carl Rogers. 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