{"id":3316,"date":"2023-08-05T18:20:34","date_gmt":"2023-08-05T16:20:34","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=3316"},"modified":"2023-08-05T18:25:19","modified_gmt":"2023-08-05T16:25:19","slug":"warum-musste-jesus-sterben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2023\/08\/05\/warum-musste-jesus-sterben\/","title":{"rendered":"Warum musste Jesus sterben?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1675\" aria-describedby=\"caption-attachment-1675\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1675\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/PICT0085-225x300.jpg\" alt=\"Digital StillCamera\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/PICT0085-225x300.jpg 225w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/PICT0085-768x1024.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/PICT0085.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1675\" class=\"wp-caption-text\">Digital StillCamera<\/figcaption><\/figure>\n<p>Noch immer die meisten der Deutschen geh\u00f6ren einer der zwei gro\u00dfen Kirchen an. Auch ich war ein gut Teil meines Lebens Mitglied der Evangelischen Kirche. Schon in der Volksschule mussten wir den Kleinen Katechismus auswendig lernen. Dann kam der Kindergottesdienst, mit<\/p>\n<p>Anwesenheitspflicht, die auch durch die Unterschrift des Diakons best\u00e4tigt wurde. Zu h\u00e4ufiges Fehlen wurde mit der Androhung der Verweigerung der Konfirmation geahndet. Schlie\u00dflich folgte der Pr\u00e4paranden- und Konfirmandenunterricht. Zur Konfirmation mit Vierzehn bot mir Onkel Gustav die erste Zigarette an.<!--more--><\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mal sagen, dass ich ziemlich bibelfest bin. Ich kann von Kindesbeinen an die Evangelien in der Reihenfolge hersagen und auch die B\u00fccher des Alten Testaments. Viele Textstellen kenne ich und ich lernte ihre Sch\u00f6nheit und Poesie sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Als ich 70 wurde, besuchte mich der hiesige Pfarrer und wunderte sich, dass er mich nicht kannte. Ich sagte ihm, dass ich mich von den Gottesdiensten nicht recht angesprochen f\u00fchlte und deswegen auch nicht mehr hingehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Er lud mich zu alle vierzehn Tage stattfindenden Gespr\u00e4chsabenden ein, die dr\u00e4ngende Fragen kl\u00e4ren k\u00f6nnten. Ich warnte ihn, dass ich mich nicht mit einfachen Antworten zufrieden geben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Zweimal ging ich hin und dann tat er mir leid und zwar deswegen, weil er mir hilflos vorkam.<\/p>\n<p>Denn \u2013 er konnte trotz all seines \u201eFachwissens\u201c keine meiner Fragen kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Warum musste Jesus am Kreuz sterben, um mir und allen anderen Menschen unsere S\u00fcnden zu vergeben?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal, um welche S\u00fcnden geht es eigentlich? Und was sind S\u00fcnden? Ich und alle anderen Lebenden waren ja noch gar nicht geboren?<\/p>\n<p>Warum kann Gott, der ja allm\u00e4chtig ist, nicht einfach sagen: \u201eOK Leute, Schwamm dar\u00fcber, vergeben und vergessen.\u201c<\/p>\n<p>Ich habe das Ganze bewusst etwas naiv formuliert, aber im Kern bleiben diese Fragen bestehen und ich finde es traurig, dass ich und wohl auch viele andere Menschen die zentrale Botschaft der Religion nicht verstehen, mit der wir aufgewachsen sind.<\/p>\n<p>Manchmal denke ich, dass Jesus der am meisten missverstandene und vielleicht missbrauchte Mensch ist, der \u00fcber den Boden Pal\u00e4stinas ging. Er war Jude und wollte den j\u00fcdischen Glauben von zeremoniellem Ballast befreien. Er hatte nie vor, eine neue Religion zu gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Er war im besten Sinn ein Heiliger, der sich mit Fug und Recht als Gottes Sohn bezeichnen konnte. An seinem letzten Abend zeigte er uns sein Menschsein. Er hatte Angst und bat seine Gef\u00e4hrten, mit ihm zu wachen. Ich hatte nie den Eindruck, dass er sterben wollte und es w\u00e4re auch nie geschehen, wenn der Zelot Judas nicht seine eigenen Pl\u00e4ne gehabt h\u00e4tte. Er wollte aus Jesus einen politischen M\u00e4rtyrer machen, dessen Charisma das Volk zum Aufstand gegen die r\u00f6mische Besatzungsmacht rufen sollte.<\/p>\n<p>Dem stand aber ganz klar sein Wort \u201eMein Reich ist nicht von dieser Welt\u201c entgegen. Es war auch nicht seine Sache, auszuweichen, d.h. zu fliehen. Er hatte eine Botschaft und zu der stand er.<\/p>\n<p>Der Tod am Kreuz ist die sch\u00e4ndlichste Hinrichtungsart, die man damals kannte. F\u00fcr seine Apostel, insbesondere Paulus, musste es ein Problem gewesen sein, dass ihr \u201eChristus\u201c so sterben sollte. Sein Kreuzigungstod musste also einen \u201eh\u00f6heren Zweck\u201c erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Man darf nicht vergessen, dass Jesus nie ein geschriebenes Wort hinterlassen hat. Die Evangelien wurden Jahrzehnte sp\u00e4ter geschrieben. Die genaue Urheberschaft ist unbekannt. Das hei\u00dft, die Botschaft wurde im Laufe der Jahrzehnte mit sehr menschlichen, mithin weltlichen Interessen vermischt.<\/p>\n<p>In der Geschichte der Kirche ging es von Anfang an um die Vergebung der S\u00fcnden durch die Priester. Der Ablasshandel war ja letztlich auch ein wesentlicher Grund f\u00fcr die Reformation. In den ersten Jahrhunderten nach Jesu Tod stand das Papsttum noch auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Die Geschichte der sogenannten Kirchenv\u00e4ter zeigt, wie hart um das Dogma gerungen wurde. Man brauchte also etwas wirklich Zugkr\u00e4ftiges, um eine Religion mit all ihren Instrumenten zu erschaffen.<\/p>\n<p>Jesus sagte zu Petrus: \u201eDu bist der Fels, auf dem ich meine Kirche erbauen werde.\u201c Von Nachfolgern Petrus&#8216; hat er aber nicht gesprochen. Dazu machten sich die P\u00e4pste selbst. Hier ging es immer auch um Macht. Also argumentierte man:<\/p>\n<p>Wer an Jesus glaubt und daran, dass er f\u00fcr die S\u00fcnden jedes einzelnen Menschen am (sch\u00e4ndlichen) Kreuz gestorben ist und der durch Petrus begr\u00fcndeten Papstkirche folgt, erwirbt die ewige Seligkeit.<\/p>\n<p>Die \u201eAnderen\u201c werden schrecklich bestraft.<\/p>\n<p>Ich meine aber, dass \u201eGlauben\u201c zu wenig ist. Jesu&#8216; Botschaft war Liebe als Daseinsform. S\u00fcnde ist das Abfallen von dieser Art des Lebens. Noch gr\u00f6\u00dfere \u201eS\u00fcnde\u201c ist das Liegenbleiben, das Aufgeben nach einem \u201eS\u00fcndenfall\u201c. Vergeben in diesem Sinn bedeutet also: Wer in konstantem Bem\u00fchen lebt, das, was Jesus als zentrale Botschaft verk\u00fcndet hat zu verwirklichen, dem ist vergeben.<\/p>\n<p>Der Tod am Kreuz ist meiner Meinung nach ein politisches Fanal, um sich eines l\u00e4stigen St\u00f6renfrieds zu entledigen.<\/p>\n<p>Mir ist klar, dass das in krassem Gegensatz zum Dogma steht, aber ich bin \u00fcberzeugt, dass sich jeder Mensch auf seinem ganz eigenen Weg dem G\u00f6ttlichen ann\u00e4hern muss.<\/p>\n<p>Wenn man weiter denkt, muss man zu dem Schluss kommen, dass der Kreuzigungstod sinnlos war und die damit verkn\u00fcpfte Leidensreligion, mit der Erde als Jammertal, auch.<\/p>\n<p>Denn &#8211; wenn die zentrale Botschaft von Gottes Sohn die Liebe ist, w\u00e4re es dann nicht ein Riesenwiderspruch, wenn man das Leiden, die S\u00fcnde, das B\u00fc\u00dfen und all das, was die Kirche an Verfluchen \u00fcber die Menschen gebracht hat, als wahr nimmt?<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch immer die meisten der Deutschen geh\u00f6ren einer der zwei gro\u00dfen Kirchen an. 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