{"id":2561,"date":"2021-08-16T09:47:03","date_gmt":"2021-08-16T07:47:03","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=2561"},"modified":"2021-08-17T14:13:46","modified_gmt":"2021-08-17T12:13:46","slug":"tat-twam-asi-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2021\/08\/16\/tat-twam-asi-teil-3\/","title":{"rendered":"Tat Twam Asi (Teil 3)"},"content":{"rendered":"<p>2a<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2563\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Indien-36-200x300.jpg\" alt=\"Indien-36\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Indien-36-200x300.jpg 200w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Indien-36-683x1024.jpg 683w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Indien-36-768x1152.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Indien-36-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Indien-36-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Indien-36-scaled.jpg 1706w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/>Ich m\u00f6chte hier n\u00e4her auf die Chandogya Upanischad eingehen. Sie enth\u00e4lt die wohl bekannteste Aussage aller Upanischaden und damit die Essenz der dort immer wieder behandelten Fragen: \u201eTat Tvam Asi \u2013 Das bist Du!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Geschichte erz\u00e4hlt\u00a0 von dem zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Svetaketu, der von seinem Vater in den Ashram ( Einsiedelei oder Kloster) eines Guru zur Unterweisung geschickt wurde. Nach zw\u00f6lf Jahren der Unterweisung kehrt Svetaketu voll Stolz auf sein Wissen nachhause zur\u00fcck. Wir erleben hier einen Vorgang, der f\u00fcr Menschen wohl zu allen Zeiten symptomatisch war, n\u00e4mlich die \u00dcbersch\u00e4tzung von intellektuellem Wissen. Dies bringt uns zu der Frage, was zu lernen sich eigentlich lohnt? Wir haben im Leben eine bestimmte Zeit zur Verf\u00fcgung. Womit f\u00fcllen wir sie? Hat die Zeit eventuell eine Bedeutung f\u00fcr uns? Warum leben Menschen eigentlich unterschiedlich lange? Der eine hat die Gene, der andere eben jene, mag jetzt die allgemeine Antwort lauten. Aber warum? Ist das nicht ungerecht, wenn es denn so w\u00e4re? Ja aber gemach \u2013 hat denn irgendeiner behauptet, dass es auf der Welt gerecht zugehe? Hat die uns zugemessene Zeit vielleicht mit den Inhalten zu tun, die wir in dieser Zeitspanne zu erledigen haben? Wenn dem so w\u00e4re, und ich f\u00e4nde diesen Gedanken sehr sympathisch, dann h\u00e4tte keiner Grund sich \u00fcber die ihm zur Verf\u00fcgung stehende Zeit zu beklagen, denn es w\u00e4re leicht einsehbar, dass f\u00fcr unterschiedliche Aufgaben, unterschiedliche Zeitspannen zu Verf\u00fcgung stehen. Allerdings ist dann die gewichtige Problemstellung gegeben, dass jeder Mensch diese Zusammenh\u00e4nge erkennen und f\u00fcr sich eine ad\u00e4quate L\u00f6sung finden muss.<!--more--><\/p>\n<p>Letztlich geht es um den Sinn des Lebens. Seit es Menschen gibt, gibt es daf\u00fcr diverse Antworten. Die einen sehen ihn im Erfolg. Die anderen wollen soviel wie m\u00f6glich erleben und von der Welt sehen. Nur nichts anbrennen lassen, lautet die Devise f\u00fcr viele.<\/p>\n<p>Genau um diese Fragestellungen geht es in unserer Geschichte. Es passiert jetzt n\u00e4mlich folgendes: Der Vater, ein weiser Brahmane ist entsetzt \u00fcber die \u00dcberheblichkeit seines Spr\u00f6sslings und stutzt ihn umgehend auf Normalma\u00df zurecht indem er ihn auf die ultimative Fragestellung hinweist: \u201e Svetaketu, mein lieber Sohn, hast du dich mit der Wesenheit, durch deren Kenntnis das Ungeh\u00f6rte ein schon Geh\u00f6rtes, das, wor\u00fcber man noch nicht nachgedacht hat, ein schon gekanntes wird, und selbst das, welches unbekannt ist, bekannt wird?\u201c<\/p>\n<p>Ungleich zu heute, wo der Junge sich denken mag: \u201eWor\u00fcber redet der Alte?\u201c, bittet Svetaketu, unf\u00e4hig, die\u00a0 Fragestellung zu begreifen den Vater, ihn zu belehren. Hier nun beginnt die zweite Stufe der Ausbildung. Svetaketu wird bewusst, dass er die Essenz der Veden nicht erkannt hat, vielmehr Gelehrsamkeit mit echter Erkenntnis verwechselt hat. Der Vater erkl\u00e4rt: \u201e Wenn man einen Scherben Ton genau studiert, erkennt man, dass alles andere, was auch aus Ton ist nur ein Spiel mit Worten ist. Dasselbe ist es mit einem Goldnugget. Studiere ihn genau und du siehst, dass jedes Goldgeschmeide, mit seinen Ornamenten und Verzierungen nur unterschiedliche Formen derselben Grundsubstanz sind. Erkenne die Eigenschaften eines St\u00fccks Stahl und du siehst, dass alles was jemals aus Stahl geschaffen werden k\u00f6nnte, ist nichts anderes, als ein Spiel mir Namen und Formen. Genauso, mein Sohn verh\u00e4lt es sich mit dieser Wesenheit, von der ich sprach. Wenn du sie erkennst, dann erkennst du alles in diesem Universum und siehst, dass die Unterschiede der Erscheinungsformen nicht mehr sind als mannigfaltige Namen und Formen.<\/p>\n<p>Wir sind hier an der zentralen Fragestellung aller Upanischaden angelangt. Gibt es eine Einheit hinter allen Erscheinungsformen, die das Universum hervorbringt? Diese Fragestellung ist faszinierend. Denn es ist unm\u00f6glich, alles was existiert zu studieren und zu erfassen. Warum also nicht radikal sein, und nach dem Urkern\u00a0 forschen und damit das Vielf\u00e4ltige erkennen? Wenn man an diese Fragestellung herangeht, dann bedarf es anderer Werkzeuge, als wenn ich die Erscheinungsformen studieren m\u00f6chte. M\u00f6chte ich die Psyche verstehen, werde ich mich wohl psychologischer Techniken bedienen. Beim Studium\u00a0 verschiedener Werkstoffe ben\u00f6tige ich Hilfsmittel aus der Chemie, der Physik, der Metallurgie usw.<\/p>\n<p>Je kleiner und zentraler der Forschungsgegenstand allerdings wird, desto schwieriger wird die Frage nach den Werkzeugen. Bisheriger Wissenstand bei den Grundelementen der Materie sind die Photonen, Neutronen und, noch tiefer die Quarks. Um hier weiter zu kommen, brauchen wir schon riesige Beschleuniger. Wenn wir noch tiefer kommen wollen, wird die Sache wieder \u201eeinfach\u201c. Denn dann k\u00f6nnen wir uns eines Werkzeuges bedienen, welches wir sozusagen fest eingebaut haben, n\u00e4mlich unser Denken.<\/p>\n<p>Damit meine ich nat\u00fcrlich nicht das, welches wir normalerweise benutzen. Das, durch welches in einer Sekunde eine Vielzahl von Gedanken taumelt, angefangen von dem Wunsch nach einer T\u00fcte Pommes bis zu Planung des n\u00e4chsten T\u00fcrkeiurlaubs. Nein, dieses Denken, dass wir dazu brauchen muss getunt werden.<\/p>\n<p>Chitta vrtti nirodah, so wird in Patanjalis Yogasutren Yoga definiert. \u201e Yoga ist die Unterdr\u00fcckung der Fluktuationen des Denkens.\u201c Wenn das Denken glasklar ist und sich ohne abzuschweifen auf einen Punkt richten kann, es also scharf wie eine Klinge den Wust von Gef\u00fchlen, Vorstellungen und Illusionen, die unser Bewusstsein st\u00e4ndig f\u00fcllen durchschneidet, dann erkennen wir die hinter den Erscheinungen liegende eine Wesenheit. Diese Erfahrung k\u00f6nnen wir immer wieder machen. Jeder sieht die Dinge klarer, wenn sein Denken ruhig und in sich ruhend ist. Wenn das schon in der Alltagsebene erfahrbar ist, wie sollte sich diese Erfahrung nicht bis ins unendlich feine reproduzieren lassen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2aIch m\u00f6chte hier n\u00e4her auf die Chandogya Upanischad eingehen. 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