{"id":2546,"date":"2021-08-08T19:02:41","date_gmt":"2021-08-08T17:02:41","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=2546"},"modified":"2021-08-08T19:02:41","modified_gmt":"2021-08-08T17:02:41","slug":"tat-twam-asi-das-bist-du","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2021\/08\/08\/tat-twam-asi-das-bist-du\/","title":{"rendered":"Tat Twam Asi &#8211; Das bist Du"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2548\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_20191002_174117-300x225.jpg\" alt=\"IMG_20191002_174117\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_20191002_174117-300x225.jpg 300w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_20191002_174117-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_20191002_174117-768x576.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_20191002_174117-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_20191002_174117-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Wir kennen viele Arten des Genie\u00dfens. Unsere Sinne sind wach und gesch\u00e4rft. Entsprechend unseres Einkommens ist es uns m\u00f6glich, uns mit exquisiten Dingen zu umgeben. Nun ist unser Denken ein eigent\u00fcmliches Wesen. Es ist uners\u00e4ttlich in seinem Hunger nach Eindr\u00fccken. In der Regel geben wir dem auch ohne Hemmung nach. Die Folge ist, dass unser Suchen nach Genuss in unz\u00e4hlige Richtungen geht. Das Ganze spielt sich gew\u00f6hnlich zum \u00fcberwiegenden Teil auf der materiellen Ebene ab und gibt uns einfach ein gutes Gef\u00fchl. Wenn wir das erste mal das neue Geschirr auf dem \u00e4sthetisch gedeckten Esstisch sehen, die dazu eingeladenen G\u00e4ste warten auf das mit Sorgfalt zubereitete Men\u00fc, dann ist das etwas erhebendes, etwas, dass uns \u00fcber das t\u00e4gliche Erleben hinaushebt. Wir ber\u00fchren in gewissem Sinne eine h\u00f6here Dimension. Ob es sich nun um Reiseandenken handelt, um sch\u00f6ne B\u00fccher oder um neue Blumen f\u00fcr den Garten, alles ist Teil unserer Identit\u00e4t. Manchmal m\u00f6gen wir inmitten unserer Welt stehen und dann f\u00fchlen wir ganz intensiv, das ist unser Leben, das sind wir.<!--more--><\/p>\n<p>Es geht also bei den Dingen, die wir erwerben weil sie uns gefallen nicht nur um das haben wollen. Sie geben uns auch ein Gef\u00fchl des zuhauseseins in dieser Welt. Sie sind Teil unserer Pers\u00f6nlichkeit. Wir schaffen uns damit einen ganz privaten Kosmos der uns aber auch von dem der Anderen trennt. Es w\u00e4re wichtig, diesen Stellenwert des materiellen zu erkennen und ihn folglich richtig einzuordnen.<\/p>\n<p>Die meisten von uns umgeben sich mit Sch\u00f6nem Wir sehen darin unbewusst einen Abglanz der universellen Sch\u00f6nheit. Ich denke, dass in jedem von uns ein Sehnen nach einer Erh\u00f6hung unserer selbst ist. Da ist oft ein Gef\u00fchl des verloren seins in einer Welt des permanenten Wandels. Dann ist es ein beliebtes L\u00f6sungsmittel, \u201eshopping\u201c zu gehen. Eine sch\u00f6ne Neuerwerbung vermag dunkle Gedanken zu vertreiben. Wir sind mit dem neuen St\u00fcck sozusagen wieder ein St\u00fcck reicher geworden. Unsere Pers\u00f6nlichkeit hat dazu gewonnen, auch in der Darstellung nach au\u00dfen. Wir haben uns auf der anderen Seite aber auch wieder ein St\u00fcck abgegrenzt und den Zaun wieder ein St\u00fcckchen h\u00f6her gebaut. Dieser Prozess wiederholt sich immer und immer wieder. Wenn wir genau hinschauen, dann k\u00f6nnen wir erkennen, dass uns das ausschlie\u00dfliche agieren auf der materiellen Ebene, trotz der gebotenen Sch\u00f6nheit und Befriedigung daraus auf einer bestimmten Bewusstseinsebene festh\u00e4lt. Eine L\u00f6sung w\u00e4re, wenn es gel\u00e4nge, auf eine h\u00f6here Ebene des Erlebens zu kommen. Wenn wir uns mit der Welt verbinden k\u00f6nnten, wir sie uns in ihrer ganzen Sch\u00f6nheit zueigen machen k\u00f6nnten, ohne den Umweg \u00fcber die Materie, die uns ja auch bindet.<\/p>\n<p>In seinem Buch \u201eReturn to the Source\u201c bedauert Lanza del Vasto, dass wir immer wieder des Sch\u00f6nen bed\u00fcrfen, um die Ganzheit und Gewaltigkeit der Sch\u00f6pfung zu erkennen. Ich denke, es w\u00e4re lohnenswert, unsere Wahrnehmung f\u00fcr Sch\u00f6nes zu entwickeln und zu verfeinern. Wenn ich in asiatischen L\u00e4ndern bin, dann stehe ich manchmal staunend vor unendlich feingeschnitzten Elfenbeinminiaturen und ich habe den Wunsch, eine davon zu besitzen. Ich kenne diesen Wunsch seit vielen Jahren und ich werde ihn mir nie erf\u00fcllen weil ich die Bilder und Berichte von hingeschlachteten Elefanten im Ged\u00e4chtnis habe und immer wieder fasziniert bin, von der Sch\u00f6nheit dieser Giganten. Ein anderes Beispiel. Vor vielen Jahren sah ich ein Foto einer franz\u00f6sischen B\u00e4uerin, die G\u00e4nse stopfte. Das hei\u00dft, dass diesen armen Tieren, Maisk\u00f6rner in die gestreckten H\u00e4lse gestopft werden, um bei ihnen G\u00e4nseleberpastete gewonnen wird. Nie, habe ich mir damals geschworen, werde ich G\u00e4nseleberpastete essen. Ein anderes Bild ist inzwischen bestimmend geworden.<\/p>\n<p>Wir fahren manchmal in einen kleinen Ort an der Altm\u00fchl. Dort gibt es eine stadtbekannte Gans, sie hat auch einen Namen, den ich inzwischen vergessen habe. Diese Gans l\u00e4uft vollkommen frei im ganzen Ort herum. Jeder kennt und respektiert sie. Wir haben sie beobachtet und entdeckten, dass das nicht ein x-beliebiger G\u00e4nsebraten ist, sondern eine Pers\u00f6nlichkeit mit Charaktereigenschaften. Auch hier kann man die \u00c4sthetik des Gaumens gegen die Sch\u00f6nheit des Lebendigen austauschen. Es geht bei allem um den Sinn, den wir dem Leben zumessen. F\u00fcr mich liegt der Sinn darin, zu versuchen, die engen Grenzen des Egos zu erweitern und zu einer mehr ganzheitlicheren Schau der Realit\u00e4t zu kommen. Es w\u00e4re vermessen, die unio mystica erreichen zu wollen. Jedoch, kann ich schon wahrnehmen, dass es ein Unterschied in der Befindlichkeit ist, wenn ich, bildlich gesprochen, auf der G\u00e4nseleberebene oder auf der Ebene der G\u00e4nsepers\u00f6nlichkeit bin.<\/p>\n<p>(Wird fortgesetzt)<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir kennen viele Arten des Genie\u00dfens. Unsere Sinne sind wach und gesch\u00e4rft. Entsprechend unseres Einkommens ist es uns m\u00f6glich, uns mit exquisiten Dingen zu umgeben. Nun ist unser Denken ein eigent\u00fcmliches Wesen. Es ist uners\u00e4ttlich in seinem Hunger nach Eindr\u00fccken. In der Regel geben wir dem auch ohne Hemmung nach. 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