{"id":2443,"date":"2021-05-16T19:38:20","date_gmt":"2021-05-16T17:38:20","guid":{"rendered":"https:\/\/gpflug.de\/website\/?p=2443"},"modified":"2021-05-16T23:55:33","modified_gmt":"2021-05-16T21:55:33","slug":"yogis-und-revolutionaere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gpflug.de\/website\/2021\/05\/16\/yogis-und-revolutionaere\/","title":{"rendered":"Yogis und Revolution\u00e4re"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2446\" aria-describedby=\"caption-attachment-2446\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2446\" src=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/PICT3041-225x300.jpg\" alt=\"Digital StillCamera\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/PICT3041-225x300.jpg 225w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/PICT3041-768x1024.jpg 768w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/PICT3041-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/PICT3041-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/gpflug.de\/website\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/PICT3041.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2446\" class=\"wp-caption-text\">Digital StillCamera<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Yogasutra 5\/II wird Avidya, eines der f\u00fcnf Klesas, definiert. Dort hei\u00dft es:<\/p>\n<p>Avidya ist, wenn man ein verg\u00e4ngliches Objekt als dauerhaft, ein unreines Objekt als rein, Leid als Freude und das Nicht-Selbst als das Selbst betrachtet.<\/p>\n<p>In seinem Kommentar gibt Vyasa, der Autor des Mahabharata, folgendes Beispiel: \u201eSeht dieses M\u00e4dchen, liebreizend und zart wie der Neumond, ihr K\u00f6rper scheint aus Honig und Nektar, gleichsam eine Tochter des Mondes, Augen wie Lotosbl\u00fcten&#8230;\u201c<\/p>\n<p>An der N\u00fcrnberger Sebalduskirche gibt es das Hochzeitstor, durch das die Brautpaare im Mittelalter zur Trauung schritten. Wenn man ins Innere tritt, trifft man auf eine Frauenstatue von perfekter Sch\u00f6nheit. Geht man auf die R\u00fcckseite, sieht man ein Gewimmel von W\u00fcrmern. So soll erinnert werden, dass das \u00c4u\u00dfere, das wir alle so bewundern, verg\u00e4nglich ist.<!--more--><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist der K\u00f6rper ein h\u00f6chst wandelbares Ding, dem Verfall ausgeliefert und st\u00e4ndiger Pflege erheischend.<\/p>\n<p>Durch den permanenten Wandel der materiellen Welt wird letztlich aus jeder Freude Leid. Jedes Wiedersehen endet in einem Abschied. Wir versuchen, dem mit Weisheiten wie \u201eman soll dann aufh\u00f6ren, wenn es am sch\u00f6nsten ist\u201c entgegen zu wirken. Selbst in Hass und \u00c4rger finden wir (zun\u00e4chst) Befriedigung. \u201eDem hab&#8216; ich es gegeben\u201c \u2013 bis zum unvermeidlichen Katzenjammer.<\/p>\n<p>A-vidya ist nicht Nichtwissen, sondern falsches Wissen (Vidya = Weisheit, Erkenntnis).<\/p>\n<p>Dieses Festhaltenwollen an Dingen, die eigentlich verg\u00e4nglich sind, entspringt der Angst vor Ver\u00e4nderung. Im Yoga nennen wir das Abhinivesa. Es ist in letzter Konsequenz die Angst vor dem Sterben.<\/p>\n<p>Ich habe schon oft \u00fcber die Gunas geschrieben, jene Grundmomente, aus denen die Materie besteht und die sich in st\u00e4ndiger Bewegung befinden und so das \u201eWeltentheater\u201c aufmachen. Einerseits sind wir sehr damit einverstanden, denn wer m\u00f6chte schon, dass immer Winter ist, oder dass der Arbeitstag nie endet. Allerdings ist Schluss mit lustig, wenn wir nach einem sch\u00f6nen Erlebnis in D\u00fcsternis verfallen oder wenn das neue Auto anf\u00e4ngt zu rosten.<\/p>\n<p>Nehmen wir einen kurzen Moment an, die Welt w\u00fcrde wirklich stillstehen, und alles w\u00fcrde bleiben, wie es ist. Arm w\u00fcrde arm bleiben. Die Kranken w\u00fcrden nicht genesen und an den gesellschaftlich-politischen Zust\u00e4nden w\u00fcrde sich nie etwas \u00e4ndern, um nur einige Beispiele zu nennen. Es w\u00e4re eine erstarrte Welt.<\/p>\n<p>Im Grunde bedeutet Vidya das Einverstanden sein mit der Gesamtheit von fortw\u00e4hrenden Ver\u00e4nderungen.<\/p>\n<p>Aber, und das ist der Haken, man kann sich nicht herauspicken, was einem gef\u00e4llt und den Rest ablehnen.<\/p>\n<p>Diejenigen unter ihnen, die \u00f6fter auf dieser Seite sind, wissen, dass ich rege an den politischen Prozessen dieses Landes interessiert bin. Es stehen uns bewegte Monate bevor, an deren Ende sehr kontroverse Wege beschritten werden, mit denen ein Teil der Bev\u00f6lkerung sehr einverstanden ist, w\u00e4hrend der andere Teil mit Grauen erf\u00fcllt ist.<\/p>\n<p>Wie geht man damit um? Ich denke, die schlechteste aller M\u00f6glichkeiten ist das vor sich hin hadern mit dem, was passiert.<\/p>\n<p>Vidya hei\u00dft, das Unab\u00e4nderliche des Wandels zu sehen, weil es das Wesen des materiellen Seins ist.<\/p>\n<p>Wer es andererseits als sein Dharma erkennt, zu k\u00e4mpfen f\u00fcr das, was er als richtig erachtet, sollte das tun. Das ist weitaus besser und vor allem ges\u00fcnder, als nur innerlich unzufrieden zu sein.<\/p>\n<p>Hier begegnen sich Yogis und Revolution\u00e4re.<\/p>\n<p>Im Yogasutra 32\/II geht es um das gro\u00dfe Gel\u00fcbde, das der Yogi ablegt, n\u00e4mlich nie und unter keinen Umst\u00e4nden Gewalt anzuwenden, zu stehlen oder die Unwahrheit zu sagen \u2013 und wenn es das Leben kostet. Warum? Weil er erkannt hat, dass es sinnlos ist, Energie in etwas zu investieren, was vom Wesen her niemals dauerhaft sein kann und letztlich immer zu Frustration f\u00fchren muss.<\/p>\n<p>Ganz anders der Revolution\u00e4r. Er hat sich entschieden, f\u00fcr das, was er f\u00fcr richtig h\u00e4lt, zu k\u00e4mpfen und eventuell zu sterben &#8211; so wie Sophie Scholl, deren 100. Geburtstag wir dieser Tage begingen. Sie starb, weil sie den Wandel, der damals stattfand, n\u00e4mlich die Umwandlung Deutschlands in eine faschistische Diktatur, nicht akzeptieren wollte.<\/p>\n<p>Aus Sicht des Yogis ein sinnloses Unterfangen, au\u00dfer eventuell f\u00fcr sie selbst, wenn ihr Handeln zu innerem Wachstum f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Der Yogi engagiert sich mit \u00e4u\u00dferster Konsequenz auf der Ebene des Ewigen-Permanenten. Der Revolution\u00e4r mit der gleichen Vehemenz im Strudel des, letztlich nicht zu steuernden, Verg\u00e4nglichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Yogasutra 5\/II wird Avidya, eines der f\u00fcnf Klesas, definiert. 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